Apothekenreform: Bundestag beschlieĂźt weitreichende Neuerungen
24.05.2026 - 13:30:14 | boerse-global.deMai 2026 eine umfassende Neuordnung des Apothekenwesens verabschiedet. Das von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) eingebrachte „Apothekenversorgungsweiterentwicklungsgesetz“ (ApoVWG) soll die Apotheken vor dem Kollaps bewahren – doch Ärzte und Krankenkassen schlagen Alarm.
Mehr Befugnisse fĂĽr Apotheker
Die Reform erweitert das Aufgabenspektrum der Apotheken massiv. Künftig dürfen geschulte pharmazeutische Mitarbeiter Impfungen mit Totimpfstoffen verabreichen – darunter Tetanus, FSME, Grippe und Corona. Bisher war dies nur in Arztpraxen möglich.
Viele Deutsche merken gar nicht, dass ihre Augen schwächer werden – bis es zu spät ist. Dieser kostenlose 3-Minuten-Test zeigt Ihnen sofort, wie es um Ihre Sehkraft wirklich steht. Sehtest ohne Arzttermin jetzt online durchführen
Hinzu kommen präventive und diagnostische Leistungen: Apotheken können künftig Screenings für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes anbieten sowie Tabakentwöhnung unterstützen. Auch Schnelltests auf Influenza, Norovirus und Rotavirus sind erlaubt – allerdings als Selbstzahlerleistung. Für Patienten ab 18 Jahren sind zudem Blutabnahmen zur Medikamentenüberwachung vorgesehen.
Besonders praxisrelevant: Bei chronischen Erkrankungen oder unkomplizierten akuten Beschwerden dürfen Apotheker bestimmte verschreibungspflichtige Medikamente ohne neuen Arztbesuch aushändigen. Ausgenommen sind Antibiotika und Betäubungsmittel. Die Reform lockert zudem die Öffnungszeiten und vereinfacht den Austausch nicht verfügbarer Arzneimittel bei Lieferengpässen.
Milliardenschwere Kostenexplosion befĂĽrchtet
Die Krankenkassen warnen vor erheblichen finanziellen Folgen. Der GKV-Spitzenverband rechnet mit Mehrkosten von rund 875 Millionen Euro jährlich. Andere Marktbeobachter gehen sogar von über einer Milliarde Euro aus.
Zentraler Streitpunkt: das Apothekenhonorar. Derzeit erhalten Apotheken 8,35 Euro pro verschreibungspflichtiger Packung. Dieser Festbetrag soll auf 9,50 Euro steigen – in zwei Schritten: zum 1. Juli 2026 und zum 1. Januar 2027. Die Erhöhung ist allerdings nicht im ApoVWG selbst geregelt, sondern wird per separater Verordnung von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche erwartet.
Doch damit nicht genug: Das bereits im April 2026 vom Kabinett diskutierte GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz sieht ab Januar 2027 höhere Zuzahlungen für Patienten vor. Die derzeitige Spanne von 5 bis 10 Euro steigt um 50 Prozent auf 7,50 bis 15 Euro. Auch die Zuschüsse für Zahnersatz sinken. Geschützt werden Patienten durch eine Obergrenze: Die Zuzahlungen sind auf zwei Prozent des Bruttojahreseinkommens gedeckelt, bei chronisch Kranken auf ein Prozent.
Ärzteschaft läuft Sturm
Die medizinischen Standesvertreter reagieren empört. Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), lehnt die Reform entschieden ab. „Kernaufgaben wie Diagnose und Therapieeinleitung müssen bei den Ärzten bleiben“, betonte er nach der Bundestagsentscheidung.
BÄK und Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) warnen vor „Parallelstrukturen“, die Patienten verwirren und die Versorgung zersplittern könnten. Blutabnahmen und die Abgabe verschreibungspflichtiger Medikamente ohne Arztkontakt untergrüben die bewährte Arbeitsteilung im Gesundheitswesen. Kritiker sehen in der Reform vor allem ein Geschenk an die Pharmaindustrie.
Die Diskussion fällt in eine Zeit, in der auch andere Probleme im Gesundheitswesen drängen. Der Verband der Ersatzkassen (vdek) warnte zuletzt vor einer Zunahme von Rezeptbetrug – insbesondere bei Tilidin und bestimmten Krebsmedikamenten. Die Kassen appellieren an Apotheker, genauer hinzuschauen und bei Papierrezepten direkt bei den ausstellenden Praxen nachzufragen.
Ein System am Tiefpunkt
Die Reform kommt nicht von ungefähr. Die Zahl der Apotheken in Deutschland ist auf 16.541 gesunken – der niedrigste Stand seit 1977. Innerhalb von 13 Jahren schloss fast jede f?nfte Apotheke. Allein 2025 machten 502 Standorte dicht. Die Regierung hofft, durch zusätzliche Einnahmequellen und weniger Bürokratie den Trend umzukehren.
Warum so viele Prostata-Operationen in Deutschland völlig unnötig sind. Ein Männer-Gesundheitscoach erklärt, wie Sie durch gezielte Ernährung vorsorgen und Ihre Prostatagesundheit ganz ohne Pillen oder Operationen unterstützen können. Kostenlosen Spezialreport 'Die Prostata Revolution' anfordern
Der Strukturwandel betrifft das gesamte Gesundheitswesen. So kommt seit Oktober in Stuttgart ein neuartiger „Single-Port“-Da-Vinci-Roboter zum Einsatz, der Prostata-Operationen mit nur einem Schnitt ermöglicht. Auch KI hält Einzug: Dr. Bruno Benigno nutzt ein System, das Patientengespräche aufzeichnet und zusammenfasst – eine Hilfe für Männer mit Prostatakrebs, die oft mit komplexen Therapieoptionen konfrontiert sind.
Was kommt als Nächstes?
Nach der Zustimmung des Bundestags geht das Gesetz nun in den Bundesrat. Die Länderkammer berät am 12. Juni 2026 über das ApoVWG. Während die strukturellen Änderungen weitgehend beschlossen sind, wartet die Branche gespannt auf die Honorarverordnung aus dem Wirtschaftsministerium.
Für die Patienten werden die ersten Veränderungen in der zweiten Jahreshälfte 2026 spürbar – wenn Apotheken mit den erweiterten Impf- und Screening-Angeboten starten. Die finanziellen Folgen für den Einzelnen zeigen sich dann im Januar 2027, wenn die höheren Zuzahlungen und die zweite Honorarstufe zusammenkommen. Ob die Reform die Apothekenlandschaft retten kann, ohne die Krankenkassen zu überfordern, wird sich zeigen müssen.
So schätzen die Börsenprofis Aktien ein!
FĂĽr. Immer. Kostenlos.
