Antibiotikaresistenz: 74% der Krankenhauskeime resistent
25.06.2026 - 20:13:34 | boerse-global.de
Ein internationales Forscherteam legt nun einen Fünf-Punkte-Plan vor.
Die wachsende Verbreitung arzneimittelresistenter Erreger stellt die globale Gesundheitswirtschaft vor massive Probleme. Aktuelle Studien und regulatorische Entwicklungen im Juni 2026 zeigen: Die Bedrohung geht weit über Krankenhäuser hinaus.
Internationaler Plan gegen resistente Pilze
Ein internationales Forschungsteam aus 50 Fachleuten von 16 Institutionen hat im Fachjournal Nature Medicine einen Fünf-Punkte-Plan zur Bekämpfung resistenter Pilze veröffentlicht. Im Fokus stehen Erreger wie Candida auris und Aspergillus fumigatus.
Besonders gefährdet sind Menschen mit geschwächtem Immunsystem. Als eine Hauptursache gilt die Verwendung ähnlicher Wirkstoffe in Humanmedizin und Landwirtschaft.
Der Maßnahmenkatalog umfasst:
- Mehr Sensibilisierung für das Problem
- Ausbau der globalen Infektionsüberwachung
- Bessere Infektionsprävention
- Optimierte Anwendung bestehender Antimykotika
- Entwicklung neuer Wirkstoffe
Herbizide und ihre Nebenwirkungen
Forscher des Instituts für Medizinische Mikrobiologie Buenos Aires haben einen alarmierenden Zusammenhang entdeckt. Ihre Studie in Frontiers in Microbiology untersuchte 102 Bakterienstämme aus Umwelt, Kliniken und Tierhaltung.
Das Ergebnis: Multiresistente Krankenhauskeime wie Acinetobacter und Pseudomonas zeigen zugleich eine Resistenz gegen das Herbizid Glyphosat. Rund 74 Prozent der untersuchten Krankenhauskeime waren zudem resistent gegen Carbapeneme – ein wichtiges Reserveantibiotikum.
Als gemeinsamen Mechanismus identifizierten die Forscher sogenannte Effluxpumpen. Diese können sowohl das Herbizid als auch Antibiotika aus der Zelle transportieren. Die Wissenschaftler fordern daher, solche Ko-Selektionseffekte bereits vor der Marktzulassung von Pestiziden zu prüfen.
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Neue Technologien in der Abwasserreinigung
Ein wesentlicher Verbreitungspfad für resistente Erreger ist das kommunale Abwasser. Die EU-Kommunalabwasserrichtlinie von 2024 schreibt eine Eliminationsrate von 80 Prozent für Mikroschadstoffe vor.
Große Anlagen mit mehr als 150.000 Einwohnerwerten müssen diese Vorgaben bis 2045 erfüllen. In Kläranlagen werden häufig antibiotikaresistente Bakterien der ESKAPE-Gruppe selektiert.
Spezialisierte Verfahren wie VTA Nanocarbon® erzielen hohe Abscheidungsraten: 94 Prozent der Spurenstoffe, 99 Prozent des Mikroplastiks und 91 Prozent der Gesamtkeime. Für eine Anlage mit 100.000 Einwohnerwerten liegen die Investitionskosten konventioneller Verfahren bei rund 37 Millionen Euro. Das Nanocarbon-Verfahren kommt auf jährliche Produktkosten von 263.000 Euro – mit Nettoeinsparungen von bis zu 3,2 Millionen Euro pro Jahr.
Pilze im Säuglingsdarm
Die Bedeutung von Hefepilzen zeigt sich auch in der pädiatrischen Forschung. Zwei kanadische Studien untersuchten den Hefepilz Malassezia im Darm von Säuglingen. Die Ergebnisse deuten auf einen Zusammenhang mit späterer Neurodermitis und Asthma hin.
Eine Antibiotika-Behandlung in den ersten sechs Lebensmonaten begünstigt das Wachstum von Malassezia. Dies korreliert mit verstärkten allergischen Entzündungsreaktionen. Die Erkenntnisse unterstreichen die Bedeutung eines ausgewogenen Mikrobioms in der frühen Entwicklung.
Forschung in der ökologischen Tierhaltung
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Das Forschungsprojekt ProBioHuhn untersuchte von Oktober 2022 bis Juni 2026 die Zusammenhänge zwischen Tierwohl und Antibiotikaresistenzen in der ökologischen Masthühnerhaltung. Beteiligt waren die Universitäten Kassel und Hohenheim sowie die Tierärztliche Hochschule Hannover.
In 14 Betrieben mit 53 Herden suchten die Forscher nach Managementstrategien, die die Darmgesundheit der Tiere fördern. Ziel: weniger Medikamente und weniger Resistenzen.
