Antibiotikaresistenz, KI-Peptide

Antibiotikaresistenz: KI-Peptide wirken zu 97% gegen Erreger

Veröffentlicht am: 03.07.2026 um 03:31 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die EU fördert mit 15 Millionen Euro die Phagentherapie gegen Harnwegsinfektionen. Auch private Investoren und KI treiben die Forschung voran.

EU-Phagentherapie: 15 Millionen Euro gegen resistente Keime
Nahaufnahme einer Petrischale mit leuchtenden Bakteriophagen, die Bakterienkolonien angreifen, um gezielte Therapie zu symbolisieren. Illustration mit AI erstellt.

Die EU investiert massiv in die Phagentherapie – und könnte damit die Behandlung bakterieller Infektionen revolutionieren. Weltweit steigen Antibiotikaresistenzen, alternative AnsĂ€tze werden immer dringender.

15 Millionen Euro gegen Harnwegsinfektionen

Das EU-Projekt REPhRAME startete im Juni 2026. Unter der Leitung der UniversitĂ€tsmedizin Frankfurt erforschen Wissenschaftler fĂŒnf Jahre lang eine Kombination aus Phagentherapie und Mikrobiom-Wiederherstellung. Ziel: wiederkehrende Harnwegsinfektionen besiegen.

Die Zahlen sind alarmierend: JĂ€hrlich gibt es weltweit ĂŒber 400 Millionen Harnwegsinfektionen. In 30 bis 50 Prozent der FĂ€lle kehren sie zurĂŒck. Das mit 15 Millionen Euro aus dem Programm Horizon Europe geförderte Projekt setzt auf randomisierte klinische Studien.

Spanisches Start-up sammelt 18 Millionen ein

Auch private Investoren steigen ein. Telum Therapeutics aus Spanien sicherte sich in einer Series-A-Runde 18 Millionen Euro. AngefĂŒhrt wurde die Runde vom AMR Action Fund.

Das Unternehmen entwickelt Enzybiotika – gentechnisch verĂ€nderte Phagen-Lysozyme. Ein Programm richtet sich gegen Acinetobacter baumannii, einen gefĂ€hrlichen Krankenhauskeim. Eine klinische Phase-1-Studie ist in Planung.

Parallel dazu arbeitet ein Fraunhofer-Spin-off an einer speziellen Zahnpasta. Der Wirkstoff blockiert gezielt den Parodontitis-Erreger P. gingivalis – ohne die gesunde Mundflora anzugreifen.

KI beschleunigt die Wirkstoffsuche

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KĂŒnstliche Intelligenz treibt die Entwicklung neuer Antibiotika-Alternativen voran. Das Unternehmen Basecamp Research integriert seine EDEN-Modelle in die Plattform Claude Science von Anthropic. Die Modelle wurden auf ĂŒber 10 Milliarden neuen Genen trainiert.

Ergebnis: 97 Prozent der entwickelten Peptide wirken gegen prioritÀre Erreger der WHO. Ein Kandidat namens EDEN-7 zeigte im Mausmodell Erfolge gegen multiresistente Acinetobacter baumannii-StÀmme.

Diagnostik in Rekordzeit

Das UniversitĂ€tsklinikum Jena prĂ€sentierte im Juni 2026 ein neues Verfahren in Genome Medicine. Mittels Nanopore-Sequenzierung identifizieren Ärzte Krankheitserreger innerhalb von 12 Stunden – selbst wĂ€hrend laufender Antibiotikatherapie.

Eine Pilotstudie mit 18 Patienten bestÀtigte die ZuverlÀssigkeit in 16 FÀllen. Die Kosten pro Probe: etwa 100 bis 120 Euro.

Das Mikrobiom im Fokus

Die Phagenforschung hĂ€ngt eng mit dem menschlichen Mikrobiom zusammen. Bis zu 30 Billionen Bakterien besiedeln unseren Körper. Wissenschaftler der UniversitĂ€t ZĂŒrich beobachten eine schrumpfende Vielfalt – verursacht durch Antibiotika, Pestizide und verarbeitete Lebensmittel.

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Die Folgen sind gravierend: Asthma, Multiple Sklerose und Diabetes werden mit dem Verlust der mikrobiellen Artenvielfalt in Verbindung gebracht.

Die EU weitet ihr Engagement aus. Das Projekt „Discover-Me“ unter Leitung der MedUni Wien startete Anfang Juli 2026. Mit ĂŒber 7,5 Millionen Euro analysiert es Daten von mehr als 700 ME/CFS-Betroffenen. Ein weiteres Projekt, PALACROS, erhĂ€lt knapp 10 Millionen Euro fĂŒr die Standardisierung der Behandlung von BauchspeicheldrĂŒsenkrebs.

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