Arthrose, Profifußball

Arthrose im Profifußball: Früherkennung wird zum Schlüsselthema

24.05.2026 - 21:28:27 | boerse-global.de

Studien belegen: Fast jeder zweite Profi leidet unter Kniearthrose. Neue Leitlinien setzen auf Prävention statt Operation.

Arthrose im Profifußball: Früherkennung wird zum Schlüsselthema - Foto: über boerse-global.de
Arthrose im Profifußball: Früherkennung wird zum Schlüsselthema - Foto: über boerse-global.de

Immer mehr Studien belegen: Gelenkverschleiß trifft Spieler nicht erst im Rentenalter, sondern bereits in den Dreißigern. Die Sportmedizin reagiert mit neuen Früherkennungsprogrammen.

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Erschreckende Zahlen: Jeder zweite Profi betroffen

Eine systematische Übersichtsstudie aus dem April 2024 im Journal of Orthopaedic & Sports Physical Therapy analysierte Daten von 1.805 Fußballprofis. Das Ergebnis: 44,2 Prozent der Spieler leiden an Kniearthrose. Damit ist ihr Risiko, an dieser degenerativen Gelenkerkrankung zu erkranken, mehr als dreimal so hoch wie bei der Allgemeinbevölkerung.

Doch die Studie offenbart auch eine entscheidende Nuance: Der Hauptauslöser ist nicht die reine Sportbelastung, sondern die Verletzungsgeschichte. Spieler mit früheren Knieverletzungen haben ein 4,16-fach erhöhtes Risiko. Wer dagegen keine schweren Knieverletzungen erlitten hat, erkrankt kaum häufiger als Nichtsportler. Die Botschaft der Forscher ist klar: Akute Traumata – insbesondere Risse von Bändern und Menisken – sind der entscheidende Katalysator für den Gelenkverschleiß.

Die Osteoarthritis Foundation International (OAFI) liefert den passenden Kontext: Bei durchschnittlich 13,5 Jahren Profikarriere und rund 1,1 Millionen aktiven Spielern weltweit entfallen 17 Prozent aller Verletzungen auf das Knie. Eine riesige Gruppe von Athleten lebt mit dem Risiko einer sogenannten posttraumatischen Arthrose.

Neue Forschung: Frauenfußball und Sprunggelenke im Fokus

Lange konzentrierte sich die Forschung auf die Knie männlicher Spieler. Doch aktuelle Studien aus den Jahren 2025 und 2026 erweitern das Bild. Eine im November 2025 veröffentlichte FIFPRO-Studie untersuchte die Gelenkgesundheit von 74 Profifußballerinnen – mit einem Durchschnittsalter von gerade einmal 25 Jahren.

Die Ergebnisse sind alarmierend: Bereits acht Prozent der Spielerinnen wiesen klinische Arthrose im Sprunggelenk auf, fünf Prozent im Knie und 2,7 Prozent in der Hüfte. Besonders auffällig: Spielerinnen, die sich bereits einer Knieoperation unterzogen hatten, zeigten ein neunfach erhöhtes Risiko für Arthrose-Anzeichen. Die Forscher der Drake Football Study, einem zehnjährigen Langzeitprojekt, betonen: Das Knie bleibt das verletzlichste Gelenk – doch das Sprunggelenk verdient künftig weit mehr Aufmerksamkeit in der Prävention.

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Eine weitere Studie der Oxford University Press vom Oktober 2025 untersuchte 424 ehemalige britische Profispieler. 73 Prozent derjenigen mit diagnostizierter Fuß- oder Sprunggelenksarthrose hatten während ihrer aktiven Karriere schwere Verletzungen in diesen Bereichen erlitten. Die Studie wirft zudem Fragen zu gängigen Behandlungen auf: 75 Prozent der betroffenen Spieler hatten während ihrer aktiven Zeit Kortison-Injektionen erhalten. Diese ermöglichen zwar eine schnelle Rückkehr auf den Platz – doch die Forscher warnen, dass sie zugrunde liegende Schäden überdecken und den strukturellen Verfall beschleunigen könnten.

