Arbeitsbelastung, Erschöpfung

Arbeitsbelastung: 83% gehen trotz mentaler Erschöpfung zur Arbeit

Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 08:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Multitasking, beruflicher Druck und ungĂŒnstige Umgebungen können die Selbstregulation beeintrĂ€chtigen; kleine Ziele und Hilfe stĂ€rken sie.
Ein minimalistischer, aufgerÀumter Schreibtisch in hellem Morgenlicht mit einer einzelnen Pflanze. Illustration mit AI erstellt.

Hirnforscher und psychologische Ratgeber thematisieren verstÀrkt, wie spezifische, oft schwer vermeidbare Alltagsgewohnheiten die individuelle Willenskraft und die FÀhigkeit zur Selbstregulation beeintrÀchtigen. Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse und Marktstudien verdeutlichen dabei den Zusammenhang zwischen mentaler Erschöpfung, dem Arbeitsumfeld und neurologischen Prozessen.

Neurowissenschaftliche Ursachen der WillensermĂŒdung

Der Hirnforscher Prof. Dr. Martin Korte erlĂ€uterte in einer Veröffentlichung vom 10.09.2026, dass insbesondere Multitasking zu einer ErmĂŒdung des Stirnlappens fĂŒhrt. Dies schwĂ€che bewusste Entscheidungen und die allgemeine WillensstĂ€rke.

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, empfiehlt der Experte, Ablenkungen zu minimieren, das Smartphone außer Reichweite zu legen und KommunikationsaktivitĂ€ten wie das PrĂŒfen von E-Mails auf einen stĂŒndlichen Rhythmus zu begrenzen.

ErgĂ€nzend dazu verweist die Neurowissenschaftlerin Anne-Laure Le Cunff auf die Bedeutung kleiner Ziele. Laut einem Bericht vom 10.09.2026 sei es effektiver, „winzige Experimente“ durchzufĂŒhren – wie etwa ein zehntĂ€giges tĂ€gliches Lauftraining von 30 Minuten –, anstatt sich unrealistisch große Ziele zu setzen. Das Gehirn lerne ĂŒber den sogenannten Wahrnehmungs-Handlungs-Zyklus am besten, wenn jeweils nur ein Experiment gleichzeitig verfolgt werde.

Stressfaktoren und die Rolle des Arbeitsumfelds

Die psychische Belastung im Berufsleben stellt einen wesentlichen Faktor fĂŒr die SchwĂ€chung der SelbstregulationsfĂ€higkeit dar. Eine reprĂ€sentative Studie von Mavie unter rund 1000 ErwerbstĂ€tigen in Österreich ergab im September 2026, dass 83 % der Befragten trotz mentaler Erschöpfung zur Arbeit gehen.

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Insgesamt 67 % gaben an, oft oder sehr oft gestresst zu sein, wobei Frauen mit 73 % hĂ€ufiger betroffen sind als MĂ€nner mit 61 %. 37 % der Teilnehmer identifizierten die Arbeit als grĂ¶ĂŸten Stressfaktor.

ZusĂ€tzlich belegen Daten einer Studie des BIBB und der TU Braunschweig aus dem Jahr 2023, dass rund ein Zehntel der ErwerbstĂ€tigen in Deutschland suchthaft arbeitet. Eine tĂ€gliche Mehrarbeit von drei bis vier Stunden ist laut Forschungsergebnissen des TÜV Rheinland mit einem deutlich erhöhten Depressionsrisiko verbunden.

Chronischer Stress Ă€ußere sich dabei nicht nur emotional durch Reizbarkeit oder Angst, sondern auch physisch durch Schlafstörungen und Konzentrationsschwierigkeiten. Nach intensiven Stressphasen könne die vollstĂ€ndige Erholung mehrere Wochen in Anspruch nehmen.

Externe EinflĂŒsse: Raumklima und hĂ€usliches Umfeld

Auch die physische Umgebung beeinflusst die kognitive LeistungsfĂ€higkeit. Nach DIN EN 13779 gilt ein CO2-Wert von ĂŒber 1000 ppm als belastend fĂŒr konzentriertes Arbeiten. In kleinen Homeoffice-RĂ€umen wird dieser Wert bei geschlossenen Fenstern oft bereits nach 45 Minuten erreicht. Experten raten daher zu StoßlĂŒften alle 60 bis 90 Minuten.

Untersuchungen der Psychologinnen Darby Saxbe und Rena Repetti zeigen zudem einen Zusammenhang zwischen der Wahrnehmung des Zuhauses und dem Stresshormon Cortisol. Ein als unordentlich oder unfertig empfundenes Heim korreliere mit ungĂŒnstigen Cortisolmustern, wĂ€hrend ein geordnetes Umfeld einen gesĂŒnderen Verlauf begĂŒnstige. Dieser Effekt sei bei Frauen besonders deutlich beobachtet worden.

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Strategien zur StÀrkung der Selbstwirksamkeit

Um die SelbstregulationsfĂ€higkeit wiederherzustellen, rĂ€t die US-Psychologin Angela Duckworth dazu, aktiv um Hilfe zu bitten. Studien der Texas State University und der University of Washington belegen, dass proaktive Hilfesuche die akademische Leistung verbessert und GrĂŒnder durch Austausch schneller wachsen lĂ€sst.

Dr. Albrecht MĂŒllerschön verweist in diesem Kontext auf das Konzept der Selbstwirksamkeit nach Albert Bandura, die sich aus eigenen Meisterungserfahrungen, Vorbildern und sozialer UnterstĂŒtzung speise.

In der PrĂ€vention von Suchtverhalten und Impulskontrollverlusten gewinnen zudem neue AnsĂ€tze an Bedeutung. WĂ€hrend die Deutsche Hauptstelle fĂŒr Suchtfragen strikte Grenzwerte fĂŒr risikoarmen Alkoholkonsum definiert (maximal 12 g/Tag fĂŒr Frauen, 24 g/Tag fĂŒr MĂ€nner), zeigen Trends wie „Dopamin-Shops“ in SĂŒdkorea Möglichkeiten auf, Kaufimpulse ohne reale Transaktionen abzufangen.

Zur physischen Resilienzsteigerung empfiehlt der Endokrinologe Tim Hollstein zudem gezielte KĂ€lteexposition, um den Stoffwechsel und die Aktivierung von braunem Fett zu unterstĂŒtzen.

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