Apothekenmarkt in Krise: Insolvenzrate im Juni auf 20-Jahres-Hoch
Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 06:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Versandapotheke aus Bad Laer steckt in finanziellen Schwierigkeiten – und das zum zweiten Mal.
Das Unternehmen BS Apotheken OHG, Betreiberin von Sanicare, stellte am 22. Juli 2026 einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung. Als Gründe nennt die Geschäftsführung sinkende Renditen, hohe Investitionskosten und den wachsenden Wettbewerbsdruck durch die Einführung des E-Rezepts.
Betrieb läuft uneingeschränkt weiter
Trotz des Insolvenzantrags bleibt der Geschäftsbetrieb von Sanicare vollständig erhalten. Die bisherigen Geschäftsführer Christoph Bertram und Heinrich Meyer führen das Unternehmen weiter – nun unter gerichtlicher Aufsicht. Die Eröffnung des regulären Insolvenzverfahrens ist für Oktober 2026 vorgesehen.
Für die Versandapotheke ist es nicht die erste Krise dieser Art: Bereits 2012 musste Sanicare einen Insolvenzantrag stellen. Aktuell zählt das Unternehmen rund 1,6 Millionen Kunden und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von etwa 80 Millionen Euro. Am Standort in Bad Laer sind 74 Mitarbeiter beschäftigt.
Strukturelle Probleme im Apothekenmarkt
Die Schwierigkeiten von Sanicare sind kein Einzelfall. Der deutsche Apothekenmarkt steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Die notwendigen Investitionen in die Digitalisierung – insbesondere im Zuge des E-Rezepts – belasten viele Anbieter. Hinzu kommen veränderte Erstattungsstrukturen im Gesundheitswesen.
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Bereits Anfang des Jahres hatten Marktbeobachter auf die wachsenden Probleme im Versandhandel hingewiesen. Zwar bieten Online-Apotheken Bequemlichkeit, doch die Preise für rezeptfreie Medikamente schwanken stark. Zudem gerieten automatisierte Kundenservice-Tools wie Chatbots zuletzt in die Kritik: Sie könnten die persönliche Beratung in Vor-Ort-Apotheken nicht ersetzen.
Deutschlandweit steigen die Insolvenzzahlen
Der Sanicare-Antrag fällt in eine Zeit massiv steigender Unternehmenspleiten. Für Juni 2026 meldeten die Ämter die höchste Insolvenzrate seit 20 Jahren. Die Zahl lag um 80 Prozent über dem Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019.
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Experten führen diese Entwicklung auf mehrere Faktoren zurück: Strukturwandel im Einzelhandel, die Nachwirkungen früherer Wirtschaftsschwankungen und den digitalen Umbruch ganzer Branchen. Besonders betroffen sind der Einzelhandel und die Energiebranche – doch auch der Apothekenmarkt bleibt von diesen Kräften nicht verschont.
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