Arbeitsfähigkeit, Beschäftigten

Arbeitsfähigkeit: 40% der Beschäftigten trauen sich Job bis Rente nicht

05.07.2026 - 19:35:04 | boerse-global.de

Neue DGB-Daten zeigen: 40 Prozent der Beschäftigten glauben nicht, ihren Beruf bis zur Rente ausüben zu können. Die Koalition reagiert mit schärferen Regeln.

Krankenstand in Deutschland: Viele zweifeln an Job-Durchhaltevermögen
Arbeitsfähigkeit - Mitarbeiter nehmen an einem betrieblichen Gesundheitsprogramm teil, das die körperliche und geistige Gesundheit fördert. 05.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Neue Daten des DGB-Index Gute Arbeit zeigen: 40 Prozent der Befragten glauben nicht, dass sie ihren Job ohne Einschränkungen bis zur Rente durchhalten können. Nur 53 Prozent sind zuversichtlich, die Belastung bis zum regulären Rentenbeginn zu schaffen.

Besonders betroffen: Pflege, Bau und Handwerk

Die Ergebnisse basieren auf einer Befragung von rund 28.000 Beschäftigten zwischen 2022 und 2026. Besonders kritisch ist die Lage in Branchen mit hoher körperlicher oder psychischer Belastung.

Im Sanitär-, Heizungs- und Klempnerhandwerk zweifeln 72 Prozent der Beschäftigten an ihrem Durchhaltevermögen. In der Krankenpflege sind es 71 Prozent, in der Altenpflege 67 Prozent und im Hochbau 66 Prozent. Auch unter Erziehern rechnet mehr als die Hälfte (57 Prozent) damit, vorzeitig aus dem Berufsleben ausscheiden zu müssen. Als Hauptursachen nennen die Betroffenen körperliche Belastung, hohen Zeitdruck und Lärm.

Langzeiterkrankungen treiben Fehlzeiten

Statistiken aus dem Jahr 2024 zeigen: Langzeiterkrankungen von mehr als sechs Wochen Dauer verursachen rund 40 Prozent aller Fehltage. Die häufigsten Diagnosen sind Muskel-Skelett-Erkrankungen und psychische Leiden.

Im internationalen Vergleich fällt der deutsche Krankenstand jedoch moderater aus als oft angenommen. Eine IGES-Studie ordnet Deutschland mit einer verlorenen wöchentlichen Arbeitszeit von 6,8 Prozent auf Rang sieben ein. Norwegen (10,7 Prozent) und Finnland (10 Prozent) liegen deutlich höher.

Innerhalb Deutschlands gibt es große Unterschiede zwischen den Sektoren. In Bundesbehörden lag der Krankenstand 2024 mit durchschnittlich 15,2 Tagen über dem bundesweiten Durchschnitt von 14,8 Tagen. Einzelne Institutionen wie der Bundesrat oder der Bundestag erreichten sogar Werte von über 22 Tagen.

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Koalition beschließt schärfere Regeln für Krankschreibungen

Die Koalition aus Union und SPD hat im Juli 2026 einen umstrittenen Beschluss gefasst: Eine Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag sowie die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung. Arbeitgeberverbände begrüßen die Reform als Mittel gegen Missbrauch.

Ökonomen und Krankenkassenvertreter zeigen sich skeptisch. Ein Experte des DIW warnt: Eine frühe Attestpflicht könne längere Ausfallzeiten provozieren, da Ärzte bei einem Praxisbesuch seltener für nur einen Tag krankschreiben. Zudem machen telefonische Krankschreibungen laut Analysen der Barmer und des Zentralinstituts lediglich 0,8 bis 1,2 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen aus – ihr Einfluss auf das Gesamtgeschehen ist gering.

Krankenkassenvorstände bezeichnen die Pläne teils als Symbolpolitik. Sie warnen vor einer Überlastung der Arztpraxen und einem erhöhten Infektionsrisiko in Wartezimmern. Auch in der Bevölkerung ist die Ablehnung deutlich: 59 Prozent sprechen sich gegen die Attestpflicht ab Tag eins aus, 58 Prozent gegen das Ende der telefonischen Krankschreibung.

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Alternativen: Teilkrankschreibung und bessere Arbeitsbedingungen

Arbeitnehmervertreter fordern eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen statt administrativer Verschärfungen. Parallel dazu werden alternative Modelle diskutiert. Große Krankenkassen plädieren für eine Teilkrankschreibung nach skandinavischem Vorbild, wie sie in Schweden oder Norwegen praktiziert wird. Das Modell soll den Kontakt zum Arbeitsplatz erhalten und eine stufenweise Rückkehr ermöglichen.

Zusätzlich liegen Vorschläge einer Rentenkommission vor, die 33 Maßnahmen zur Stabilisierung des Systems umfassen. Dazu gehören die Koppelung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung und die Förderung einer Kapitalmarktrente. Die Bevölkerung reagiert verhalten: Laut Deutschlandtrend halten nur 35 Prozent der Befragten diese Maßnahmen für geeignet, um die künftigen Herausforderungen zu bewältigen.

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