Aortenklappenerkrankung: CTA zeigt Fibrose mit einer Korrelation von 0,92
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 15:01 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie kalzifizierende Aortenklappenerkrankung wird maßgeblich von zwei biologischen Prozessen bestimmt, die im Gewebe oft ungleich verteilt sind: dem bindegewebigen Umbau der extrazellulären Matrix und der Ablagerung von mineralischem Kalzium.
Wie eine im Fachjournal Frontiers in Cardiovascular Medicine veröffentlichte Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2026 darlegt, kann die herkömmliche Bestimmung des Kalziumscores diese beiden pathologischen Komponenten nicht voneinander trennen.
Für eine differenzierte Diagnostik und Verlaufsbeurteilung rücken daher bildgebende Verfahren in den Mittelpunkt, die auch den nichtkalzifizierten Gewebeanteil quantifizieren können.
Steigende Fallzahlen und diagnostische Herausforderungen
Die klinische Relevanz der Erkrankung wächst weltweit. Nach Angaben der Untersuchung Global Burden of Disease aus dem Jahr 2021 stieg die Zahl der Menschen mit nichtrheumatischer kalzifizierender Aortenklappenerkrankung von 4,98 Millionen im Jahr 1992 auf 13,32 Millionen im Jahr 2021, was einem Zuwachs von 168 Prozent entspricht. Die altersstandardisierte Prävalenz kletterte im selben Zeitraum von 130,82 auf 158,35 pro 100.000 Personen.
Regionale Erhebungen spiegeln diese Entwicklung wider: In der Cardiovascular Health Study mit 5.201 Teilnehmern im Alter von mindestens 65 Jahren wiesen 26 Prozent eine Aortensklerose und 2 Prozent eine Aortenstenose auf.
In der norwegischen Tromsø-Studie lag die Häufigkeit der Aortenstenose in der Altersgruppe von 70 bis 79 Jahren bei 3,9 Prozent und stieg bei den 80- bis 89-Jährigen auf 9,8 Prozent an.
Trotz dieser Verbreitung existiert bisher keine zugelassene medikamentöse Behandlung, um den Krankheitsverlauf aufzuhalten. Leitlinien der ESC und EACTS hielten 2025 fest, dass für die kalzifizierende Aortenklappenerkrankung keine wirksame Pharmakotherapie belegt ist.
Neue Bildgebungsansätze mittels Angiographie
Um Gewebeveränderungen bereits vor einer massiven Verkalkung zu erkennen, gewinnt die computertomographische Angiographie (CTA) an Bedeutung. Sie ermöglicht die Erfassung des gesamten fibrokalzifischen Volumens. Bei einer Validierung an 164 Patienten zeigte sich dabei eine Korrelation zum Gewicht des operativ entnommenen Klappengewebes von 0,72.
Der Kalziumscore allein trennt bindegewebigen Umbau und Mineralablagerung nicht — für die Verlaufsbeurteilung brauchen Sie den nichtkalzifizierten Gewebeanteil. Der Leitfaden zeigt Ihnen in 3 Schritten, wie Sie das fibrokalzifische Volumen in der CTA erfassen und die Fibrose-Fraktion einordnen. Kostenlosen Praxisleitfaden jetzt anfordern
In einer weiteren Validierungsreihe an 29 Teilnehmern korrelierte die nichtkalzifizierte Fraktion in der Bildgebung eng mit der histologisch bestimmten Fibrose, mit einem Korrelationskoeffizienten r von 0,92 und einem Intraklassen-Korrelationskoeffizienten (ICC) von 0,94. Der mittlere Bias lag bei ?4,9 Prozentpunkten mit 95-Prozent-Grenzen von ?18,5 bis 8,7. In der Studie SALTIRE2 nahm das totale fibrokalzifische Volumen über einen Zeitraum von einem Jahr um 17 Prozent zu und korrelierte mit der Veränderung des mittleren Druckgradienten.
Geschlechtsunterschiede und bisherige Studienlage
Die differenzierte Betrachtung von Fibrose und Kalzium deckt zudem erhebliche Geschlechtsunterschiede auf. Bei einer Untersuchung von 651 Patienten vor einem kathetergestützten Aortenklappenersatz (TAVR) wiesen Frauen ein indexiertes totales fibrokalzifisches Volumen von 230 mm³/cm² auf, verglichen mit 293 mm³/cm² bei Männern.
Während das rein kalzifizierte Volumen bei Frauen bei 85 mm³/cm² lag und bei Männern 149 mm³/cm² betrug, fiel das Verhältnis von nichtkalzifiziertem zu kalzifiziertem Gewebe bei Frauen mit 1,47 deutlich höher aus als bei Männern mit 0,83.
Mehrere klinische Studien konnten bislang keinen hemmenden Einfluss von Arzneimitteln auf den Klappenumbau nachweisen. Die SALTIRE-Studie mit 155 Patienten zeigte unter Atorvastatin keine Verlangsamung der Progression, und die ASTRONOMER-Studie an 272 Patienten fand unter Rosuvastatin keine Verbesserung.
Frauen zeigen vor TAVR ein deutlich höheres Verhältnis von nichtkalzifiziertem zu kalzifiziertem Gewebe als Männer — wer nur den Kalziumscore liest, übersieht das. Die Checkliste führt Sie durch die geschlechtsspezifischen Befundmuster und die Studienlage zu Statinen und Antikörpern. Checkliste geschlechtsspezifische Befunde sichern
In der SEAS-Studie an 1.873 Patienten führte die Gabe von Simvastatin und Ezetimib zwar zu weniger ischämischen Ereignissen, die Klappenveränderungen blieben jedoch unbeeinflusst. Auch SALTIRE2 mit Denosumab oder Alendronsäure zeigte keinen klappenbezogenen Nutzen. In der DIP-CAVD-Studie verfehlte Evogliptin den primären CT-Endpunkt nach 96 Wochen.
Einzig in der AVADEC-Studie mit Vitamin K2 und Vitamin D zeigte sich nach zwei Jahren eine Kalziumscore-Differenz von ?17 Agatston. Weitere Erkenntnisse erhoffen sich Forscher von laufenden Untersuchungen wie der CHIANTI-Studie mit Colchicin und 24-Monats-Kalziumscore-Endpunkt sowie der PASSPORT-Studie zu Vitamin K1.
