Arzneimittelkosten, GKV-Ausgaben

Arzneimittelkosten: GKV-Ausgaben steigen 2024 auf 2,54 Milliarden Euro

Veröffentlicht am: 02.08.2026 um 21:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die gesetzliche Krankenversicherung verzeichnet weiter steigende Arzneimittelausgaben. Das neue Stabilisierungsgesetz soll die Finanzlücke bis 2027 um fast 19 Milliarden Euro reduzieren.

GKV-Ausgaben für Arzneimittel steigen: AMNOG-Report 2024 zeigt Kostendruck
Blisterpackung mit Medikamenten und ein Tablet mit Finanzgrafiken auf einem modernen Schreibtisch. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die finanzielle Situation der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ist zunehmend von einer Diskrepanz zwischen regulatorischen Sparbemühungen und einer kontinuierlichen Dynamik bei den Arzneimittelkosten geprägt. Einblicke in diese Entwicklung liefert der AMNOG-Report 2024 der DAK-Gesundheit, der eine deutliche Steigerung der Ausgaben für patentgeschützte Medikamente belegt. Demnach stiegen die GKV-Ausgaben in diesem Segment von 1,86 Milliarden Euro im Zeitraum von Februar bis April 2022 auf 2,16 Milliarden Euro im Jahr 2023. Für das Jahr 2024 wurde ein weiterer Anstieg auf 2,54 Milliarden Euro verzeichnet, was einem Zuwachs von 18 Prozent entspricht.

Kostenfaktoren bei neuen Arzneimitteln und im Krankenhaussektor

Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung sind die durchschnittlichen Jahrestherapiekosten für neu eingeführte Arzneimittel, die laut dem Bericht der Krankenkasse inzwischen fast 400.000 Euro betragen. Kritisch bewertet die Kasse dabei, dass 20 von 38 Erstbewertungen solcher Medikamente keinen nachgewiesenen Zusatznutzen aufzeigten. Auch im stationären Bereich ist ein erheblicher Kostendruck feststellbar. Die Krankenhausausgaben für patentgeschützte Arzneimittel beliefen sich im Jahr 2023 auf 1,2 Milliarden Euro. Dies entspricht einer Steigerung von 132 Prozent innerhalb von fünf Jahren.

Angesichts dieser Zahlen forderte DAK-Chef Andreas Storm eine einnahmenorientierte Ausgabenpolitik. Er schlug einen Drei-Stufen-Plan vor, der neben Strukturreformen eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Arzneimittel auf 7 Prozent vorsieht. Durch diese steuerliche Anpassung könnten schätzungsweise 4,7 Milliarden Euro eingespart werden.

Prognosen zur Finanzlücke und gesetzliche Gegenmaßnahmen

Das Institut IGES erstellte im Auftrag der DAK-Gesundheit eine Projektion, nach der der GKV im Jahr 2027 eine Finanzlücke von 11,8 Milliarden Euro drohe. Um dieses Defizit auszugleichen, müsste der Beitragssatz um 0,6 Punkte auf 18,3 Prozent angehoben werden. Langfristig prognostiziert das Institut, dass die Sozialbeiträge bis zum Jahr 2035 die Marke von 50 Prozent erreichen könnten.

Als Reaktion auf die drohenden Defizite hat der Bundestag im Juli 2026 das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz verabschiedet, das Ende des Monats in Kraft trat. Ziel dieses Maßnahmenpakets ist eine Begrenzung der Ausgabensteigerungen auf das Niveau der Einnahmeentwicklung. Bis zum Jahr 2027 wird ein Einsparvolumen von insgesamt 18,8 Milliarden Euro angestrebt. Dies ist vor dem Hintergrund zu sehen, dass die Leistungsausgaben der GKV im Jahr 2025 bei 336 Milliarden Euro lagen und im ersten Quartal 2026 bereits um weitere 8 Prozent stiegen.

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Strukturelle Änderungen und Leistungskürzungen

Das Gesetz sieht eine Reihe von Einschnitten für Versicherte und Leistungserbringer vor:

  • Die Zuzahlungen für Medikamente wurden auf eine Spanne von 7,50 Euro bis 15 Euro angehoben.
  • Zuschüsse für Zahnersatz sinken von bisher 60 Prozent auf 50 Prozent.
  • Homöopathische und anthroposophische Behandlungen werden nicht mehr von den Kassen erstattet.
  • Cannabisblüten sind nicht mehr zulasten der GKV verordnungsfähig; Ausnahmen gelten nur für Fertigarzneimittel oder Extrakte.
  • In der Palliativmedizin entfällt die Erstattungsfähigkeit für Mistel-Präparate.

Zudem ergeben sich ab 2027 administrative Änderungen. Die Steigerung der Verwaltungskosten wird auf die Grundlohnrate begrenzt und Werbebudgets werden auf etwa 2,97 Euro pro Mitglied und Jahr halbiert. Dies soll 2027 rund 100 Millionen Euro und bis 2030 insgesamt 480 Millionen Euro einsparen. Ab 2028 wird zudem ein Beitragszuschlag von 2,5 Prozent für familienversicherte Ehepartner eingeführt, wovon schätzungsweise 2,46 Millionen Haushalte betroffen sind. Ausnahmen bestehen unter anderem für Eltern mit Kindern unter zwölf Jahren oder bei Erwerbsminderung.

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Fachliche Kritik an der Preispolitik und Versorgungsaspekten

Die Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), Sonja Optendrenk, kritisierte die aktuelle Arzneimittelpreispolitik und gab zu bedenken, dass Industriepolitik über Arzneimittelpreise nicht mehr funktioniere. Sie sprach sich zudem dafür aus, Adipositas als Krankheit anzuerkennen und Präparate wie Wegovy oder Mounjaro unter bestimmten Bedingungen als Kassenleistung zuzulassen.

Kritik am neuen Stabilitätsgesetz kam zudem von der Psychotherapeutenkammer Hessen. Präsidentin Heike Winter mahnte an, dass die Einführung einer Budgetierung in der Psychotherapie die Versorgung psychisch erkrankter Menschen gefährde. Obwohl die Psychotherapie lediglich ein Prozent der GKV-Gesamtkosten ausmache, befürchten Therapeuten durch die gesetzlichen Neuregelungen Einnahmeverluste von 20 bis 30 Prozent sowie eine Reduzierung der voll vergüteten Sitzungen pro Woche. Angesichts aktueller Wartezeiten von durchschnittlich 140 Tagen auf einen Therapieplatz wird eine Verschärfung der Versorgungslage befürchtet.

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