Arzneimittelmarkt, Pharmakonzerne

Arzneimittelmarkt: Pharmakonzerne warnen vor Innovationsverlust in Europa

Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 20:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der vfa verlangt ein moderneres AMNOG, wÀhrend Abbvie klagt und Krankenkassen bei digitalen Gesundheitsanwendungen strengere Vorgaben fordern.

AMNOG-Reform: Pharmaindustrie warnt vor Folgen strenger Preisregeln
Ein minimalistisches, modernes pharmazeutisches Labor mit EdelstahlflĂ€chen und GlasflĂ€schchen auf einem weißen Labortisch. Illustration mit AI erstellt.

Im Bereich der deutschen Arzneimittelmarktregulierung zeichnet sich eine Debatte ĂŒber die ZukunftsfĂ€higkeit des Arzneimittelmarktneuordnungsgesetzes (AMNOG) ab. Der Verband forschender Pharmaunternehmen (vfa) hat VorschlĂ€ge zur Modernisierung des seit 2011 bestehenden Systems vorgelegt.

Ziel der Initiative ist es, den frĂŒhen Zugang zu medizinischen Innovationen sicherzustellen und den medizinischen Nutzen als zentralen Maßstab der Preisbildung zu stĂ€rken.

Internationale PreisrĂŒckwirkungen im Fokus der Industrie

Ein zentraler Aspekt der vfa-VorschlĂ€ge betrifft die BerĂŒcksichtigung internationaler PreisrĂŒckwirkungen. Wie aus einem Bericht vom 22. September 2026 hervorgeht, warnt der Verband vor den Folgen der US-amerikanischen Preispolitik, insbesondere dem sogenannten Most-Favored-Nation-Ansatz.

Da deutsche Erstattungspreise international oft als Referenz dienen, befĂŒrchtet die Industrie eine verzögerte oder gĂ€nzlich ausbleibende MarkteinfĂŒhrung neuer Medikamente in Deutschland.

vfa-PrĂ€sident Han Steutel wies darauf hin, dass deutsche Preise eine erhebliche internationale Strahlkraft besĂ€ĂŸen. Unternehmen wĂŒrden sich zunehmend die Frage stellen, ob eine EinfĂŒhrung neuer Arzneimittel unter den aktuellen Bedingungen in Deutschland noch sinnvoll sei.

Der Verband fordert daher, globale Markteffekte in den Erstattungsverhandlungen explizit zu berĂŒcksichtigen und praxistauglichere, vertrauliche ErstattungsbetrĂ€ge dauerhaft zu etablieren.

Widerstand gegen gesetzliche Eingriffe und Rabattregelungen

Neben den strukturellen ReformwĂŒnschen des vfa formiert sich auch juristischer Widerstand gegen aktuelle gesetzliche Maßnahmen. Das Unternehmen Abbvie hat laut Berichten vom September 2026 eine Beihilfebeschwerde bei der EU-Kommission gegen das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz (BStabG) eingereicht.

Stein des Anstoßes ist ein fĂŒr das Jahr 2027 vorgesehener zusĂ€tzlicher Abschlag von 8,5 Prozent auf den Herstellerabgabepreis sowie neue, wirkstoffĂŒbergreifende RabattvertrĂ€ge.

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Der vfa hat VorschlĂ€ge zur Modernisierung des AMNOG vorgelegt — von vertraulichen ErstattungsbetrĂ€gen bis zur BerĂŒcksichtigung internationaler PreisrĂŒckwirkungen. Wer die Verhandlungen der kommenden Monate vorbereiten will, findet in diesem kostenlosen Report die zentralen ReformvorschlĂ€ge im Überblick. Jetzt kostenlosen AMNOG-Reform-Report anfordern

Thibault Massart, GeschĂ€ftsfĂŒhrer von Abbvie Deutschland, sieht durch diese Regelungen das Grundprinzip der Gesundheitsversorgung gefĂ€hrdet. Die geplante Rabattlogik stelle das AMNOG-Prinzip, wonach der Patientennutzen entscheidend fĂŒr den Preis sein sollte, infrage. Auch der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) Ă€ußerte Kritik an der aktuellen Regulierungsdichte.

Dr. Kai Joachimsen, HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer des BPI, verwies auf rund 35 bestehende Regelungen zur DĂ€mpfung der Arzneimittelpreise und warnte vor einer zunehmenden BĂŒrokratisierung. Ein Bericht des BPI vom MĂ€rz 2026 verdeutlichte bereits eine massive VerschĂ€rfung der Preis-Mengen-Regelungen.

Standortwettbewerb und InnovationsfÀhigkeit in Europa

Die Forderungen nach Reformen werden durch einen besorgniserregenden Trend in der europĂ€ischen Pharmaforschung gestĂŒtzt. In einem offenen Brief mahnten die Chefs von neun großen europĂ€ischen Pharmakonzernen, darunter AstraZeneca, Novartis und Roche, eine innovationsfreundlichere Politik an.

Der Anteil Europas an der weltweiten Pharmaforschung sei von 43 Prozent im Jahr 1990 auf aktuell 31 Prozent gesunken. Zudem habe sich der Anteil an kommerziellen klinischen Studien innerhalb eines Jahrzehnts auf 9 Prozent halbiert.

Laut den Branchenvertretern erreichen rund 40 Prozent der neu zugelassenen Therapien die Patienten in Europa nicht. Im Durchschnitt vergehen fast 600 Tage, bis ein verfĂŒgbares Medikament tatsĂ€chlich zur Behandlung eingesetzt wird. Bereits im April 2025 hatten 32 Pharmaunternehmen vor einer Verlagerung ihrer AktivitĂ€ten in die USA gewarnt, sollte sich das regulatorische Umfeld nicht verbessern.

Forderungen der KostentrÀger bei digitalen Anwendungen

WĂ€hrend die Pharmaindustrie mehr FlexibilitĂ€t fordert, drĂ€ngen die Krankenkassen auf striktere Regeln in anderen Bereichen. Der AOK-Bundesverband legte im September 2026 ein Positionspapier vor, das eine strengere Regulierung fĂŒr digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) fordert.

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Ab 2027 ist ein zusĂ€tzlicher Abschlag von 8,5 Prozent auf den Herstellerabgabepreis vorgesehen, und in BrĂŒssel lĂ€uft eine Beihilfebeschwerde gegen das Spargesetz. Wer sein Erstattungsmodell jetzt absichern will, braucht eine belastbare Checkliste zu internationalen PreisrĂŒckwirkungen und RabattvertrĂ€gen. Checkliste PreisrĂŒckwirkungen jetzt sichern

VorstĂ€ndin Carola Reimann kritisierte, dass Hersteller zum Markteintritt oft sehr hohe Preise festsetzen wĂŒrden, die nicht im VerhĂ€ltnis zum tatsĂ€chlichen Innovationswert stĂŒnden. Die AOK fordert daher die Abschaffung der freien Preiswahl im ersten Jahr und einen Wirksamkeitsnachweis bereits zum Zeitpunkt der Aufnahme in das Verzeichnis.

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