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Apple Watch: Studie findet 21 FÀlle von Vorhofflimmern bei 219 TrÀgern

Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 13:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Studien zeigen mehr erkannte FÀlle von Vorhofflimmern durch Wearables; Fachleute warnen vor Fehldeutungen und zusÀtzlicher Praxisbelastung.
Ein minimalistisches, modernes Behandlungszimmer in einer kardiologischen Praxis mit einem ausgeschalteten EKG-GerÀt. Illustration mit AI erstellt.

Kardiologen fordern TrĂ€ger von Smartwatches und Fitness-Trackern dazu auf, aufgezeichnete HerzĂŒberwachungsdaten aktiv mit medizinischem Fachpersonal zu teilen. Durch die frĂŒhzeitige Weitergabe von Messwerten könnten lebensbedrohliche Herzereignisse rechtzeitig erkannt und verhindert werden.

Laxmi Mehta, Direktorin fĂŒr PrĂ€ventivkardiologie am Wexner Medical Center der Ohio State University, rĂ€t Nutzern, AuffĂ€lligkeiten wie einen kontinuierlich steigenden Blutdruck oder unregelmĂ€ĂŸige Herzrhythmen frĂŒhzeitig Ă€rztlich abzuklĂ€ren.

Als Orientierungswert nennt die Medizinerin einen normalen Ruhepuls von 60 bis 100 SchlĂ€gen pro Minute. Entsprechende EKG-Aufzeichnungen könnten ĂŒber mobile Anwendungen wie MyChart direkt elektronisch an behandelnde Praxen ĂŒbermittelt werden, um Hinweise auf Rhythmusstörungen wie Vorhofflimmern zeitnah zu prĂŒfen.

In Deutschland habilitierte der Kardiologe Dennis Lawin aus Bad Oeynhausen zum Einsatz digitaler Helfer bei der Diagnose dieser Rhythmusstörung, die unbehandelt das Schlaganfallrisiko um das FĂŒnffache erhöht.

Studien belegen Nutzen bei unbemerktem Vorhofflimmern

Klinische Untersuchungen stĂŒtzen das diagnostische Potenzial digitaler MessgerĂ€te. Eine im Journal of the American College of Cardiology veröffentlichte sechsmonatige Studie des Amsterdam UMC untersuchte 437 Teilnehmer ab 65 Jahren mit erhöhtem Schlaganfallrisiko.

WÀhrend 218 Probanden die medizinische Standardversorgung erhielten, trugen 219 Teilnehmer rund 12 Stunden tÀglich eine Apple Watch. In der Smartwatch-Gruppe wurden 21 FÀlle von Vorhofflimmern diagnostiziert, von denen 57 Prozent symptomlos verliefen.

In der Vergleichsgruppe gab es lediglich fĂŒnf Diagnosen, die ausnahmslos mit spĂŒrbaren Symptomen einhergingen. Der Kardiologe Michiel Winter vom Amsterdam UMC erklĂ€rte dazu, dass Smartwatches mit optischer Pulsmessung und EKG die Erkennung unbemerkter Arrhythmien beschleunigen und so Schlaganfallrisiken sowie Behandlungskosten senken könnten.

Weitere Daten lieferte die finnische Untersuchung CARE-DETECT mit 150 Patienten, publiziert in Scientific Reports: Eine Interventionsgruppe, die nÀchtliche Bettsensoren sowie zweimal tÀglich eine Smartphone-App nutzte, verzeichnete in drei Monaten sechs neue Vorhofflimmer-FÀlle (7,7 Prozent), verglichen mit null FÀllen in der Kontrollgruppe. Der positive prÀdiktive Wert lag bei 15,4 Prozent, womit etwa eine von sieben Warnungen zutraf.

Grenzen der Technik und Belastung fĂŒr Praxen

Trotz technischer Fortschritte betonen Behörden und Fachgesellschaften die klaren Grenzen der Wearables. Die Nationale Gesundheitskommission Chinas stellte klar, dass Messungen von Smartwatches keine medizinischen Untersuchungen ersetzen und nicht als alleinige Basis fĂŒr Diagnosen oder Behandlungen dienen dĂŒrfen.

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Chinesische Experten wiesen darauf hin, dass der primĂ€re Nutzen in der Beobachtung langfristiger Trends liege, wĂ€hrend Einzelmessungen keinen Anlass fĂŒr Selbstdiagnosen bieten sollten.

Am Welt-Schlaganfalltag hoben Fachkreise hervor, dass Smartwatches lediglich Frequenz und Rhythmus erfassen, wĂ€hrend SchlaganfĂ€lle durch GefĂ€ĂŸrisse oder Blutgerinnsel auch bei einer unauffĂ€lligen Herzfrequenz von etwa 72 SchlĂ€gen pro Minute auftreten können.

Prof. Dr. Peter Radke und Prof. Dr. Christian Veltmann von der Deutschen Herzstiftung erklÀrten, dass Wearables weder eine Àrztliche Diagnose ersetzen noch eine koronare Herzkrankheit oder einen Herzinfarkt erkennen können.

Bei akutem Brustschmerz mĂŒsse umgehend der Notruf gewĂ€hlt werden. Die verbauten Sensoren erreichen zwar eine Erkennungsgenauigkeit von ĂŒber 90 Prozent fĂŒr Rhythmusstörungen, erfassen mit ihren 30-Sekunden-1-Kanal-EKGs jedoch nur einen Bruchteil eines klinischen 12-Kanal-EKGs.

In Deutschland sind ĂŒber 1,6 Millionen Menschen von Vorhofflimmern betroffen, fast die HĂ€lfte davon ohne erkennbare Symptome. FĂŒr Personen ĂŒber 65 Jahren mit Vorerkrankungen sowie fĂŒr alle ĂŒber 75 empfiehlt die Deutsche Herzstiftung weiterhin eine regelmĂ€ĂŸige manuelle Pulskontrolle.

In der PrimĂ€rversorgung fĂŒhren automatisierte Warnmeldungen derweil zu wachsenden Herausforderungen: Praxen berichten ĂŒber einen deutlichen Anstieg ungeplanter Arbeit durch Alarmmeldungen, deren Befunde zwar oft real, im unselektierten Praxisalltag jedoch hĂ€ufig nicht unmittelbar handlungsrelevant sind.

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Forderungen von Fachgesellschaften, Wearable-Daten zunĂ€chst ĂŒber klinische Vermittlungsstellen zu filtern, lehnten GerĂ€tehersteller mit dem Verweis darauf ab, dass die Messdaten dem jeweiligen Nutzer gehörten.

Gleichzeitig verĂ€ndern Hersteller ihre Schnittstellen: Withings fĂŒhrte zum 13. Oktober 2026 fĂŒr neue Konten eine jĂ€hrliche GebĂŒhr von 100 US-Dollar ein, um Gesundheitsdaten von smarten Waagen und Uhren an Plattformen wie Apple Health oder Google Health zu exportieren.

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