Arthrose: Forscher bauen zerstörten Knorpel wieder auf
Veröffentlicht: 11.07.2026 um 07:11 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Statt nur Schmerzen zu lindern, wollen Forscher den zerstörten Knorpel wieder aufbauen. Weltweit laufen vielversprechende Projekte – von Injektionen bis zur Gentherapie.
Biologischer Knorpelersatz: 33,5 Millionen für neue Verfahren
Ein zentraler Forschungsschwerpunkt liegt auf injizierbaren Substanzen, die körpereigene Heilungsprozesse aktivieren. Das NITRO-Programm der US-Forschungsbehörde ARPA-H fördert diesen Ansatz mit 33,5 Millionen Dollar.
Forscher der University of Colorado Boulder arbeiten an zwei Methoden. Die erste nutzt ein Partikelsystem für die langsame Freisetzung bereits FDA-zugelassener Medikamente. Die zweite basiert auf einem Biomaterial-Kit, das sich im Gelenk verfestigt und körpereigene Zellen anlockt. In Tierversuchen stellten die Projektbeteiligten Stephanie Bryant und Karin Payne gesunde Gelenke innerhalb von vier bis acht Wochen wieder her. Die klinische Erprobung am Menschen ist für Anfang 2028 geplant. Für die Vermarktung gründeten die Forscher das Unternehmen Renovare Therapeutics.
Parallel dazu untersucht die Stanford University die Hemmung des Enzyms 15-PGDH. In Studien, veröffentlicht im Fachmagazin Science, konnte dadurch die Knorpelregeneration bei Mäusen nachgewiesen werden. Auch die Duke University und die Columbia University verfolgen ARPA-H-Projekte – etwa Kombinationstherapien und 3D-Druck-Verfahren für Gewebeersatz.
Neue Wirkstoffe: Von Spritzen bis zur Gentherapie
Der Wirkstoff Sprifermin (FGF-18) zeigte in einer Studie mit 550 Teilnehmern eine messbare Verdickung des Knieknorpels. Der Effekt auf das Schmerzempfinden blieb allerdings gering. Das Unternehmen Biosplice Therapeutics hat für Lorecivivint, einen Hemmstoff knorpelabbauender Enzyme, bereits ein Zulassungsgesuch bei der FDA eingereicht.
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Die Gentherapie bietet einen weiteren Ansatz. Die Mayo Clinic testet ein Verfahren gegen das Entzündungsprotein IL-1 in der Gelenkinnenhaut – erste Sicherheitstests bestanden. Koreanische Forscher identifizierten zudem das Protein SHP (NR0B2) als natürlichen Knorpelschützer. Eine in Nature Communications veröffentlichte Studie zeigt: Der SHP-Spiegel sinkt bei Arthrosepatienten. Eine gezielte Gen-Injektion konnte Knorpelschäden bei Mäusen reduzieren.
Eine für Mitte Juli 2026 angekündigte Publikation in PNAS widmet sich dem Abbau von Elastin im Gelenk. Durch die Hemmung der Neutrophilen-Elastase – etwa mit dem Wirkstoff Sivelestat – ließ sich die Gelenkdegeneration in verschiedenen Modellen verringern. Sivelestat erwies sich in Tests an Hunden über ein Jahr als sicher.
Sanfte Methoden: Ultraschall und Melatonin
Nicht-invasive Verfahren werden ebenfalls auf ihre Wirksamkeit geprüft. Eine Studie der University of Alabama in Huntsville, veröffentlicht in Scientific Reports, untersucht kontinuierlichen Ultraschall niedriger Intensität. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Schallwellen Entzündungsmarker reduzieren und Makrophagen in einen reparaturbegünstigenden Zustand versetzen.
In der Schmerztherapie zeigt eine Metaanalyse der Universität Sydney aus dem Jahr 2026: Melatonin kann bei chronischen muskuloskelettalen Schmerzen lindernd wirken. Auf einer Skala von 0 bis 100 wurde eine Reduktion um etwa elf Punkte festgestellt – vergleichbar mit nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR), jedoch bei besserer Schlafqualität und Verträglichkeit.
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Auch natürliche Extrakte wie die Eierschalenmembran (NESM) werden klinisch geprüft. Formulierungen mit Kollagen, Elastin und Hyaluronsäure, kombiniert mit pflanzlichen Wirkstoffen wie Boswellia serrata, zeigten in Untersuchungen von Microcore Research Laboratories eine Wirksamkeit, die mit etablierten Arthrosemedikamenten vergleichbar sein soll.
Viele dieser Ansätze stecken noch in der Grundlagenforschung oder frühen klinischen Prüfung. Doch sie verdeutlichen den Trend: weg von der rein symptomatischen Behandlung – hin zu Therapien, die die Struktur des Gelenks verändern.
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