Arbeitszeitgesetz, Bas

Arbeitszeitgesetz: Bas plant Umstieg auf wöchentliche Höchstgrenze

29.05.2026 - 21:24:26 | boerse-global.de

Bundesregierung plant Reform des Arbeitszeitgesetzes mit wöchentlicher statt täglicher Höchstarbeitszeit. Gewerkschaften warnen vor Gesundheitsrisiken.

Arbeitszeitgesetz: Bas plant Umstieg auf wöchentliche Höchstgrenze - Foto: über boerse-global.de
Arbeitszeitgesetz: Bas plant Umstieg auf wöchentliche Höchstgrenze - Foto: über boerse-global.de

Ein Gesetzentwurf von Arbeitsministerin Bärbel Bas soll noch im Juni kommen. Kern der Pläne: Statt täglicher Höchstgrenzen soll künftig die wöchentliche Arbeitszeit zählen.

Das Ende der täglichen Höchstarbeitszeit?

Bislang gilt in Deutschland eine Regelgrenze von acht Stunden pro Tag. Maximal zehn Stunden sind erlaubt. Die Reform könnte Arbeitstage von bis zu 13 Stunden ermöglichen – solange die wöchentliche Gesamtarbeitszeit nicht überschritten wird.

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Befürworter sehen darin längst überfällige Flexibilität. „Es geht nicht um mehr Arbeit, sondern um eine andere Verteilung", sagt Michael Hüther vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Kollege Oliver Stettes schlägt vor, die flexiblen Regeln zunächst auf Bürobeschäftigte zu beschränken.

Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger betont: „Niemand wird zu überlangen Arbeitstagen gezwungen. Es geht um Spielräume."

Gewerkschaften schlagen Alarm

Die Kritik kommt prompt. Anja Piel vom DGB-Vorstand warnt: „Überlange Arbeitstage führen nachweislich zu Krankheiten." Der Acht-Stunden-Tag hat in Deutschland seit 1918 Bestand. Ines Schwerdtner von der Linken spricht von einer „faktischen Abschaffung" dieser Schutzregel.

Die Warnungen haben eine reale Grundlage. Eine DGB-Untersuchung aus dem Jahr 2025 zeigt: 29 Prozent der Männer und 40 Prozent der Frauen fühlen sich nach der Arbeit häufig oder sehr häufig ausgebrannt.

Was die Forschung zur Vier-Tage-Woche sagt

Eine australische Studie im Fachmagazin Nature liefert interessante Daten. Das getestete Modell: 100 Prozent Gehalt bei 80 Prozent Arbeitszeit. Die Forscher beobachteten ein signifikant gesunkenes Burn-out-Risiko.

Gleichzeitig wünschen sich 53 Prozent der Befragten laut DGB-Studie kürzere Arbeitszeiten. Besonders stark ist dieser Wunsch bei Vätern: 63 Prozent von ihnen wollen weniger arbeiten. Die Realität sieht anders aus: Männer arbeiten im Schnitt 37,1 Stunden pro Woche, Frauen 30,8 Stunden.

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Teilzeit-Debatte: Lifestyle oder Notwendigkeit?

Ein weiterer Streitpunkt: der wachsende Anteil an Teilzeitarbeit. Daten des Statistischen Bundesamts belegen einen Anstieg, besonders bei Frauen. Anfang 2026 entbrannte auf Instagram eine hitzige Debatte, nachdem Wirtschaftsvertreter Teilzeit als Lifestyle-Entscheidung kritisierten.

Betroffene und Experten widersprechen: Teilzeit sei oft notwendig, um Beruf und Familie zu vereinbaren – etwa durch Pflege oder Kinderbetreuung.

Wirtschaftliche Folgen im Blick

Die wirtschaftliche Seite der Arbeitszeitdebatte ist komplex. Marktanalysen zeigen: Gesetzliche Feiertage mindern die deutsche Wirtschaftsleistung pro Tag um etwa 0,1 Prozent. Doch Studien des Handelsblatts belegen auch: An den verbleibenden Arbeitstagen steigt die Produktivität häufig.

Die kommenden Monate werden zeigen, wie die Regierung die Interessen von Wirtschaft und Arbeitnehmern unter einen Hut bekommt. Die Industrie drängt auf mehr Spielräume für die Wettbewerbsfähigkeit. Die Gewerkschaften pochen auf Schutzstandards gegen die steigende Erschöpfung in der Arbeitswelt.

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