Apollo, World

Apollo World: Baidu simuliert täglich 100.000 Kilometer für Robotaxis

Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 13:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das neue Weltmodell simuliert dynamische Verkehrslagen für Apollo Go; Baidu kombiniert virtuelle Szenarien weiterhin mit realen Straßendaten.
Eine menschenleere, nächtliche Straßenkreuzung mit klar erkennbaren Fahrbahnmarkierungen und Ampelanlagen. Illustration mit AI erstellt.

Der chinesische Technologiekonzern Baidu hat am 3. November 2026 beim Baidu AI Day in Shenzhen ein neues Modell für physische künstliche Intelligenz vorgestellt. Das agentenbasierte, multimodale Weltmodell namens Apollo World erzeugt interaktive virtuelle Verkehrsumgebungen, die gezielt für das Training und die Validierung der autonomen Fahrdienste von Apollo Go entwickelt wurden.

Simulation seltener Verkehrsszenarien in Echtzeit

Apollo World ist in der Lage, auf einem Rechencluster bis zu 100.000 km simulierter Fahrleistung pro Tag zu generieren. Laut Angaben des Unternehmens entspricht dieses tägliche Volumen rund drei Jahren kontinuierlicher Fahrpraxis eines realen Testfahrzeugs mit Sicherheitsfahrer. Dabei berechnet das System 24 Frames pro Sekunde mit jeweils 10 Kamerabildern und 4 Lidar-Punktwolken, um multimodale Beobachtungsdaten von Kamera und Lidar in Echtzeit bereitzustellen.

Im Unterschied zu herkömmlichen Simulationen agieren die virtuellen Verkehrsteilnehmer in Apollo World nicht nach starren Skripten, sondern reagieren dynamisch auf Entscheidungen im System. Dadurch lassen sich komplexe und potenziell gefährliche Grenzsituationen simulieren, die im realen Straßenverkehr aus Sicherheitsgründen kaum testbar sind, darunter Radfahrer, die rote Ampeln missachten, oder plötzlich auf der Fahrbahn auftauchende Tiere.

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Im Rahmen der Präsentation stellte das Unternehmen zudem einen 2+3-Bewertungsrahmen für Weltmodelle vor, der die Kernkriterien Kausalität und Interaktivität sowie physikalische Genauigkeit, Persistenz und Echtzeitfähigkeit umfasst.

Wang Liang, Chefarchitekt der Intelligent Driving Group bei Baidu, bezeichnete Apollo World als Prüfinstanz für die Sicherheit des autonomen Fahrens. Er betonte, dass der technologische Fokus primär auf physikalischen Gesetzmäßigkeiten und Verhaltenskausalität liegen müsse anstatt auf rein realistischen Bilddarstellungen.

Gleichzeitig räumte das Unternehmen ein, dass das Weltmodell die reale Umwelt gegenwärtig noch nicht vollständig abbilden kann und virtuelle Simulationsdaten weiterhin mit realen Straßendaten kombiniert werden müssen.

Flottenausbau und globale Testaktivitäten

Baidu setzt Apollo World bereits aktiv für globale Tests und die Validierung von Apollo Go ein. Rund 100 Robotaxis des Dienstes sind gegenwärtig mit der nächsten End-to-End-Architektur ausgerüstet und im regulären Betrieb. Die kumulierte sichere Fahrleistung dieser Fahrzeuge im voll fahrerlosen Modus nähert sich der Marke von 1 Mio. km.

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Weltweit ist Apollo Go inzwischen in 28 Städten aktiv. Die Flotte hat bisher mehr als 23 Mio. Fahrten absolviert und über 350 Mio. km an Fahrleistung erfasst, wovon über 240 Mio. km voll fahrerlos zurückgelegt wurden. Neben voll fahrerlosen kommerziellen Angeboten in Dubai führt Baidu derzeit reguläre Straßentests in London und Hongkong durch.

Zunehmender Wettbewerb um generative Simulation

Der Einsatz generativer Simulationsmodelle gewinnt im Sektor des autonomen Fahrens branchenweit an Relevanz. Neben Baidu erforschen auch Technologieunternehmen wie Waymo, Pony.ai und WeRide generative Simulationen, um Softwarearchitekturen effizienter abzusichern und Skalierungshürden zu überwinden.

Marktbeobachter von Morgan Stanley beziffern das Potenzial für Chinas gesamte Robotaxi-Flotte auf bis zu 1 Mio. Fahrzeuge bis zum Jahr 2035. Über den Straßenverkehr hinaus plant Baidu, die zugrunde liegende Modelltechnologie künftig auch auf weiterführende Einsatzbereiche in der Robotik zu übertragen.

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