Arbeitsstress: 52 Prozent haben wegen des Jobs schon einmal geweint
Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 13:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Emotionale Extremzustände gehören für viele Erwerbstätige zum Berufsalltag. Eine Erhebung der Plattform karriere.at verdeutlicht das Ausmaß der psychischen Beanspruchung: Demnach gaben 52 Prozent der befragten Personen an, bereits mindestens einmal wegen der Arbeit geweint zu haben.
Zudem berichteten 64 Prozent von mindestens einem erlebten Wutausbruch im beruflichen Kontext. Für einen erheblichen Teil der Beschäftigten handelt es sich dabei nicht um isolierte Einzelfälle.
Rund 31 Prozent erreichen regelmäßig ihre emotionale Belastungsgrenze, während ein weiteres Drittel angibt, zumindest manchmal beziehungsweise einige Male im Jahr an diesen Punkt zu gelangen. Knapp ein Drittel der Betroffenen wünscht sich in derartigen Situationen den direkten Dialog mit der jeweiligen Führungskraft.
Die Mechanismen der sogenannten Autonomiefalle
Hinter den Reaktionen stehen häufig tiefer liegende Dynamiken der Selbstüberforderung. Die klinische Psychologin Petra Stecher verweist in diesem Zusammenhang auf ein Phänomen, das sie als Autonomiefalle beschreibt. Insbesondere Leistungsträger neigen demnach dazu, eine emotionale Rüstung mit gesunder persönlicher Unabhängigkeit zu verwechseln.
Betroffene bauten eine äußere Fassade des unfehlbaren Machers auf. Als langfristige Konsequenz drohe eine Belastungsdepression. Dies ziehe auch für Unternehmen gravierende Nachteile nach sich, da in der Folge verlässliche Absprachen und die sogenannte Handschlagqualität verloren gingen.
Als eine zentrale Ursache für das Entstehen dieser Überlastungsmuster identifiziert Stecher unter anderem eine unzureichend ausgeprägte Fehlerkultur im europäischen Raum.
Wachsender Druck auf Leitungsebenen und Reaktionen der Ausbildung
Die Belastungen beschränken sich keineswegs auf Angestellte ohne Führungsverantwortung. Der Bericht Global Leadership Forecast 2025 von DDI, für den 10.796 Führungskräfte weltweit befragt wurden, belegt eine kontinuierliche Verschärfung: 71 Prozent der Führungskräfte gaben an, unter einem erhöhten Stresslevel zu stehen, nachdem dieser Wert im Jahr 2022 noch bei 63 Prozent gelegen hatte.
Auf diese Entwicklung reagieren internationale Wirtschaftshochschulen. Institutionen wie das IMD Lausanne, die Rotterdam School of Management, die HEC Paris, die Essec sowie die Polimi nehmen Module zu Resilienz- und Energiemanagement in ihre Executive-MBA-Programme auf.
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Am IMD ist der Bereich Energiemanagement für nachhaltige Leistung fester Bestandteil des Kerncurriculums; dort kommt unter anderem ein mehrmonatiges Stressmonitoring mit Firstbeat-Geräten zum Einsatz. Das Segment gewinnt auch in Branchenrankings an Bedeutung, wie etwa der FT-EMBA-Bericht der Financial Times vom 12. Oktober 2026 unterstreicht.
Ursachenforschung und Handlungsoptionen für Arbeitgeber
Neben individuellen Verhaltensmustern tragen unklare Arbeitsstrukturen wesentlich zur Belastung bei. Eine Untersuchung der Universität Bielefeld zum World Mental Health Day zeigt, dass sowohl die Zunahme als auch die Abnahme sogenannter illegitimer Aufgaben – also von Tätigkeiten außerhalb der eigentlichen Rolle – im Vergleich zu einem stabilen Niveau zu größerer emotionaler Erschöpfung führt.
Der Mechanismus beruhe auf der dadurch ausgelösten Verunsicherung. Wie im Rahmen der Bielefelder Untersuchung zitierte Daten der AOK belegen, stellen psychische Erkrankungen einen der Hauptgründe für längere Fehlzeiten dar.
Wenn unklare Rollenprofile und strukturelle Veränderungen das Stresslevel im Unternehmen steigen lassen, ist eine rechtssichere Dokumentation der Belastungen entscheidend. Nutzen Sie diese praxiserprobten Muster und Excel-Vorlagen, um Überlastungsgefahren frühzeitig zu erkennen und rechtlich vorzusorgen. Kostenlose Muster-Überlastungsanzeige und Gefährdungsbeurteilung sichern
Die Autoren der Studie raten Unternehmen daher dazu, Rollenprofile regelmäßig zu aktualisieren, Erwartungen transparent zu formulieren und strukturelle Anpassungen aktiv zu begleiten.
Die gesamtwirtschaftlichen Dimensionen unzureichender Gesundheitsvorsorge sind beträchtlich: Laut einer Erhebung von Vitality verursachen gesundheitliche Belastungen in der deutschen Wirtschaft jährliche Kosten in Höhe von 506 Milliarden Euro.
Auch der Gesetzgeber setzt verbindliche Leitplanken. Gemäß Paragraf 5 des Arbeitsschutzgesetzes sind Betriebe verpflichtet, psychische Belastungen im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung systematisch zu erfassen und bei grundlegenden betrieblichen Veränderungen fortzuschreiben.

