Antwerpen-Urteil: Banken mĂŒssen Phishing-Opfer sofort entschĂ€digen
03.06.2026 - 12:46:06 | boerse-global.deAb sofort mĂŒssen Finanzinstitute Kunden nach Phishing-Angriffen umgehend entschĂ€digen â und erst spĂ€ter beweisen, dass der GeschĂ€digte grob fahrlĂ€ssig handelte.
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PrÀzedenzfall nach 50.000-Euro-Betrug
Auslöser des Urteils vom 3. Juni 2026 war ein Ă€lteres Ehepaar, das 50.000 Euro an einen angeblichen Bankmitarbeiter in Portugal ĂŒberwiesen hatte. Die Richter entschieden: Die Bank muss den Schaden sofort begleichen. Erst in einem zweiten Schritt darf das Institut vor Gericht nachweisen, dass die Kunden grob fahrlĂ€ssig gehandelt haben.
Rechtsanwalt Geert Lenssens spricht von einer âbahnbrechenden Entscheidungâ. Bisher mussten Betrugsopfer oft monatelang um ihr Geld kĂ€mpfen. Jetzt liegt die Beweislast bei den Banken. Branchenbeobachter schĂ€tzen, dass sich grobe FahrlĂ€ssigkeit nur in etwa einem Prozent aller FĂ€lle tatsĂ€chlich nachweisen lĂ€sst.
Neue Betrugswelle in Ăsterreich
Dass solche Urteile dringend nötig sind, zeigt ein Fall aus Klagenfurt. Ein 74-JĂ€hriger erhielt am 31. Mai eine gefĂ€lschte E-Mail und gab seine Zugangsdaten fĂŒr das Portal FinanzOnline preis. Am 1. Juni folgten acht unberechtigte Barabhebungen in Wien. Der Schaden liegt bei mehreren tausend Euro.
WĂ€hrend die Bank Online-Ăberweisungen blockieren konnte, blieben die Bargeldabhebungen zunĂ€chst unentdeckt. Sicherheitsanalysten von Kaspersky warnen zudem vor einer neuen Masche: Kriminelle nutzen ASCII-Art-QR-Codes in E-Mails. Diese textbasierten Codes umgehen automatische Sicherheitssysteme, da sie wie harmloser Text aussehen. Die EmpfĂ€nger werden aufgefordert, die Codes fĂŒr angebliche Sicherheitsupdates zu scannen.
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Kriminelle werden professioneller
Die wirtschaftlichen SchĂ€den sind enorm. In Deutschland liegt der Durchschnittsschaden pro Messenger-Betrug bei 1.180 Euro â fast doppelt so viel wie der globale Schnitt von 630 Euro. Besonders alarmierend: In 44 Prozent der FĂ€lle entsteht der Schaden innerhalb von nur 30 Minuten nach dem ersten Kontakt.
KĂŒnstliche Intelligenz verschĂ€rft die Lage zusĂ€tzlich. Marktdaten von CrowdStrike zeigen einen Anstieg KI-gestĂŒtzter Angriffe um 89 Prozent. Auch Attacken auf NFC-Schnittstellen legten in den ersten Monaten 2026 um 188 Prozent zu. Die deutsche Cyberagentur startete deshalb Ende April das Forschungsprojekt ARCH, das materielle und immaterielle SchĂ€den durch CyberkriminalitĂ€t systematisch erfassen soll.
Experten raten Unternehmen zu verstĂ€rkten Mitarbeiterschulungen und regelmĂ€Ăigen Updates der E-Mail-Filtersysteme. Denn die neue Rechtsprechung macht klar: Wer seine Kunden nicht schĂŒtzt, zahlt am Ende drauf.
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