Arthrose, Nahrungsergänzung

Arthrose und Nahrungsergänzung: Was 41 Studien zu Omega-3 zeigen

Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 07:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Ältere Untersuchungen stützen einzelne Nährstoffe, doch für viele beworbene Mittel fehlen unabhängige Wirksamkeitsbelege.

Arthrose und Nahrungsergänzung: Was Studien zu Nährstoffen zeigen
Frisches Gemüse, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte auf einer Holzoberfläche in natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Arthrose zählt zu den häufigsten Gelenkerkrankungen, und Betroffene suchen häufig nach Möglichkeiten, Schmerzen zu lindern und die Beweglichkeit zu erhalten. Neben ärztlicher Behandlung rücken dabei immer wieder Vitamine, Spurenelemente und Nahrungsergänzungsmittel in den Fokus. Aktuelle Ratgeber und Fachbeiträge fassen zusammen, welche Ansätze durch Forschung gestützt sind – und wo die Datenlage dünn bleibt.

Ältere Studien zu Vitamin E und Selen

Ein häufig zitierter Beleg stammt aus einer 1986 veröffentlichten Studie: Arthrose-Patienten, die sechs Wochen lang 400 I.E. Vitamin E täglich einnahmen, berichteten häufiger über eine Schmerzlinderung als die Placebogruppe. Auch Selen wird in diesem Zusammenhang diskutiert.

Eine Studie der University of North Carolina aus dem Jahr 2005 mit 940 Probanden brachte höhere Selenspiegel mit einem bis zu 20 Prozent geringeren Arthroserisiko in Verbindung. Teilnehmer mit den höchsten Selenspiegeln hatten demnach ein um 40 Prozent geringeres Risiko für eine Kniearthrose als jene mit den niedrigsten Werten.

Zum Spurenelement Zink erklärt Ernährungsmediziner Sven-David Müller, dass der Bedarf bei Arthrose von üblicherweise 10 bis 15 Milligramm täglich auf 20 bis 30 Milligramm ansteigen könne.

Unabhängig von diesen Hinweisen gilt: Eine Nahrungsergänzung bei Arthrose sollte ärztlich abgeklärt werden. Für Kupferschmuck und Bor-Präparate, die ebenfalls häufig beworben werden, ist eine Wirkung nicht belegt.

Ernährung als Baustein

Neben einzelnen Nährstoffen rückt auch die Gesamternährung in den Blick. Empfohlen werden Omega-3-reiche Öle und fetter Fisch, Gemüse, Obst sowie Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte.

Gemieden werden sollten dagegen gesättigte und gehärtete Fette, arachidonsäurereiche tierische Lebensmittel, Alkohol, Nikotin und koffeinhaltige Getränke. Diese Empfehlungen stützen sich laut einem Beitrag auf Angaben der Pharmazeutischen Zeitung, von Praktisch Arzt und der MVZ Gelenkklinik Freiburg.

Chondroitinsulfat, Curcumin und Hyaluron: Werbung trifft auf offene Fragen

Auf dem Markt kursieren zahlreiche Präparate, deren Wirksamkeitsnachweise jedoch häufig aus Herstellerbeiträgen stammen und nicht mit unabhängigen Studien belegt sind.

Zu Chondroitinsulfat wird etwa behauptet, ein aus Rindertracheen gewonnenes Produkt erreiche oft über 90 Prozent Reinheit und entspreche teils USP- und BP-Qualitäten; ein weiterer Herstellerbeitrag zu Chondroitinsulfat-Natrium nennt sogar über 99 Prozent Reinheit nach GMP- und USP-Standards.

Anzeige

Arthrose-Schmerzen trotz Tabletten? Diese alte Methode könnte der Grund sein, warum viele Betroffene umdenken. Eine Schmerzexpertin zeigt, wie der sogenannte 3-Finger-Trick in wenigen Minuten spürbare Linderung bringen kann – ganz ohne Nebenwirkungen. 101 Druckpunkte gegen Arthrose jetzt kostenlos entdecken

Dem Stoff werden eine mögliche Unterstützung der Knorpelreparatur, eine Hemmung knorpelabbauender Enzyme und eine Entzündungsreduktion zugeschrieben, oft in Kombination mit Glucosamin – konkrete Studienbelege liefern die Beiträge dafür jedoch nicht.

Auch ein beworbenes Präparat mit Curcumin, UC-II-Kollagen und Vitamin C wirbt mit einer patentierten Mizellenformulierung, die eine 185-fach höhere Bioverfügbarkeit gegenüber herkömmlichem Curcumin-Extrakt erreichen soll. Unabhängige Wirksamkeitsdaten fehlen in diesem werblichen Beitrag.

