Antibiotikaresistenzen, Gene

Antibiotikaresistenzen: 70% aller Gene in Lebensmittelketten nachgewiesen

Veröffentlicht: 03.07.2026 um 13:10 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Eine Studie weist über 70 Prozent aller Resistenzgene in europäischen Lebensmittelketten nach. Neue Diagnostik und Therapieansätze sollen gegensteuern.

Antibiotikaresistenzen: Studie enthüllt Ausmaß in Lebensmittelketten
Antibiotikaresistenzen - Nahaufnahme einer Petrischale mit leuchtenden Bakterienkolonien unter einem Mikroskop, im Hintergrund unscharfe landwirtschaftliche Motive. 03.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Übertragung von Antibiotikaresistenzen über die Lebensmittelproduktion bleibt eine der größten globalen Gesundheitsherausforderungen. Eine aktuelle Studie zeigt jetzt das erschreckende Ausmaß der Verbreitung.

Fast 70 Prozent aller Resistenzgene nachgewiesen

Eine im August 2025 in Nature Microbiology veröffentlichte Untersuchung hat die Resistenzlage in der europäischen Lebensmittelwirtschaft detailliert analysiert. Forscher des EU-Projekts MASTER untersuchten über 2.000 Proben aus mehr als 100 Unternehmen. Das Ergebnis: Mehr als 70 Prozent aller bekannten Antibiotikaresistenzgene fanden sich innerhalb der Produktionsketten.

Als Hauptträger identifizierten die Wissenschaftler Bakterien der sogenannten ESKAPEE-Gruppe – darunter Escherichia coli und Klebsiella pneumoniae. Besonders alarmierend: Fast 40 Prozent der gefundenen Resistenzgene sitzen auf Plasmiden. Diese mobilen Erbelemente ermöglichen einen effizienten Austausch zwischen verschiedenen Bakterienarten und beschleunigen so die Ausbreitung von Resistenzen.

Antibiotika-Einsatz sinkt – aber nicht genug

In Deutschland zeigt die Statistik des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) für 2024 einen deutlichen Rückgang. Mit 562 Tonnen sank die Antibiotika-Abgabe an Tierärzte seit 2011 um rund 67 Prozent. Dennoch bleibt der Einsatz in der Nutztierhaltung ein wesentlicher Faktor für die Entstehung von Resistenzen – insbesondere bei Hähnchen-, Putenmast und Saugferkeln. Ein EU-weites Verbot von Antibiotika als Wachstumsförderer besteht bereits seit 2006.

Die Schweiz reagiert jetzt mit strengeren Grenzwerten. Seit dem 1. Juli 2026 gelten verschärfte Regeln für Salmonellen, Campylobacter und Listerien. Hintergrund sind steigende Infektionszahlen: Für 2025 meldeten Schweizer Behörden rund 8.700 Campylobacteriose-Fälle und etwa 2.300 Salmonellose-Erkrankungen. Die Zunahme der gemeldeten Ausbrüche von 43 (2024) auf 72 (2025) führen Experten allerdings primär auf eine verbesserte Meldepraxis zurück.

Salmonellen in Instant-Nudeln: Ausbruch in 13 EU-Staaten

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Die Anfälligkeit globaler Lieferketten zeigte ein Salmonellen-Ausbruch zwischen November 2025 und Juni 2026. In 13 EU-Staaten und dem Vereinigten Königreich registrierten Behörden 106 bestätigte Fälle von Salmonella Stanley. Das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) und die EFSA identifizierten aromatisierte Instant-Nudeln eines ukrainischen Herstellers als Ursache.

Doch nicht nur die Produktion selbst birgt Risiken. Lebensmittelabfälle rücken zunehmend als Reservoir für Resistenzen in den Fokus. Eine FAO-Studie aus 2026 zeigt: Besonders tierische Abfälle, etwa aus der Fischverarbeitung, stellen ein hohes Risiko dar. Die Organisation empfiehlt optimierte Kompostierungsverfahren und anaerobe Vergärung, um die Belastung mit resistenten Keimen zu reduzieren.

Neue Diagnostik aus Jena: Erreger in zwölf Stunden identifizieren

Im Bereich der Infektionskontrolle zeichnen sich technologische Durchbrüche ab. Das Universitätsklinikum Jena stellte Ende Juni 2026 ein neues Verfahren vor. Mittels Nanopore-Sequenzierung identifiziert es Erreger direkt aus dem Blutplasma – und das innerhalb von etwa zwölf Stunden. Die Methode funktioniert auch unter laufender Antibiotikatherapie. Mit Kosten von 100 bis 120 Euro pro Probe könnte sie die gezielte Behandlung schwerer Infektionen deutlich beschleunigen.

Parallel dazu intensiviert sich die Forschung an Alternativen. Das EU-Projekt REPhRAME startete im Juni 2026 mit einem Budget von 15 Millionen Euro. Ziel: Die Phagentherapie zur Behandlung rezidivierender Harnwegsinfektionen. Auch Unternehmen sichern sich frisches Kapital. Das spanische Biotech-Unternehmen Telum Therapeutics erhielt Anfang Juli 2026 eine Finanzierung über 18 Millionen Euro. Es testet proteinbasierte Antimikrobika gegen den Problemkeim Acinetobacter baumannii.

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Die Zahl der Campylobacteriose-Fälle steigt – 2025 wurden allein in der Schweiz rund 8.700 Fälle gemeldet. Mit der richtigen Küchenhygiene können Sie das Risiko drastisch senken. Holen Sie sich die 3 wichtigsten Regeln als kostenlosen Leitfaden. Küchenhygiene-Regeln jetzt sichern

Wilke-Prozess: Juristische Aufarbeitung beginnt

Die weitreichenden Konsequenzen mangelnder Hygienestandards rücken nun auch juristisch in den Fokus. Vor dem Landgericht Kassel beginnt in den kommenden Tagen ein Prozess gegen ehemalige Verantwortliche der Firma Wilke. Es geht um Listerien-Kontaminationen mit Todesfolgen – ein Fall, der die gesamte Branche aufrütteln dürfte.

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