Neue Leitlinien: Weniger OP, mehr Prävention

Angesichts der wachsenden Belastung durch Arthrose entwickeln sich die medizinischen Leitlinien weiter. Die 2026 ACE Clinical Guidelines für die Behandlung von Kniearthrose setzen auf einen „biopsychosozialen" Ansatz. Im Kern steht: Patientenschulung, strukturierte Bewegungstherapie und Gewichtsmanagement bilden die Basis jeder Behandlung – unabhängig vom Schweregrad der Erkrankung.

Bei medikamentöser Therapie empfehlen die Leitlinien topische (äußerlich anzuwendende) nichtsteroidale Antirheumatika als erste Wahl – wegen ihres günstigeren Sicherheitsprofils. Für aktive Spitzensportler zeigt eine Übersichtsarbeit vom April 2024: Operationen sind oft die Standardreaktion auf Knorpelschäden, doch die Evidenz für ihre langfristige Überlegenheit ist häufig dünn. Stattdessen erwiesen sich Hyaluronsäure-Injektionen in Hüfte und Knie als sicher und wirksam – bei 50 bis 100 Prozent der untersuchten Athleten verbesserten sie die Symptome und verzögerten den weiteren Gelenkverschleiß.

Interessant: Die in Profisportkreisen beliebte PRP-Therapie (plättchenreiches Plasma) schnitt in vergleichenden Analysen für das Kniegelenk schlechter ab als Hyaluronsäure.

Wirtschaftliche Dimension: Arthrose als Kostenfaktor

Die steigende Arthrose-Prävalenz hat messbare wirtschaftliche Folgen. Der globale Markt für Arthrose-Therapeutika wird Prognosen zufolge von umgerechnet rund 7,5 Milliarden Euro im Jahr 2024 auf etwa 8,2 Milliarden Euro im Jahr 2025 wachsen. Branchenanalysten sehen die zunehmende Zahl sportbedingter Verletzungen als Haupttreiber.

Aus Sicht der Klubs und Versicherer wird die langfristige Gelenkgesundheit zunehmend als Asset-Management betrachtet. Eine durch vorzeitige Arthrose verkürzte Karriere bedeutet einen erheblichen Verlust an „on-field value". Die Folge: Immer mehr Vereine setzen auf Wearable-Technologie und KI-gestützte Diagnosetools, um biomechanische Risikomuster frühzeitig zu erkennen – etwa schlechte Landetechniken oder muskuläre Dysbalancen, die das „repetitive Mikrotrauma" begünstigen.

Ausblick: Personalisierte Medizin als Hoffnungsträger

Die Zukunft der Arthrose-Prävention im Profifußball liegt in der Schnittstelle von personalisierter Medizin und Vorsorge. Erste Forschungsansätze aus dem Jahr 2026 deuten darauf hin, dass prädiktive Genomik und DNA-Profile helfen könnten, Spieler mit genetischer Veranlagung für schnelleren Knorpelabbau zu identifizieren.

Parallel laufen Studien zu neuen pharmakologischen Ansätzen. Ein auf dem 2026 Osteoarthritis Research Forum vorgestelltes Projekt untersucht, ob der gezielte Einsatz bestimmter Entzündungshemmer nach einer ACL-Operation die Moleküle blockieren kann, die Knorpelschäden auslösen – mit dem Ziel, Arthrose gar nicht erst entstehen zu lassen.

Die 2026 ACE Guidelines machen eine einfache, aber wirkungsvolle Rechnung auf: Jedes Kilogramm Gewichtsverlust kann die Belastung des Kniegelenks um das Vierfache reduzieren. Für ehemalige Profis wird dies zur Herausforderung – viele werden nach dem Karriereende aufgrund von Schmerzen bewegungsarm, was die Erkrankung paradoxerweise verschlimmert. Die Sportmedizin der nächsten Jahre wird sich daher mindestens so sehr auf den Übergang in den Ruhestand konzentrieren müssen wie auf die Behandlung akuter Verletzungen. Das Ziel: die langfristigen Behinderungen zu reduzieren, die derzeit mit dem populärsten Sport der Welt verbunden sind.

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