Bei Hyaluronsäure, die Wasser bindet und unter anderem in Haut, Bindegewebe, Augen und Gelenkflüssigkeit vorkommt, zeigt sich ein ähnliches Bild: Orale Präparate werden zwar hinsichtlich Hautfeuchtigkeit und -elastizität untersucht, Produkte, Dosierungen und Studiendauern variieren jedoch stark, konkrete Daten werden in entsprechenden Ratgebern nicht genannt. In der Gelenkflüssigkeit selbst beeinflusst Hyaluron die Fließeigenschaften.

Weitere Herstellerbeiträge befassen sich mit Vitamin K1, das die Blutgerinnung unterstützt und das Protein Osteocalcin zur Knochenmineralisierung aktiviert, sowie mit Vitamin U, das laut Beitrag kein klassisches Vitamin ist und bei Magengeschwüren, Colitis und Gastritis eingesetzt werde, um die Magenschleimhaut zu schützen. Auch hier fehlen quantitative Wirksamkeitsnachweise – es handelt sich um die Bewerbung pharmazeutischer Rohstoffe.

Omega-3 bei Sportlern: moderate Effekte in Meta-Analysen

Für Omega-3-Fettsäuren nennt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) für Erwachsene eine Zufuhr von 250 Milligramm EPA+DHA täglich und empfiehlt ein bis zwei Fischmahlzeiten pro Woche. Einen offiziell anerkannten Mehrbedarf für Sportler gibt es nicht.

Eine Studie aus dem Jahr 2025 mit 55 Ausdauersportlern über sechs Wochen fand bei EPA-reichem Fischöl und DHA-reichem Algenöl eine niedrigere Herzfrequenz und ein geringeres Belastungsempfinden bei submaximaler Belastung, jedoch keinen signifikanten Vorteil im 24-Kilometer-Zeitfahren gegenüber Placebo.

Anzeige

Wer sich mit dem Zusammenhang von Nährstoffen und Gelenkbeschwerden befasst, sollte auch seine persönlichen Blutwerte im Blick behalten. Dieser kostenlose Report erklärt, welche Werte für Ihre Gesundheit wirklich entscheidend sind und wie Sie diese richtig interpretieren. Kostenlosen Laborwerte-Selbstcheck hier anfordern

Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2026 mit 41 Studien und über 1.800 Aktiven fand moderate Verbesserungen bei Entzündungs- und Muskelkatermarkern, wobei die einbezogenen Studien als heterogen eingestuft wurden. Beim Kauf von Präparaten wird empfohlen, die Menge an EPA+DHA pro Tagesdosis zu vergleichen statt der Gesamtmenge Fischöl.

Bluthochdruck als möglicher Risikofaktor

Jenseits der Nährstoffe liefert aktuelle Forschung auch neue Hinweise auf Zusammenhänge zwischen Bluthochdruck und Arthrose. Daten der südkoreanischen Korea National Health and Nutrition Examination Survey zeigten einen Zusammenhang zwischen beiden Erkrankungen, der bei schwererer Arthrose stärker ausfiel.

In zwei Mausmodellen führte erhöhter Blutdruck zu einer schnelleren Arthroseentwicklung; der Botenstoff Vasopressin kann über den Rezeptor AVPR1A den Knorpelabbau fördern, während die Entfernung des Rezeptors die Knorpelschäden bei den Tieren verringerte.

In weiteren Tierversuchen reduzierte der Wirkstoff Relcovaptan die Gelenkschädigung. Präklinische Untersuchungen sind geplant, eine mögliche Therapie für Menschen ist bislang jedoch nicht belegt.

Muskelschmerzen und Vitamin D

Ergänzend weisen Ratgeber darauf hin, dass auch Muskelschmerzen nährstoffbedingte Ursachen haben können, etwa durch einen Mangel an Magnesium, Calcium oder Vitamin D. Der Körper bildet laut vital.de rund 80 bis 90 Prozent des Vitamin D selbst, sobald UV-Strahlen auf die Haut treffen; die Apotheken-Umschau nennt als Faustregel täglich 5 bis 25 Minuten Sonnenlicht.

In Deutschland reicht die Sonneneinstrahlung von Oktober bis März jedoch nicht für eine ausreichende körpereigene Vitamin-D-Bildung aus. Ein Mangel lässt sich per Bluttest ärztlich abklären. Hoch dosierte Präparate können dabei Nebenwirkungen wie Übelkeit, Bauchkrämpfe, Erbrechen und Nierenschäden verursachen, weshalb eine unkontrollierte Einnahme hoher Dosen nicht empfehlenswert ist.

Insgesamt zeigt sich: Während einzelne Nährstoffe wie Vitamin E, Selen oder Zink durch ältere und teils kleinere Studien gestützt sind, basieren viele am Markt beworbene Präparate überwiegend auf Herstellerangaben ohne unabhängige Wirksamkeitsnachweise. Fachleute raten daher übereinstimmend dazu, jede Nahrungsergänzung bei Arthrose ärztlich abklären zu lassen.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70223211 |