Aprocitentan senkt Nierenschäden um 60%: Neue Hoffnung bei Bluthochdruck
03.06.2026 - 01:18:21 | boerse-global.de
Gleich mehrere klinische Studien aus dem Frühjahr 2026 zeigen Fortschritte, die weit über die bisherigen Therapieoptionen hinausgehen. Besonders im Fokus: Patientengruppen, die bislang kaum spezifische Behandlungsmöglichkeiten hatten.
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Bayer öffnet Tür für Nierenpatienten ohne Diabetes
Der Pharma-Riese Bayer präsentiert auf dem 63. Kongress der Europäischen Nierenvereinigung (ERA) in Glasgow die ersten vollständigen Ergebnisse seiner Phase-III-Studie FIND-CKD. Die Untersuchung läuft vom 3. bis 6. Juni 2026 und könnte den Wirkstoff Finerenone (Handelsname Kerendia) für eine völlig neue Patientengruppe erschließen: Menschen mit chronischer Nierenerkrankung, die nicht an Diabetes leiden.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Patienten mit Glomerulonephritis, einer entzündlichen Nierenerkrankung. Ergänzend zur Einzelstudie wertet die sogenannte INFINITY-Poolanalyse die Daten aus drei großen Studien (FIDELIO-DKD, FIGARO-DKD und FIND-CKD) gemeinsam aus. Bislang ist Finerenone in den USA nur für Nierenerkrankungen bei Typ-2-Diabetes sowie für Herzinsuffizienz mit eingeschränkter Pumpfunktion zugelassen.
Aprocitentan senkt Nierenbelastung bei Bluthochdruck
Auch der Schweizer Biotech-Konzern Idorsia meldet Erfolge. Eine neue Analyse der Phase-III-Studie PRECISION zeigt, dass der Blutdrucksenker Aprocitentan die Albuminurie – ein zentraler Marker für Nierenschäden – deutlich und nachhaltig reduziert. Die Daten wurden am 1. Juni 2026 auf der ESH-Tagung vorgestellt.
Bei 730 Patienten mit schwer einstellbarem Bluthochdruck erzielte eine 25-mg-Dosis beeindruckende Ergebnisse: Bei Patienten mit Mikroalbuminurie sank das Verhältnis von Albumin zu Kreatinin im Urin (UACR) von 77,5 mg/g auf 34 mg/g. Bei Makroalbuminurie fiel der Wert von 860,2 mg/g auf 286,7 mg/g – und das bis zur 36. Woche stabil. Bis zu 46 Prozent der Patienten erreichten eine niedrigere Risikokategorie, ohne dass die Nierenfunktion (eGFR) darunter litt.
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Herz-Pflaster aus Stammzellen: Göttinger Forscher überzeugen
Ein Team der Universitätsmedizin Göttingen veröffentlichte im New England Journal of Medicine eine vielversprechende Studie: Ein aus Stammzellen gezüchtetes Gewebepflaster fürs Herz zeigte bei zwölf Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz eine durchschnittliche Verdickung der Herzwand um 4,5 Millimeter und verbesserte die Pumpkraft spürbar. Ein Meilenstein für die regenerative Kardiologie.
Neue Hoffnung bei DarmentzĂĽndung: Abivax meldet Erfolg
Am 2. Juni 2026 veröffentlichte das französische Biotech-Unternehmen Abivax positive Topline-Ergebnisse seiner Phase-III-Studie ABTECT zur Erhaltungstherapie mit Obefazimod bei Colitis ulcerosa. Nach 44 Wochen erreichten 50,8 Prozent (25 mg) beziehungsweise 51,3 Prozent (50 mg) der Patienten eine klinische Remission – in der Placebogruppe waren es lediglich 10,4 Prozent. Abivax kündigte an, noch im vierten Quartal 2026 einen Zulassungsantrag bei der FDA einzureichen.
Parkinson frĂĽher erkennen: TĂĽbinger Forscher entwickeln neuen PET-Tracer
Ein gemeinsames Forschungsteam des Universitätsklinikums Tübingen und des Max-Planck-Instituts veröffentlichte am 27. Mai 2026 in Science Translational Medicine eine Studie zu einem neuartigen PET-Tracer namens [11C]MODAG-005. Erstmals lässt sich damit die Ansammlung von Alpha-Synuclein im lebenden Gehirn sichtbar machen – ein entscheidender Schritt für die Frühdiagnose von Parkinson und Multisystematrophie (MSA).
Marktlage: Bayer unter Druck, Idorsia mit RĂĽckenwind
Die Aktienmärkte reagieren verhalten. Bayer schloss am 2. Juni 2026 bei 34,10 Euro – ein Minus von knapp drei Prozent. Das Unternehmen kämpft weiter mit den rechtlichen Folgen des Glyphosat-Streits um Roundup. Ein Vergleich über 7,25 Milliarden US-Dollar wurde von einem Gericht in Missouri an ein Bundesgericht in San Francisco verwiesen; eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofs wird bis Ende Juni erwartet.
Idorsia notierte am selben Tag bei 4,236 Schweizer Franken. Neben den positiven Nierendaten konnte das Unternehmen kürzlich auch Sicherheitsdaten der Phase I für seinen Impfstoffkandidaten gegen C. difficile (IDOR-1134-2831) vorlegen – ein weiterer Hoffnungsträger im Kampf gegen gefürchtete Krankenhauskeime.
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