AREDS2-Studie: NĂ€hrstoffkombination bremst das Fortschreiten mittlerer AMD
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 01:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deMit zunehmendem Lebensalter verÀndern sich die Anforderungen des menschlichen Organismus an die tÀgliche NÀhrstoffzufuhr. Neben der allgemeinen Erhaltung von VitalitÀt und Muskelmasse gewinnt dabei insbesondere der gezielte Schutz der Sehkraft an Bedeutung.
Mehrere Ratgeber und ernĂ€hrungswissenschaftliche Untersuchungen befassen sich vor diesem Hintergrund mit der Rolle essenzieller MikronĂ€hrstoffe, die oxidativem Stress entgegenwirken und die Funktion der Augen bis ins hohe Alter unterstĂŒtzen sollen.
Schutzmechanismen fĂŒr die Augen und die Rolle von Antioxidantien
Zu den zentralen NĂ€hrstoffen fĂŒr das Sehorgan zĂ€hlen die Antioxidantien Vitamin C und Vitamin E sowie Kupfer. Sie tragen dazu bei, oxidativen Stress abzufedern, der mit Erkrankungen wie Grauem Star, altersabhĂ€ngiger Makuladegeneration (AMD), Glaukom, diabetischer Retinopathie und dem trockenen Auge in Verbindung gebracht wird. Zudem untersuchen Forscher den Stoff Citicolin im Kontext von Glaukom und diabetischer Retinopathie.
FĂŒr die Netzhaut spielen die Carotinoide Lutein und Zeaxanthin eine SchlĂŒsselrolle, da sie im Makulapigment eingelagert werden und kurzwelliges, blaues Licht filtern.
Vitamin A ist unverzichtbar fĂŒr die Synthese des Sehpigments Rhodopsin in den StĂ€bchen, die Licht in Nervenimpulse umwandeln; ein Mangel Ă€uĂert sich zunĂ€chst durch eine verschlechterte Nachtsicht, Hornhautreizungen und verschwommenes Sehen.
Zink steuert den Transport von Vitamin A in das Sehorgan und unterstĂŒtzt dessen Verwertung, wĂ€hrend Vitamin B2 ebenfalls die Sehkraft flankiert. Omega-3-FettsĂ€uren (EPA und DHA) dienen der Netzhautstruktur sowie der StabilitĂ€t des TrĂ€nenfilms.
Klinische Belege fĂŒr spezifische NĂ€hrstoffkombinationen lieferte unter anderem die groĂangelegte AREDS2-Studie mit ĂŒber 4.000 Teilnehmenden im Alter von 50 bis 85 Jahren. Eine gezielte Rezeptur aus den Vitaminen C und E, Zink, Kupfer sowie Lutein und Zeaxanthin konnte das Fortschreiten einer mittleren AMD verlangsamen, zeigte jedoch keinen vorbeugenden Nutzen in frĂŒhen Krankheitsstadien.
Vitamin E allein vermag eine AMD laut Quellen nicht zu verhindern; Heilversprechen lassen sich ĂŒber die ErnĂ€hrung nicht ableiten. Das National Eye Institute (NEI) empfiehlt Personen ab dem 60. Lebensjahr unabhĂ€ngig von der ErnĂ€hrung alle ein bis zwei Jahre eine Untersuchung mit Pupillenerweiterung.
Lebensmittel fĂŒr die Makulagesundheit ab 50
FĂŒr die Zufuhr relevanter Carotinoide und Begleitstoffe werden verschiedene Lebensmittel diskutiert:
- Spinat: EnthÀlt nennenswerte Mengen an Lutein und Zeaxanthin.
Bereits eine epidemiologische Beobachtungsstudie im Journal of the American Medical Association (JAMA) aus dem Jahr 1994 verknĂŒpfte einen hĂ€ufigeren Konsum mit einem geringeren AMD-Risiko.
- Eier: Das im Eigelb enthaltene Lutein wird laut einer Untersuchung der Tufts University aus dem Jahr 2004 vom Körper effizienter absorbiert als jenes aus Spinat oder NahrungsergÀnzungsmitteln.
