Arthrose, Muskeltraining

Arthrose: Warum gezieltes Muskeltraining besser ist als dauerhafte Schonung

Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 04:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Fachleute empfehlen Bewegung und Muskelaufbau bei Arthrose; bei fortgeschrittenem Knorpelschaden kann ein Gelenkersatz infrage kommen.
Symbolbild: WÀrmflasche, Handtuch und KrÀutertee Illustration mit AI erstellt.

Viele Betroffene reagieren bei Gelenkschmerzen instinktiv mit Schonung. Ein dauerhaftes Einhalten von Ruhe ist bei Arthrose jedoch kontraproduktiv, wie die Personal Trainerin Sara Rozas betont. Vielmehr komme es darauf an, die Muskulatur rund um die betroffenen Gelenke gezielt aufzubauen. Zwar ist Arthrose nicht heilbar, die auftretenden Symptome lassen sich jedoch behandeln.

Rozas weist darauf hin, dass die Beschwerden zu Trainingsbeginn zunĂ€chst zunehmen können, die langfristigen Vorteile die anfĂ€nglichen Belastungen jedoch ĂŒberwiegen. Bei starkem Schmerz sollten Übungen reduziert oder pausiert und eine Abstimmung mit Ärzten oder Physiotherapeuten gesucht werden.

Warum InaktivitÀt den Gelenkknorpel schwÀcht

Wissenschaftliche Institute bestĂ€tigen den Stellenwert aktiver Bewegungsmuster. Das US-Institut NIAMS hebt hervor, dass Bewegungsmangel die Muskeln schwĂ€cht und in der Folge den mechanischen Stress auf die Gelenke steigert. Knorpelgewebe verfĂŒgt ĂŒber keine eigene Blutversorgung und wird primĂ€r durch den Wechsel von Be- und Entlastung ĂŒber die GelenkflĂŒssigkeit ernĂ€hrt.

Dauerhafte InaktivitĂ€t greift diese Versorgung an, wie der Physiotherapeut Manuel RozalĂ©n unterstreicht: Bewegungsmangel schĂ€dige den Knorpel direkt. RozalĂ©n rĂ€t zu Sportarten mit geringer Stoßbelastung wie Schwimmen, Aquagymnastik oder Ergometertraining sowie zur StĂ€rkung der Oberschenkelmuskulatur.

Zur Belastungssteuerung orientiert er sich an einer Schmerzskala von null bis zehn: Bis zu einem Wert von vier könne das Training fortgesetzt werden, ab Stufe fĂŒnf sei ein Abbruch ratsam, wobei die Lage am Folgetag neu bewertet werden solle.

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RozalĂ©n verweist darauf, dass in Spanien laut Erhebungen von EPISER 2021 rund 33,7 Prozent der Erwachsenen von Arthrose betroffen sind. Zudem können Schmerzmittel wie NSAR Warnsignale ĂŒberdecken und bei langfristiger Einnahme Nebenwirkungen im Magen- sowie Herz-Kreislauf-Bereich nach sich ziehen.

Internationale Leitlinien setzen auf Training statt Medikamente

Auf regulatorischer Ebene gewinnt dieser konservative Ansatz zunehmend an Gewicht. Das britische National Institute for Health and Care Excellence (NICE) empfiehlt eine strukturierte Bewegungstherapie, die Kraft- und AerobikĂŒbungen kombiniert.

In einem ĂŒberarbeiteten Leitlinienentwurf stellt das Institut mehr Bewegung und eine Gewichtsreduktion zur Schmerzkontrolle in den Mittelpunkt, wĂ€hrend der Einsatz von Medikamenten reduziert werden soll.

FĂŒr Paracetamol und bestimmte Opioide spricht das NICE mangels nachgewiesenen Nutzens und wegen möglicher FolgeschĂ€den oder AbhĂ€ngigkeiten keine Empfehlung mehr aus; topische und bedingt orale NSAR bleiben als Option bestehen.

Bei Personen ĂŒber 45 Jahren mit aktivitĂ€tsabhĂ€ngigem Gelenkschmerz und Morgensteifigkeit unter 30 Minuten sieht das Institut eine rein klinische Diagnose ohne bildgebende Verfahren vor. Nach NICE-Angaben sind in England rund 7,4 Millionen Menschen ĂŒber 45 Jahren betroffen; fĂŒr Spanien wird die PrĂ€valenz mit 10,2 Prozent angegeben, was ĂŒber 7 Millionen Menschen entspricht.

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Fachmediziner unterstĂŒtzen die Abkehr von reiner Schonung. Kniechirurg Dr. Sushil Sharma vom Kailash Hospital in Noida betont, dass Bewegung die Muskulatur stĂ€rkt und die Beweglichkeit sichert, auch wenn sie zerstörten Knorpel nicht wieder aufbauen kann.

Geeignet seien Gehen auf ebenem Grund, Radfahren und Schwimmen bei schrittweiser Steigerung. Dr. Ashish Mittal vom Max Hospital in Dehradun bezeichnet die Furcht vor GelenkschÀden durch Sport als verbreiteten Irrtum. Neben der Entlastung durch Gewichtsverlust trage Krafttraining wesentlich zur GelenkstabilitÀt bei.

Grenzen konservativer Therapien

Trotz der Vorteile aktiver Bewegung bleibt das Stadium der Erkrankung entscheidend. Dr. Jung Ho-won vom Yonsei Geonwoo Hospital in Seoul erklÀrt, dass Knie-Arthrose reparierbare und nicht mehr reparierbare Stadien aufweist.

Zur Entlastung fĂŒhrt Jung an, dass jedes verlorene Kilogramm Körpergewicht die Belastung des Kniegelenks beim Gehen um rund drei Kilogramm verringere. Bei weit fortgeschrittenem Knorpelschaden sei ein Gelenkersatz angezeigt, wobei Schmerz, Funktion und LebensqualitĂ€t ĂŒber den Eingriff entscheiden – nicht das Alter.

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