Argentiniens, Remediar-Programm

Argentiniens Remediar-Programm: Staat beschränkt Arzneimittelliste auf sechs Wirkstoffe

Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 21:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Reform streicht zahlreiche Medikamente aus der zentralen Versorgung; Provinzen müssen deren Beschaffung und Finanzierung künftig selbst tragen.
Minimalistisch eingerichteter medizinischer Untersuchungsraum in einer öffentlichen argentinischen Gesundheitseinrichtung. Illustration mit AI erstellt.

Die staatliche Bereitstellung von Medikamenten in Argentinien erfährt einen tiefgreifenden Wandel. Mit der am 15. Oktober 2026 im amtlichen Gesetzblatt Boletín Oficial veröffentlichten Resolution 1447/2026 hat die Regierung das bisherige Vademécum aus dem Jahr 2021 aufgehoben.

Die Neuregelung ersetzt die bisherige Resolution 3424/2021 und verengt das seit dem Jahr 2002 bestehende Remediar-Programm auf eine Kernliste von lediglich sechs Wirkstoffen. Diese Reduzierung konzentriert die staatlich geförderte Arzneimittelausgabe primär auf den Bereich der kardiovaskulären Prävention.

Konzentration auf sechs Wirkstoffe für die Gefäßgesundheit

Das neu gefasste Verzeichnis umfasst fortan ausschließlich Acetylsalicylsäure, Atorvastatin, Candesartan, Hydrochlorothiazid, Ramipril sowie Rosuvastatin. Zur Begründung verweist die Norm auf die hohe Belastung durch kardiovaskuläre Leiden in der Bevölkerung.

Den behördlichen Angaben der Resolution zufolge leiden 34 bis 40 Prozent der erwachsenen Bevölkerung an Hypertonie. Zudem verursachen Herz-Kreislauf-Erkrankungen zwischen 28 und 32 Prozent der Todesfälle im Land, was etwa drei von zehn Todesfällen entspricht.

Parallel dazu wurde mit der Resolution 1445/2026 der nationale Plan für die ganzheitliche Gefäßgesundheit (Plan Nacional de Abordaje Integral de Salud Vascular 2026–2030) eingeführt. Dieser ist jedoch mit keinen zusätzlichen Haushaltsmitteln ausgestattet.

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Streichung wesentlicher Standardmedikamente

Durch die Umstellung wurden zahlreiche zuvor abgedeckte Wirkstoffe für chronische und akute Erkrankungen aus dem bundesweiten Leistungskatalog entfernt. Betroffen von der Streichung sind unter anderem das Antidiabetikum Metformin zur Behandlung von Diabetes Typ 2 sowie das Schilddrüsenhormon Levothyroxin bei Hypothyreose.

Ebenfalls nicht mehr im zentralen Verzeichnis enthalten sind das Antibiotikum Amoxicillin gegen bakterielle Infektionen und das Asthmamittel Salbutamol zur Behandlung von Atemwegserkrankungen. Darüber hinaus fielen das Antimykotikum Fluconazol, das Antihistaminikum Loratadin sowie Kontrazeptiva aus der bisherigen Liste weg.

Verlagerung der Finanzierungslast auf Provinzen

Die neue Liste der sechs kardiovaskulären Wirkstoffe dient künftig als Orientierungsrahmen für die zentrale Beschaffung auf nationaler Ebene. Für die eigentliche Gesundheitsversorgung vor Ort und die Bereitstellung weitergehender Arzneimittel bleiben die argentinischen Provinzen sowie die autonome Stadt Buenos Aires (CABA) zuständig.

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Für alle Wirkstoffe, die aus dem zentralen Programm gestrichen wurden, müssen die regionalen Verwaltungen die Beschaffung und Finanzierung künftig vollständig aus ihren eigenen Budgets tragen.

Politische Reaktionen auf die Kürzungen

Die Maßnahme stieß bei Vertretern des Gesundheitswesens und in der Politik auf deutlichen Widerspruch. Der Gesundheitsminister der Provinz Buenos Aires, Nicolás Kreplak, kritisierte die Regelung scharf und bezeichnete sie als einen brutalen sowie mörderischen Kürzungsschnitt. Der Abgeordnete Pablo Yedlin kommentierte den Schritt mit Blick auf die Historie der staatlichen Arzneimittelabgabe und sprach vom Tod des Remediar-Programms.

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