Antioxidantien, Gesundheits-Hype

Antioxidantien: Zwischen Gesundheits-Hype und echten Risiken

20.05.2026 - 14:33:06 | boerse-global.de

Bundesbehörden und VerbraucherschĂŒtzer warnen vor ungeprĂŒften Antioxidantien-PrĂ€paraten und Infusionen. Studien zeigen zudem Risiken von Calciumtabletten fĂŒr Ă€ltere Herzpatienten.

Antioxidantien: Zwischen Gesundheits-Hype und echten Risiken - Foto: ĂŒber boerse-global.de
Antioxidantien: Zwischen Gesundheits-Hype und echten Risiken - Foto: ĂŒber boerse-global.de

Das Bundesinstitut fĂŒr Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat Mitte Mai 2026 vor sogenannten „Drip-Spa“-Infusionen gewarnt. Diese Vitamin-Infusionen, die unter dem Schlagwort „Longevity“ vermarktet werden, haben in Deutschland keine Zulassung als Arzneimittel.

Die Behörde sieht erhebliche gesundheitliche Risiken. Zu den möglichen Komplikationen zÀhlen Hypervitaminosen, Elektrolytstörungen, Kreislaufbelastungen und allergische Reaktionen. Im Extremfall droht ein anaphylaktischer Schock.

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Warnungen vor NahrungsergÀnzungsmitteln

Die Verbraucherzentrale informierte am heutigen Mittwoch umfassend ĂŒber Risiken bei NahrungsergĂ€nzungsmitteln. Zentraler Kritikpunkt: Rund 80 Prozent der untersuchten Online-Angebote entsprechen nicht den rechtlichen Anforderungen.

Besonders kritisch bewerten Experten Substanzen wie Amygdalin, das BlausĂ€urevergiftungen auslösen kann. Auch lebensgefĂ€hrliche Verbindungen wie DNP oder DMAA sind im Umlauf. Selbst bei vermeintlich natĂŒrlichen Wirkstoffen wie Ashwagandha oder Algenprodukten warnen Fachleute vor Schwermetallbelastungen und LebertoxizitĂ€t.

CalciumprĂ€parate: Herzrisiko fĂŒr Ă€ltere Patienten

Eine Studie der UniversitĂ€t Hongkong sorgt fĂŒr Aufsehen. Forscher werteten Daten von 35.000 Herzpatienten mit einem Durchschnittsalter von 77 Jahren aus. Das Ergebnis: Calciumtabletten steigern das Risiko fĂŒr einen erneuten Herzinfarkt oder Schlaganfall um etwa zehn Prozent.

Besonders gefÀhrdet sind MÀnner bei einer tÀglichen Dosierung von 1.000 Milligramm. Interessanterweise zeigte sich dieses Risiko bei kombinierter Einnahme von Calcium und Vitamin D nicht. Das verdeutlicht die KomplexitÀt von MikronÀhrstoff-Wechselwirkungen.

Flavonoide: NatĂŒrliche Quellen statt Pillen

WĂ€hrend isolierte PrĂ€parate Risiken bergen, bleibt der Nutzen von Antioxidantien in natĂŒrlicher Form unbestritten. Flavonoide, eine Untergruppe der Polyphenole, spielen eine SchlĂŒsselrolle. Sie wirken entzĂŒndungshemmend und antioxidativ.

Zu den wichtigsten Quellen zĂ€hlen Beeren mit ihren Anthocyanen, rote Zwiebeln und Kapern. Letztere enthalten mit 180,7 Milligramm pro 100 Gramm besonders viel Quercetin. Auch grĂŒner und schwarzer Tee liefern wertvolle Catechine. Weitere relevante Quellen sind Kirschen, Orangen, Äpfel und Rotkohl.

Die Deutsche Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung (DGE) betont: Eine ballaststoffreiche, pflanzenbasierte Kost senkt das Risiko fĂŒr chronische Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes, Rheuma und Herz-Kreislauf-Probleme. Das gilt auch fĂŒr Patienten mit Autoimmunerkrankungen wie Hashimoto oder Psoriasis.

Kreatin: Keine Wunderwaffe gegen EntzĂŒndungen

Eine Metaanalyse aus Brasilien untersuchte den Einfluss von Kreatin auf EntzĂŒndungsmarker. Die Ergebnisse sind ernĂŒchternd: Kreatin zeigt beim Menschen keine klinisch relevanten Auswirkungen auf CRP oder Interleukin-6 – außer nach Extrembelastungen wie einem Marathon.

Bei Ă€lteren Menschen oder Arthrose-Patienten fanden die Forscher keine signifikanten antientzĂŒndlichen Effekte. Dennoch bleibt Kreatinmonohydrat in einer Dosierung von drei bis fĂŒll Gramm tĂ€glich sicher und wirksam zur Steigerung der Schnellkraftleistung.

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Brain Endurance Training: Gehirn als Leistungsbooster

Ein neuer Trend setzt auf kognitive Vorbereitung vor dem Sport. Untersuchungen Mitte Mai 2026 zeigen: Geistige Aufgaben unmittelbar vor dem Training verbessern Ausdauer und Konzentration.

Bei Probanden zwischen 65 und 78 Jahren steigerte diese Methode die kognitive Leistung um acht Prozent. Die körperliche LeistungsfĂ€higkeit verbesserte sich sogar um bis zu 30 Prozent. Das unterstreicht: Leistung hĂ€ngt nicht nur von NĂ€hrstoffen ab, sondern maßgeblich von neuronaler Steuerung.

BioverfĂŒgbarkeit: Marketing versus QualitĂ€t

Die Wirksamkeit von MikronĂ€hrstoffen hĂ€ngt entscheidend von ihrer BioverfĂŒgbarkeit ab. Branchenexperten warnen: Viele Konsumenten verwechseln die QualitĂ€t eines Produkts mit dem Marketingbudget des Herstellers.

HĂ€ufige Fehler sind der zufĂ€llige Einnahmezeitpunkt oder eine zu kurze Anwendungsdauer. Viele physiologische Effekte treten erst nach einer konsequenten Routine ein. Auf dem Markt etablieren sich zunehmend flĂŒssige MikronĂ€hrstoffkonzentrate als Alternative zu Tabletten. VerbraucherschĂŒtzer raten jedoch zur Skepsis bei Produkten mit extrem vielen Inhaltsstoffen – die Wechselwirkungen sind oft unzureichend erforscht.

PrÀventionsmedizin im Wandel

Die Zukunft der Antioxidantien-Versorgung liegt in individuellen Diagnosen. Fachgesellschaften wie die Deutsche Herzstiftung raten zu Ă€rztlicher AbwĂ€gung vor der Einnahme hochdosierter PrĂ€parate. Der Fokus verschiebt sich von pauschaler Substitution hin zu gezielter UnterstĂŒtzung durch ErnĂ€hrung und Lifestyle.

Regulatorische Behörden werden die Kontrollen im Online-Handel voraussichtlich verschĂ€rfen. Gleichzeitig gewinnen Erkenntnisse ĂŒber Schlaf und Stressmanagement an Bedeutung. Studien mit hohen Teilnehmerzahlen zeigen: Eine Schlafdauer außerhalb des Fensters von 6,4 bis 7,8 Stunden beschleunigt die Alterung innerer Organe. Dem kann auch die höchste Zufuhr an Antioxidantien nur bedingt entgegenwirken.

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