Antibiotikaresistenz: Forscher finden resistente Keime in der Ostsee
Veröffentlicht am: 06.08.2026 um 08:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bakterien werden zunehmend resistent gegen Antibiotika â mit fatalen Folgen. Schon 2019 starben weltweit rund 1,27 Millionen Menschen direkt an resistenten Erregern, etwa 10.000 davon in Deutschland. Forscher des Helmholtz-Instituts fĂŒr One Health (HIOH) suchen nach Lösungen.
Resistente Keime in der Ostsee
Die Belastung der Umwelt ist gröĂer als gedacht. Eine 2024 in npj Clean Water veröffentlichte Studie des HIOH untersuchte mehr als 120 Wasserproben aus der Ostsee bei Greifswald. Das Ergebnis: Die Forscher fanden resistente Escherichia-coli-StĂ€mme â darunter auch multiresistente Varianten.
Die höchste Konzentration trat nahe KlĂ€ranlagen auf. Doch auch in Badebereichen und im Naturschutzgebiet Riems wurden die Erreger nachgewiesen. FĂŒr gesunde BadegĂ€ste bestehe laut Studie kein erhöhtes Risiko. Die Funde zeigen jedoch: AbwĂ€sser spielen eine zentrale Rolle bei der Verbreitung von Resistenzen.
Reserveantibiotika schon wirkungslos?
Besonders beunruhigend: Resistenzmechanismen gegen Reserveantibiotika existieren bereits, bevor diese breitflÀchig zugelassen werden. Das belegt eine Untersuchung zum Wirkstoff Cefiderocol. Bei einem Krankheitsausbruch in Mecklenburg-Vorpommern sowie in US-Isolaten aus 2019 und 2020 fanden Forscher Klebsiella-pneumoniae-StÀmme, die gegen das Medikament resistent waren.
Diese StÀmme kombinieren Carbapenem-Resistenz mit Hypervirulenz. Die Studie zeigt: Resistenzgene verbreiten sich schneller in Bakterienpopulationen, als neue Wirkstoffe entwickelt werden können.
Phagen als HoffnungstrÀger
Die Ostsee-Studie zeigt: Resistente Keime sind auch in Badebereichen nachweisbar. FĂŒr gesunde BadegĂ€ste besteht zwar kein erhöhtes Risiko, doch die Zahlen zu resistenten Erregern sind alarmierend. Dieser Ratgeber liefert eine praktische Checkliste, wie Sie sich beim Baden schĂŒtzen, Antibiotika richtig anwenden und Ihre Darmflora natĂŒrlich stĂ€rken. Jetzt kostenlosen Ratgeber sichern
Da klassische Antibiotika versagen, rĂŒcken Alternativen in den Fokus. Vielversprechend: Bakteriophagen â Viren, die gezielt bestimmte Bakterien angreifen. Forscher untersuchen derzeit Jumbophagen gegen Pseudomonas aeruginosa sowie RNA-Phagen. Als vollstĂ€ndigen Ersatz fĂŒr Antibiotika sehen Experten sie aber nicht.
Ein kombinierter Ansatz aus Phagentherapie und Darmfloratransplantation zeigte 2023 erste Erfolge. Bei zwei von drei Patientinnen mit wiederkehrenden Harnwegsinfektionen blieben die Beschwerden zwei Jahre lang reduziert. Eine gröĂere klinische Studie namens REPhRAME startet im Juni 2027.
Stadtleben macht Darmflora Àrmer
Auch das menschliche Mikrobiom rĂŒckt in den Fokus. Eine 2024 in Nature Communications veröffentlichte Analyse verglich rund 200 Proben von Menschen und Menschenaffen. Ergebnis: Der urbane Lebensstil reduziert die Vielfalt der Darmbakterien â besonders bei der Gattung Prevotella. Zudem hat sich die menschliche Darmflora offenbar spezifisch an Sauerstoff angepasst.
FrĂŒherkennung im One-Health-Ansatz
Das âOne Healthâ-Prinzip betrachtet Mensch, Tier und Umwelt als Einheit. Dazu gehört die Ăberwachung von Zoonosen. Eine Studie von 2026 identifizierte etwa das FeuerfuĂhörnchen als natĂŒrliches Reservoir fĂŒr das Affenpockenvirus.
Antibiotika verlieren zunehmend ihre Wirkung â selbst Reserveantibiotika sind schon resistent. Doch Sie können aktiv werden: Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie Ihre Darmflora stĂ€rken und so Ihr Immunsystem unterstĂŒtzen. Erfahren Sie auĂerdem, worauf Sie bei der Anwendung von Antibiotika achten sollten, um Resistenzen zu vermeiden. Ratgeber fĂŒr starke AbwehrkrĂ€fte jetzt anfordern
Das HIOH baut dafĂŒr internationale Standorte aus. In der Zentralafrikanischen Republik soll ab November 2025 ein Labor in Bayanga regelmĂ€Ăig Proben analysieren. Ziel: neue Zoonosen frĂŒhzeitig erkennen.
Auch BĂŒrger helfen mit. Beim Citizen-Science-Projekt âCiFlyâ untersuchten im April 2026 SchĂŒlergruppen im Anklamer Stadtbruch die BiodiversitĂ€t und das Vorkommen antimikrobieller Resistenzen in einem wiedervernĂ€ssten Moor. Solche Projekte schĂ€rfen das Bewusstsein fĂŒr den Zusammenhang zwischen Umwelt und Gesundheit.
