Apple-Datenschutz, Sammelklage

Apple-Datenschutz: Sammelklage wegen heimlicher Iris-Scans eingereicht

Veröffentlicht: 10.07.2026 um 01:32 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Apple sieht sich einer Sammelklage wegen unrechtmäßiger Erfassung von Netzhautdaten seiner Nutzer ausgesetzt. Die finanziellen Forderungen könnten enorm sein.

Apple Sammelklage: Heimliche Iris-Scans verletzen Datenschutzgesetze
Apple-Datenschutz - Apple Vision Pro Headset mit biometrischen Iris- und Netzhautscan-Mustern als Symbol für eine Datenschutzklage. 10.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Der Konzern soll heimlich Iris- und Netzhautscans von Millionen Nutzern gesammelt haben – ohne deren ausdrückliche Einwilligung.

Biometrische Daten im Visier der Justiz

Die am 4. Juli 2026 beim Bundesbezirksgericht im Nordbezirk von Illinois eingereichte Klage stützt sich auf das Illinois Biometric Information Privacy Act (BIPA). Die Klägerin Samantha Mettler wirft Apple vor, über die Gesichtserkennung Face ID sowie die Aufmerksamkeitserkennung biometrische Daten zu erfassen. Das Problem: Die Nutzer wurden weder informiert noch um schriftliche Erlaubnis gebeten.

Laut der Klageschrift von Anwalt Blake Hunter Yagman fertigen Apples Systeme bereits während der Einrichtung und bei der täglichen Nutzung hochauflösende Scans der Augen an. Zwar speichert Apple die Daten in der sogenannten Secure Enclave des Geräts – doch die Nutzer können die biometrischen Informationen weder einsehen noch löschen. Genau das schreibt BIPA jedoch vor.

Millionenklagen drohen

Die Sammelklage könnte Millionen von Einwohnern Illinois‘ vertreten, die Apple-Geräte mit diesen Funktionen nutzen. Besonders brisant: Ein Urteil des Obersten Gerichtshof von Illinois aus dem Jahr 2023 stellt klar, dass jeder einzelne Scan als eigener Verstoß gewertet werden kann. Das treibt die möglichen Schadensersatzsummen in schwindelerregende Höhen.

Rechtsexperten rechnen mit bis zu 5.000 Dollar pro Verstoß – vorausgesetzt, das Gericht stuft Apples Verhalten als vorsätzlich oder fahrlässig ein. Zwar hat der Bundesstaat Illinois im August 2024 mit dem Senate Bill 2979 die Schadensersatzforderungen für bestimmte biometrische Klagen eingeschränkt. Die finanziellen Risiken bleiben jedoch enorm.

Erst im Juli 2025 erhielt ein Vergleich über 18,2 Millionen Dollar gegen den Bildungsverlag Pearson gerichtliche Zustimmung – ebenfalls wegen unrechtmäßiger Hand- und Gesichtsscans.

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Apples Hardware unter Druck

Die juristischen Probleme kommen zu einem ungünstigen Zeitpunkt für den Tech-Riesen. Bereits im April 2026 hatte Apple die Entwicklung bestimmter Teile seiner Vision Pro-Reihe gestoppt. Die Verkaufszahlen des Headsets sind dramatisch eingebrochen: Von 390.000 Einheiten im Jahr 2024 auf gerade einmal 45.000 im Jahr 2025.

Einen Lichtblick gibt es immerhin im Medizinsektor. Das Unternehmen SightMD setzt die Technologie seit April 2026 bei Katarakt-Operationen ein. Auch renommierte Einrichtungen wie die Mayo Clinic und das Boston Children‘s Hospital nutzen die räumliche Computerplattform. Die Analysten von IDC prognostizieren für 2026 eine leichte Erholung auf rund 290.000 verkaufte Einheiten.

Datenschutz wird zum Risikofaktor

Die Biometrie-Klage reiht sich ein in eine Serie rechtlicher Auseinandersetzungen. Erst am 9. Juli 2026 fand eine Anhörung zu einem 250-Millionen-Dollar-Vergleich statt, den Apple im Mai 2026 wegen Verzögerungen bei den "Siri AI"-Funktionen erzielt hatte. Der Vergleich betrifft US-Bürger, die zwischen Juni 2024 und März 2025 bestimmte iPhone-15-Pro- und iPhone-16-Modelle kauften.

Die gesamte Tech-Branche steht vor einem "Privacy Reckoning" – einer datenschutzrechtlichen Abrechnung. Meta veröffentlichte am 7. Juli 2026 ein Pflicht-Update für seine Smart Glasses, das die Kameras deaktiviert, wenn die Aufnahme-LED manipuliert wurde. Doch schon zwei Tage später folgte der nächste Paukenschlag: Berichte über Prototypen einer "Supersensing"-Brille, die ohne Kontrollleuchte ununterbrochen aufzeichnen kann.

Auch die Politik reagiert. Ab dem 20. Juli 2026 verbietet New York Aufnahmebrillen in allen 1.240 Gerichtssälen des Bundesstaates.

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Führungswechsel in Cupertino

Diese Entwicklungen überschatten einen historischen Moment bei Apple: CEO Tim Cook wird am 1. September 2026 von seinem Posten zurücktreten. Ob der neue Chef die Datenschutzstrategie des Konzerns grundlegend ändern wird, bleibt abzuwarten. Die Klage aus Illinois könnte ihm jedenfalls wenig Zeit für eine Schonfrist lassen.

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