Arthrose, Deutschland

Arthrose in Deutschland: Rund 5 Millionen Menschen sind betroffen

Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 08:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine sechswöchige Untersuchung fand bei Kniearthrose zusätzliche Schmerzlinderung durch Inulin; Ernährung kann die medizinische Behandlung ergänzen.
Frische Ingwerwurzeln, Kurkuma und buntes Gemüse auf einem rustikalen Holztisch bei natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen wie Rheuma, Arthrose, Gicht oder Fibromyalgie gewinnt die Wahl der Lebensmittel zunehmend an Bedeutung. Eine pflanzenbasierte, vegetarische oder vegane Kost mit viel Gemüse, immunstärkenden Kräutern, Obst, Vollkornprodukten und pflanzlichen Ölen gilt als besonders wirkungsvoll, um Entzündungen zu dämpfen und Schmerzen zu lindern.

Im Gegenzug sollten Fleisch, Milchprodukte, Fertiggerichte, Fast Food, Süßigkeiten sowie Kaffee und Alkohol möglichst gemieden werden. Bei einem Kochkurs der Volkshochschule Murrhardt in der Walterichschule mit sieben Teilnehmerinnen vermittelte Ernährungsberaterin Eli Heugel praktische Ansätze für schmerzlindernde Speisen und verwies auf entzündungshemmende Gewürze wie Ingwer, Kurkuma, Koriander und asiatischen Knoblauch.

Gelenkbeschwerden und die Rolle pflanzlicher Wirkstoffe

Allein in Deutschland leiden rund 5 Millionen Menschen an Arthrose, wie Dr. Martin Rinio von der Gelenk-Klinik Gundelfingen festhält. Zur ernährungsbezogenen Unterstützung verweist der Mediziner auf Gewürze wie Kreuzkümmel, das durch Inhaltsstoffe wie Eisen, Kalzium und Kalium entzündungshemmend wirke. Das in Kurkuma enthaltene Curcumin könne Entzündungsprozesse beeinflussen; wissenschaftliche Untersuchungen lieferten Hinweise auf eine Schmerzlinderung bei Kniearthrose.

Auch die Gingerole im Ingwer zeigten in einigen Untersuchungen leichte schmerzlindernde Effekte, weshalb mehrmals wöchentlich mehrere Scheiben frischer Ingwer mit heißem Wasser empfohlen werden.

Für Capsaicin aus Chili sei ein Nutzen vor allem bei äußerlicher Anwendung als Creme belegt, während ein schmerzlindernder Effekt durch Verzehr nicht nachgewiesen sei. Zudem unterstützen die Vitamine C, E und D die Gelenke. Gewürze könnten eine medizinische Therapie jedoch keinesfalls ersetzen.

Wissenschaftliche Befunde zu Ballaststoffen und Fetten

Die Wirksamkeit gezielter Nährstoffe wird auch in klinischen Untersuchungen geprüft. Forscher der Universität Nottingham untersuchten in einer in der Fachzeitschrift Nutrients veröffentlichten Studie 136 Erwachsene mit Kniearthrose über einen Zeitraum von sechs Wochen.

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Aufgeteilt in vier Gruppen erhielten die Probanden täglich 20 Gramm Inulin, eine Fern-Kinésitherapie, eine Kombination aus beidem oder ein Placebo. Die Einnahme von Inulin senkte den Schmerz auf einer Skala von 0 bis 10 um etwa 1,1 Punkte zusätzlich gegenüber Placebo, verbesserte die Griffkraft und verringerte die Schmerzempfindlichkeit.

Die Kinésitherapie linderte Schmerzen im Knie, zeigte jedoch keinen Effekt auf Griffkraft oder Schmerzempfindlichkeit. Bei einer geringen Stichprobengröße und vorläufigen Ergebnissen lag die Abbruchquote unter Inulin bei 3,6 Prozent, verglichen mit 21 Prozent unter Kinésitherapie. Allein in Frankreich sind fast 10 Millionen Menschen von Arthrose betroffen.

Rheumatologen betonen, dass kein einzelnes Nahrungsmittel Autoimmunerkrankungen heilen könne, Ernährung die Medikation aber sinnvoll ergänze. Empfohlen werden natives Olivenöl, dessen Wirkstoff Oleocanthal ähnlich wie Ibuprofen entzündungshemmend wirke, fetter Fisch wie Lachs, Makrele, Sardinen und Anchovis, Mandeln, Ballaststoffe sowie fermentierte Produkte wie Sauerkraut oder Kimchi. Die tägliche Zufuhr von 1 Gramm EPA/DHA senkte das Auftreten von Autoimmunerkrankungen um 15 Prozent bis 18 Prozent.

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Praktische Umsetzung im Alltag

Für die strukturierte Umsetzung rät Dr. med. Matthias Riedl in einer elfminütigen Podcast-Episode sowie seinem Ratgeber-Kochbuch „Meine 80 besten Rezepte gegen Arthrose“ zu einer pflanzenbetonten Basis mit Gemüse, Hülsenfrüchten, Fetten und Gewürzen. Ernährung bilde einen langfristigen Baustein, ersetze aber keine medizinische Diagnose.

Ernährungskonzepte gegen Entzündungen setzen auf minimal verarbeitete Zutaten, gesunde Fette, Ballaststoffe sowie Gewürze wie Zimt, schwarzen Pfeffer, Kurkuma, Ingwer und Knoblauch bei schonenden Garmethoden.

Ein modularer Wochenplan kombiniert zwei Getreidesorten, zwei Hülsenfrüchte, reichlich Gemüse und zwei optionale tierische Eiweißquellen, wobei Mahlzeiten idealerweise zur Hälfte aus Gemüse und je zu einem Viertel aus Vollkorn und Eiweiß bestehen.

Als Ergänzung bewerben Sprossen-Anbieter Brokkoli-Sprossen gegen sogenannte stille Entzündungen mit dem Hinweis auf einen bis zu 100-mal höheren Sulforaphan-Gehalt im Vergleich zu ausgewachsenem Brokkoli.

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