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- Avocado: UngesÀttigte Fette erleichtern die Aufnahme fettlöslicher Carotinoide, wie eine Publikation im Journal of Nutrition (2005) darlegte.
Eine kleinere Studie in der Fachzeitschrift Nutrients (2017) verzeichnete bei tÀglichem Verzehr einer Avocado einen Anstieg des Makulapigments.
- Heidelbeeren und Ingwer: WĂ€hrend Anthocyanine in Heidelbeeren oft fĂŒr das Nachtsehen beworben werden, fand eine Ăbersichtsarbeit im Survey of Ophthalmology (2004) keine wissenschaftlichen Belege fĂŒr diesen Effekt. FĂŒr Ingwer existieren bislang lediglich Tierversuche, aber keine soliden Humanstudien.
Wechselwirkungen und Dosierungsfragen
Der tĂ€gliche Bedarf an Vitamin A, das fettlöslich ist und in der Leber gespeichert wird, liegt je nach individuellem Profil bei 0,7 bis 1 Milligramm. WĂ€hrend Beta-Carotin aus Lebensmitteln wie Karotten als Vorstufe dient, bergen hochdosierte PrĂ€parate Risiken: Eine Ăberdosierung kann zu Ăbelkeit, Kopfschmerzen, LeberschĂ€den und Sehstörungen fĂŒhren.
Hinsichtlich der Kombination fettlöslicher Vitamine zeigte eine Untersuchung von Johansson und Melhus an neun gesunden Probanden (veröffentlicht im Journal of Bone and Mineral Research, 2001), dass Calcitriol in Gegenwart von Vitamin A einen leicht gedĂ€mpften kurzfristigen Kalziumanstieg auslöste (1,4 Prozent gegenĂŒber 2,3 Prozent bei alleiniger Gabe). Ein Hinweis auf Gefahren bei ĂŒblichen Verzehrmengen besteht jedoch nicht. Fachleute raten dazu, höher dosierte ErgĂ€nzungen Ă€rztlich abzustimmen.
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Grundlegender NÀhrstoffbedarf im höheren Alter
Neben dem Sehvermögen erfordert der gesamte Alterungsprozess eine angepasste NĂ€hrstoffdichte. Die Deutsche Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung (DGE) empfiehlt fĂŒr gesunde Personen ab 65 Jahren tĂ€glich 1,0 Gramm EiweiĂ pro Kilogramm Körpergewicht.
FĂŒr Calcium liegt der Referenzwert bei 1.000 Milligramm, fĂŒr Magnesium bei 300 Milligramm fĂŒr Frauen beziehungsweise 350 Milligramm fĂŒr MĂ€nner. Die Richtwerte fĂŒr Ballaststoffe betragen mindestens 30 Gramm, fĂŒr FlĂŒssigkeit rund 1,5 Liter am Tag.
Besondere Aufmerksamkeit gilt Vitamin D und Vitamin B12. Die hauteigene Vitamin-D-Bildung durch Sonnenlicht sinkt im Alter um bis zu 75 Prozent; Daten zeigen, dass 56 Prozent der Erwachsenen in Deutschland einen 25(OH)D-Spiegel unter 50 nmol/l aufweisen.
Bei Vitamin B12 wird ein SchĂ€tzwert von 4 Mikrogramm tĂ€glich angesetzt. In der Framingham-Studie mit 549 Ă€lteren Teilnehmenden ĂŒber acht Jahre war ein niedriger B12-Status mit einem rascheren kognitiven LeistungsrĂŒckgang assoziiert, wenngleich damit keine KausalitĂ€t bewiesen ist.
Eine rein vegane Kost im Seniorenalter stufen ErnĂ€hrungsexperten aufgrund möglicher Defizite bei Calcium, Vitamin D und B12 sowie des Risikos fĂŒr Muskelabbau als riskant ein und fordern im Falle einer solchen ErnĂ€hrungsweise eine lĂŒckenlose Supplementierung.
