Arbeitszeit: 53 Prozent der Deutschen wollen kĂĽrzer arbeiten
30.05.2026 - 22:30:55 | boerse-global.deDer Grund: Immer mehr Beschäftigte leiden unter psychischer Belastung. Besonders die Viertage-Woche rückt als Burnout-Prävention in den Fokus.
Forschungsergebnisse zum 100:80:100-Modell liefern nun neue Erkenntnisse. Das Prinzip: 100 Prozent Gehalt für 80 Prozent Arbeitszeit – bei gleichbleibender Produktivität. Eine australische Untersuchung vom heutigen Samstag zeigt: Das Modell verbessert die Work-Life-Balance signifikant und senkt das Burnout-Risiko.
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Produktivität bleibt stabil – bei besserer Planung
Die Analyse belegt: Unternehmen halten ihre Produktivität, wenn sie die Umstellung mit präziser Planung, klarer Kommunikation und Management-Unterstützung begleiten. Das deckt sich mit ökonomischen Beobachtungen. In Deutschland liegt die Produktivität pro Stunde bei rund 96,7 Prozent des US-Niveaus, in Frankreich bei 90,7 Prozent – bei deutlich geringerer absoluter Arbeitszeit.
Der Bedarf für neue Modelle ist enorm. Eine im März veröffentlichte Studie der Organisation Citro mit über 1.000 Teilnehmern zeigt: 51 Prozent der Generation X fühlen sich unsichtbar, 90 Prozent klagen über Erschöpfung, Unsicherheit oder Anspannung. Zwei Drittel dieser Altersgruppe sind zusätzlich durch Pflegeaufgaben belastet.
Deutsche Arbeitnehmer: 53 Prozent wollen kĂĽrzer arbeiten
Auch in Deutschland ist der Wunsch nach kürzeren Arbeitszeiten massiv. Eine Sonderauswertung des DGB-Index Gute Arbeit – basierend auf einer Befragung von fast 7.000 Beschäftigten von Januar bis Mai 2025 – ergibt: 53 Prozent der Arbeitnehmer wollen ihre Arbeitszeit reduzieren. Bei Vätern sind es sogar 63 Prozent. Nur 7 Prozent wünschen sich längere Arbeitszeiten.
Die Teilzeitquote erreichte 2025 mit 31,9 Prozent einen Höchststand. Und die Belastung ist messbar: 40 Prozent der Frauen und 29 Prozent der Männer fühlen sich nach der Arbeit regelmäßig ausgebrannt.
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KI als zusätzlicher Stressfaktor
Ein weiterer Treiber für Burnout: die Integration künstlicher Intelligenz am Arbeitsplatz. Ein Ende Mai veröffentlichtes White Paper zu Hochleistungskulturen warnt: KI-Tools können Burnout-Symptome verstärken. Besonders dann, wenn Unternehmen Einstiegspositionen durch KI ersetzen und die verbleibende Belegschaft Koordination und Zusatzaufgaben übernehmen muss.
Deutschland debattiert ĂĽber Arbeitszeitgesetz
Vor diesem Hintergrund steht eine Reform des Arbeitszeitgesetzes an. Ein für Juni angekündigter Gesetzentwurf will den seit 1918 bestehenden Achtstundentag flexibilisieren. Geplant: eine wöchentliche statt einer täglichen Höchstarbeitszeit.
Die Fronten sind klar. Arbeitgeberverbände fordern eine schnelle Umsetzung für bessere Arbeitsverteilung. Gewerkschaften warnen vor gesundheitlichen Risiken. DGB und NGG bezeichnen die Pläne als potenziellen Rückschritt – mit der Gefahr unbezahlter Überstunden.
Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) schlägt einen Kompromiss vor: Die Flexibilisierung zunächst auf Bürobeschäftigte konzentrieren, den Gesundheitsschutz in körperlich belastenden Berufen wahren.
Bevölkerung gespalten
Eine Forsa-Umfrage von Mitte Mai zeigt: 57 Prozent der Befragten befürworten eine wöchentliche statt täglicher Höchstarbeitszeit. Doch Gewerkschaftsmitglieder und Befragte in Ostdeutschland lehnen die Pläne mehrheitlich ab.
Die Debatte zeigt: Der Weg zur Viertage-Woche ist kein Selbstläufer. Zu unterschiedlich sind die Interessen – und zu komplex die Auswirkungen auf Gesundheit, Produktivität und Arbeitsleben.
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