APOE4, Alzheimer

APOE4 und Alzheimer: Studie zeigt, wie GefĂ€ĂŸnarben das Risiko erhöhen

Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 04:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Zellmodelle und APOE4-MĂ€use zeigten nach Eingriff in den TGF-beta-Signalweg weniger GefĂ€ĂŸfibrose und Amyloid-Ablagerungen.

Alzheimer-Forschung: APOE4 fördert GefĂ€ĂŸnarben, Blockade zeigt Wirkung
Mikroskopische Aufnahme von komplexen GefĂ€ĂŸstrukturen im menschlichen Gehirn, die biologische GewebeverĂ€nderungen visualisiert. Illustration mit AI erstellt.

Untersuchungen der Icahn School of Medicine at Mount Sinai liefern neue Einblicke in die Mechanismen hinter dem bekanntesten genetischen Risikofaktor fĂŒr die Alzheimer-Krankheit.

Eine am 24. September 2026 im Fachjournal Cell erschienene Studie belegt, dass die Genvariante APOE4 die Bildung von Narbengewebe in den HirnblutgefĂ€ĂŸen maßgeblich beeinflusst. Diese vaskulĂ€ren VerĂ€nderungen tragen wesentlich dazu bei, warum TrĂ€ger des Gens ein drastisch erhöhtes Erkrankungsrisiko aufweisen.

Zellatlas enthĂŒllt Umbau von GefĂ€ĂŸzellen

FĂŒr die Untersuchung analysierten die Forscher einen Atlas aus 66.000 Zellen von 220 Personen. Dabei zeigte sich bei TrĂ€gern der APOE4-Variante ein deutliches Ungleichgewicht: Sie wiesen weniger schĂŒtzende Perizyten auf, wĂ€hrend die Zahl narbenbildender Myofibroblasten erhöht war, welche vermehrt Fibronectin produzieren.

In dreidimensionalen Hirngewebemodellen wandelten sich die Perizyten direkt in diese Myofibroblasten um. Als zentraler molekularer Treiber dieses zellulÀren Umbaus wurde der sogenannte TGF-beta-Signalweg identifiziert.

Die Bindegewebsbildung steht in engem Zusammenhang mit frĂŒheren genetischen Entdeckungen. Bereits eine im Jahr 2024 untersuchte Analyse von ĂŒber 3.500 Personen hatte gezeigt, dass eine spezifische Mutation im Gen FN1 TrĂ€ger von APOE4 vor den Auswirkungen der Erkrankung schĂŒtzen kann.

VaskulÀre Vernarbung als potenziell umkehrbarer Prozess

Die Arbeiten an der Icahn School of Medicine at Mount Sinai machen deutlich, dass der GefĂ€ĂŸschaden bei Alzheimer kein statischer Verschleiß ist, sondern ein biologisch aktiver und potenziell reversibler Prozess.

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In Zellmodellen sowie bei gealterten APOE4-MĂ€usen gelang es den Forschern, die Perizyten-Abdeckung durch eine gezielte Blockade des TGF-beta-Signalwegs wiederherzustellen. Diese Intervention reduzierte sowohl die Fibrose als auch vaskulĂ€re Amyloid-Ablagerungen. Zudem fĂŒhrte eine gezielte Blockade von Fibronectin dazu, dass sich weniger Amyloid absetzte.

Gleichzeitig verweisen Fachleute auf erhebliche HĂŒrden bei der praktischen Umsetzung: Abdel Ali Belaidi vom Florey Institute gab zu bedenken, dass der TGF-beta-Signalweg therapeutisch nur schwer sicher angreifbar sei, da er grundlegende Körperfunktionen steuert.

Hohe klinische Relevanz bei weitverbreitetem Gendefekt

Die Bedeutung dieser GefĂ€ĂŸprozesse fĂŒr das gesamte Krankheitsbild ist betrĂ€chtlich. Nach Angaben von Joel Blanchard von der Icahn School of Medicine at Mount Sinai tragen 6 von 10 Alzheimer-Patienten die Genvariante APOE4. WĂ€hrend eine einzelne Kopie das Erkrankungsrisiko gegenĂŒber zwei APOE3-Kopien um das 2- bis 3-Fache steigert, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit bei zwei Kopien bis auf das 12-Fache. Allein in den USA betrifft die Alzheimer-Demenz ĂŒber 7 Millionen Ă€ltere Erwachsene.

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ErgĂ€nzende Befunde des Forschungsinstituts in Cell Stem Cell verdeutlichen zudem systemische Auswirkungen auf weitere Zelltypen. Demnach verursacht APOE4 eine Akkumulation von Cholesterin in Astrozyten und stört die lysosomale MĂŒllentsorgung, woraufhin sich Alpha-Synuclein zusammenlagert und auf Neuronen ausbreitet.

Die daraus resultierende Verdickung der HirngefĂ€ĂŸe, eine erhöhte GefĂ€ĂŸpermeabilitĂ€t sowie chronische EntzĂŒndungen mindern den Abtransport von Beta-Amyloid und drosseln die Hirndurchblutung. Als Konsequenz verstĂ€rken sich Neuroinflammation und Tau-Phosphorylierung.

Um diesen Kaskaden entgegenzuwirken, rĂŒcken zunehmend multimodale Therapien und der gezielte Schutz der Blut-Hirn-Schranke in den Mittelpunkt der pharmazeutischen Entwicklung. Als Testplattform dienen dabei unter anderem sogenannte miBrains – kryokonservierbare 3D-Hirngewebemodelle aus induzierten pluripotenten Stammzellen.

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