ArtCraft Office: WordCraft erreicht erst 62 Prozent der Word-Funktionen
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 20:45 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das auf Desktop-Software spezialisierte Softwareunternehmen ArtCraft erweitert sein Portfolio um eigene Alternativen zu Microsoft Word, Excel und PowerPoint. Wie Fachmedien am 8. Oktober 2026 berichteten, setzt das kleine Softwarehaus bei den Programmen auf sogenannte Clean-Room-Reimplementierungen.
Die Software entsteht somit ausschließlich auf Basis öffentlich zugänglicher Spezifikationen und Verhaltensbeobachtungen, ohne Zugriff auf den proprietären Quellcode von Microsoft. Für den Entwicklungsprozess griff das Unternehmen maßgeblich auf das KI-Modell Claude von Anthropic zurück.
Früher Entwicklungsstand bei Textverarbeitungsprogramm WordCraft
Als erste Anwendung des Office-Pakets ist das Programm WordCraft bereits lauffähig, befindet sich laut Angaben von ArtCraft jedoch noch im Pre-Alpha-Stadium. Für den Produktiveinsatz wird die Software ausdrücklich nicht empfohlen. Bislang erreicht das Textverarbeitungswerkzeug nach Unternehmensangaben eine Feature-Parität von 62 Prozent im Vergleich zu Microsoft Word.
Zudem stehen umfassende Kompatibilitätstests mit realen DOCX-Dateien noch aus. Komplexe Elemente wie Diagramme, SmartArt-Grafiken und eingebettete OLE-Objekte werden derzeit beim Öffnen von Dokumenten noch verworfen, anstatt visuell dargestellt zu werden.
Rechtliche Bewertung und ausbleibende Reaktionen der Branchengrößen
Die rechtliche Zulässigkeit derartiger Nachbauten schätzte ein Jurist der Kanzlei decoded.legal als abhängig von der jeweiligen Rechtsordnung ein. Die Clean-Room-Entwicklung blicke in der Informationstechnik jedoch auf eine lange Tradition zurück. Microsoft sowie Adobe und The Document Foundation lehnten Anfragen für eine Stellungnahme ab.
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Neben ArtCraft experimentieren auch andere Projekte mit der Programmiersprache Rust im Desktop-Segment: So veröffentlichte ElyOffice laut einem Bericht vom 9. Oktober 2026 sechs native Office-Anwendungen auf Rust-Basis.
Parallele Entwicklung von Kreativwerkzeugen als Open-Source-Software
Die Arbeiten an den Office-Werkzeugen stehen im Kontext einer breiter angelegten Entwicklungsstrategie. ArtCraft arbeitet parallel an Pendants zu Kreativanwendungen wie Photoshop, Illustrator und Premiere Pro. Das Unternehmen stellte sieben native Grafik- und Medienwerkzeuge in Rust vor, darunter PhotoCraft, VectorCraft, FilmCraft, LightCraft, PrintCraft, EffectCraft und DesignCraft.
Die Werkzeuge sind als lokale Anwendungen ohne Electron-Unterbau konzipiert, bieten Befehlszeilen- sowie Agentenintegrationen und sollen auch über WebAssembly im Browser laufen. Hintergrund der Entwicklung sind unter anderem die Lizenzgebühren für Adobe-Abonnements, die beispielsweise für freiberuflich Tätige in der Türkei eine spürbare Hürde darstellen.
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Besondere Aufmerksamkeit verzeichnet dabei das als Clean-Room-Reimplementierung von Photoshop gestartete Open-Source-Projekt PhotoCraft, das unter den Lizenzen Apache 2.0 und MIT steht. Laut einem Bericht vom 9. Oktober 2026 erreichte das Repository auf GitHub 26.943 Sterne bei einem Wochenzuwachs von rund 17.000 Sternen.
Technisch setzt PhotoCraft auf 24 Rust-Crates und Compositing über Schnittstellen wie Metal, Vulkan, DirectX 12 sowie WebGPU. Trotz erfolgreicher Tests bei der Dateispeicherung und über 1.700 Prüfroutinen betonen die Entwickler, dass sich die Software in einer frühen Alpha-Phase befindet und keinen vollwertigen Photoshop-Ersatz für den Arbeitsalltag darstellt. Rund 20 Standardwerkzeuge fehlen noch, Plug-ins werden nicht unterstützt und generative KI-Funktionen sind nicht integriert.

