Arbeitsmarkt, Millionen

Arbeitsmarkt: 4,3 Millionen Fachkräfte fehlen bis 2036

Veröffentlicht: 19.07.2026 um 08:39 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Tech-Konzerne bauen weltweit 139.156 Stellen ab, KI verdrängt 23 Prozent der Jobs. Berufseinsteiger trifft es besonders hart.

Arbeitsmarkt im Wandel: Massive Stellenstreichungen in der Tech-Branche
Junge Fachkräfte in einem modernen Büro, die besorgt auf Bildschirme blicken, während im Hintergrund technologische Elemente zu sehen sind. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Technologische Innovationen, wirtschaftliche Unsicherheit und geopolitische Spannungen hinterlassen ihre Spuren. Besonders die Tech-Branche steht massiv unter Druck.

Tech-Konzern baut massiv ab

Im ersten Halbjahr 2026 strich die Branche weltweit 139.156 Stellen – ein Anstieg um 83 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Rund 23 Prozent der Kündigungen, etwa 101.743 Jobs, gehen direkt auf den Einsatz von Künstlicher Intelligenz und Automatisierung zurück.

Ein führendes Social-Media-Unternehmen trennte sich im Mai von rund 8.000 Mitarbeitern. Ein großer Softwarekonzern folgte im Juli mit 4.800 Kündigungen.

Besonders hart trifft es Berufseinsteiger. Die Einstellungsquote für Hochschulabsolventen liegt um 65 Prozent niedriger als 2019. Unternehmen setzen stattdessen auf erfahrene Fachkräfte: Sie besetzen rund 71 Prozent der ausgeschriebenen Entwicklerpositionen.

Marketingsektor spürt die Konjunkturflaute

Auch in Deutschland sinkt die Nachfrage nach Marketingfachleuten. Im zweiten Quartal 2026 waren noch 78.343 Stellen offen – nach 88.096 im ersten Quartal. Gleichzeitig stieg die Zahl der Arbeitssuchenden auf 63.000.

KI-Kompetenzen werden zur Grundvoraussetzung. Wer sie nicht vorweisen kann, hat es schwer.

Freelancer-Markt: Spezialisierung gefragt

Ein differenziertes Bild zeigt der Projektmarkt für Freelancer. Zwar meldeten 21 Prozent der Unternehmen kurzfristige Fachkräfteengpässe. Doch die Nachfrage verschiebt sich deutlich.

Bei Standard-Skills wie JavaScript (2,53 Profile pro Projekt) oder allgemeinem Projektmanagement herrscht Angebotsüberhang. Spezialisierte Anforderungen wie Jira oder Python bleiben gefragt. Themen wie Compliance, Governance und agile Frameworks wie SAFe gewinnen an Bedeutung.

Langfristig droht jedoch eine massive Lücke: Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) prognostiziert bis 2036 einen Mangel von rund 4,3 Millionen Arbeitskräften.

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Regionale Unterschiede: Bayern bangt, Basel booms

In Deutschland zeigt sich eine starke regionale Kluft. In Bayern planen 24 Prozent der Unternehmen Stellenabbau. In der Industrie sieht sich sogar jeder dritte Betrieb dazu gezwungen. Hauptrisiko: die hohen Arbeitskosten.

Ganz anders in der Region Basel. Der Lehrstellenmarkt ist stabil. Bis Ende Juni wurden in Basel-Stadt 1.821 Lehrverträge unterzeichnet, in Basel-Landschaft waren es Mitte Juni 1.706 – ein Höchststand. Gefragt sind kaufmännische Berufe sowie Fachkräfte im Gesundheits- und Betreuungswesen.

In der Pharmazie stieg die Zahl arbeitsloser Apotheker 2025 um zehn Prozent. Die Quote liegt mit 3,1 Prozent zwar nahe der Vollbeschäftigung. Seit 2025 werden Apotheker aber nicht mehr offiziell als Engpassberuf geführt.

Neue Strategien für die Jobsuche

Der wachsende Wettbewerb erfordert neue Ansätze. Branchenexperten verweisen auf den verdeckten Stellenmarkt: Viele Positionen werden intern oder über Netzwerke besetzt – ohne öffentliche Ausschreibung.

Eine viel diskutierte Methode ist die 10/10-Regel. Eine Karriereberaterin empfiehlt, gezielt zehn Unternehmen auszuwählen und dort jeweils zehn Kontakte in relevanten Fachabteilungen anzusprechen. Eine Personalerin bestätigt: Die Qualität der Kontakte zählt mehr als die Quantität. Der Anteil nicht ausgeschriebener Stellen wird als sehr hoch eingeschätzt.

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Globale Konflikte hinterlassen Spuren

Auch geopolitische Spannungen beeinflussen den Arbeitsmarkt. Mitte Juli führten Konflikte im Nahen Osten zu wirtschaftlichen Verwerfungen in Dubai. Jeder vierte Arbeitgeber in den Vereinigten Arabischen Emiraten rechnet für das dritte Quartal mit Stellenstreichungen.

Besonders betroffen sind Arbeitsmigranten. Sie sind vermehrt mit Entlassungen und Lohnkürzungen konfrontiert. Im Finanzsektor verlagert die UBS Kommandozentralen innerhalb der Region – mit personellen Fluktuationen im Top-Management.

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