Arzneimittel-Versorgung, EU-Reform

Arzneimittel-Versorgung: EU-Reform sichert mehrere Lieferanten ab Oktober

Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 00:31 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der PPA-Entwurf setzt auf QualitÀtskriterien, mehrere Lieferanten und europÀische Wertschöpfung, um öffentliche Beschaffung krisenfester zu gestalten.

EU-Kommission plant neue Vergaberegeln fĂŒr resilientere Lieferketten
Eine moderne, weitlÀufige Industriehalle mit leeren Transportwegen und Regalsystemen in einer geordneten, hellen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Die EuropĂ€ische Kommission hat mit dem Vorschlag zum EU-Public Procurement Act (PPA) eine grundlegende Neuausrichtung des Vergaberechts initiiert. Der Entwurf zielt darauf ab, öffentliche Ausschreibungen ĂŒber ihre administrative Funktion hinaus als strategisches Instrument zu etablieren.

Im Fokus stehen dabei die StÀrkung der europÀischen WettbewerbsfÀhigkeit, die Erhöhung der Resilienz von Lieferketten sowie die langfristige Sicherung der Versorgungssicherheit innerhalb der Union.

Resilienz und QualitÀt als neue Vergabestandards

Der PPA-Entwurf sieht vor, dass öffentliche AuftrĂ€ge kĂŒnftig verstĂ€rkt nach dem Prinzip des besten QualitĂ€t-Preis-VerhĂ€ltnisses vergeben werden sollen. Damit rĂŒckt die Kommission von der Praxis ab, bei der oft der alleinige Fokus auf dem niedrigsten Preis lag.

Ein wesentlicher Bestandteil der Neuregelung ist die BerĂŒcksichtigung von Resilienz-Kriterien. Um kritische AbhĂ€ngigkeiten von einzelnen Lieferanten zu vermeiden, soll eine obligatorische Losaufteilung implementiert werden. Insbesondere bei sensiblen BeschaffungsvorgĂ€ngen sieht der Entwurf zudem vor, europĂ€ischen Anbietern den Vorzug zu geben.

Wirtschaftliche Auswirkungen und Quotenregelungen

Die wirtschaftliche Dimension der öffentlichen Auftragsvergabe in der EU ist erheblich. JÀhrlich werden AuftrÀge in einem Gesamtvolumen von rund 2,5 Billionen Euro vergeben, was knapp 15% des europÀischen Bruttoinlandsprodukts entspricht. Laut Angaben von Industriekommissar Séjourné in Berichten vom September 2026 sollen rund 600 Mrd. Euro dieses Volumens unter die neuen Vorschriften des PPA fallen.

Konkret sieht der Entwurf vor, dass QualitĂ€tskriterien einen Anteil von mindestens 30% an der Wertung haben mĂŒssen. Bei arbeitsintensiven AuftrĂ€gen kann dieser Anteil auf bis zu 50% steigen.

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Der PPA-Entwurf verlangt kĂŒnftig eine obligatorische Losaufteilung und mindestens 30% QualitĂ€tsanteil an der Wertung — wer seine Angebote jetzt nicht darauf umstellt, verliert AuftrĂ€ge an besser vorbereitete Wettbewerber. Unser kostenloser Leitfaden zeigt in drei Schritten, wie Sie Lose bilden, Mehrlieferanten-Strategien aufsetzen und den EU-Wertschöpfungsanteil sauber nachweisen. Leitfaden zur PPA-konformen Angebotserstellung jetzt sichern

Zudem enthĂ€lt der Vorschlag eine Schutzklausel fĂŒr den europĂ€ischen Binnenmarkt: Angebote, deren EU-Wertschöpfungsanteil unter 50% des Auftragswerts liegt, können kĂŒnftig abgelehnt werden. Die Kommission beziffert die durch die Reform erwarteten Einsparungen auf rund 650 Mio. Euro pro Jahr.

Forderungen der Pharmaindustrie nach Versorgungssicherheit

Die pharmazeutische Industrie in Deutschland begleitet die ReformplĂ€ne mit konkreten Forderungen an die Ausgestaltung. Dr. Kai Joachimsen, HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer des BPI, betonte die Notwendigkeit, Versorgungssicherheit als verbindliche Leitlinie im Vergaberecht zu verankern. Er sprach sich dafĂŒr aus, fĂŒr versorgungskritische Arzneimittel grundsĂ€tzlich mehrere Lieferanten vorzusehen, um EngpĂ€ssen vorzubeugen. Zudem forderte der Verband eine enge Abstimmung zwischen dem PPA und dem Critical Medicines Act (CMA).

Auch Pharma Deutschland mahnte eine konsequente Umsetzung der Reformziele an. Der Verbandsvertreter Brakmann unterstrich, dass insbesondere bei RabattvertrĂ€gen der gesetzlichen Krankenversicherungen der Preis nicht das einzige Kriterium bleiben dĂŒrfe. Eine effektive Diversifizierung der Lieferwege werde als entscheidender erachtet als eine reine Bevorzugung europĂ€ischer Produzenten.

Aktuelle Vergabepraxis im Bereich kritischer Arzneimittel

Wie sich die Anforderungen an die Versorgungssicherheit bereits in aktuellen Verfahren widerspiegeln, zeigt die Ausschreibungspraxis gesetzlicher Kassen. So hat die KKH KaufmĂ€nnische Krankenkasse im September 2026 ein Open-House-Verfahren fĂŒr die Wirkstoffkombination Formoterol/Budesonid (80”g/4,5”g) eingeleitet.

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Angebote mit einem EU-Wertschöpfungsanteil unter 50% des Auftragswerts können nach dem PPA-Entwurf abgelehnt werden — und der Preisdruck aus GKV-RabattvertrĂ€gen bleibt bestehen. Dieser Leitfaden zeigt am Praxisbeispiel Formoterol/Budesonid, wie nicht-exklusive Open-House-Verfahren funktionieren und wie Sie Ihre Lieferwege diversifizieren, statt sich auf einen einzigen Lieferanten zu verlassen. Schritt-fĂŒr-Schritt-Checkliste zur Lieferketten-Diversifizierung anfordern

Diese Form der nicht-exklusiven Rabattvereinbarung ermöglicht es mehreren Herstellern, zu festgelegten Bedingungen beizutreten. Die Laufzeit dieser VertrĂ€ge ist fĂŒr den Zeitraum vom 1.10.2026 bis zum 30.9.2028 angesetzt, wobei eine VerlĂ€ngerungsoption von bis zu 12 Monaten besteht.

Die Frist fĂŒr die Abgabe von Angeboten wurde auf den 31.12.2026 terminiert. Solche Modelle gelten als ein Weg, die Anbietererweiterung in versorgungskritischen Therapiebereichen wie chronischen Atemwegserkrankungen praktisch umzusetzen.

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