Arztpraxen, Fusionen

Arztpraxen ab Juli: Fusionen und UmzĂŒge belasten Ă€ltere Patienten

20.06.2026 - 04:40:27 | boerse-global.de

Praxisschließungen und Zusammenlegungen belasten Patienten. MVZ-Übernahmen und Kommunalförderung sollen die Versorgung sichern.

Praxensterben in Deutschland: MED:ON und MVZ als neue Modelle
Arztpraxen - Eine Ă€ltere Person steht an einer Bushaltestelle und studiert verwirrt einen komplizierten Nahverkehrsplan. 20.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Immer mehr kleinere Praxen schließen oder werden zusammengelegt – die Folge: lĂ€ngere Wege fĂŒr Patienten. Besonders Senioren und Menschen mit eingeschrĂ€nkter MobilitĂ€t trifft der Strukturwandel hart.

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MED:ON bĂŒndelt KrĂ€fte – Patienten zahlen drauf

In Jena zeigt sich das Problem besonders deutlich. Zum 1. Juli legt der Betreiber MED:ON zwei Hausarztpraxen in Jena-Lobeda und Drackendorf zusammen. Die neue Gemeinschaftspraxis entsteht in Jena-Nord.

Die GeschĂ€ftsfĂŒhrung verweist auf die angespannte FachkrĂ€ftesituation. Durch die BĂŒndelung der Ressourcen sollen AblĂ€ufe effizienter werden. FĂŒr viele Ă€ltere Patienten bedeutet der Umzug jedoch deutlich lĂ€ngere Anfahrtswege.

Die KassenĂ€rztliche Vereinigung ThĂŒringen (KVT) winkt ab: Mit einem Versorgungsgrad von ĂŒber 116 Prozent gelte Jena rechnerisch als ĂŒberversorgt. Ein rechtlicher Anspruch auf eine Praxis in jedem Stadtteil bestehe nicht.

MVZ als Rettungsanker fĂŒr den lĂ€ndlichen Raum

In Leutkirch lĂ€uft es anders. Nach dem Tod einer Allgemeinmedizinerin ĂŒbernimmt die Ärztegenossenschaft LeuMed zum 1. Juli den Standort. Aus der Einzelpraxis wird ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ). Zuvor hielten VertretungsĂ€rzte den Betrieb ein Jahr lang am Laufen.

Solche Übernahmen durch Genossenschaften oder KlinikverbĂŒnde gelten zunehmend als Lösung fĂŒr den lĂ€ndlichen Raum. Wenn sich kein individueller Nachfolger findet, bleibt so die Ă€rztliche Infrastruktur erhalten.

In FĂŒrstenhagen kehrt eine Gemeinschaftspraxis zum 1. Juli an ihren ursprĂŒnglichen Standort zurĂŒck. Grund: Der Immobilienverkauf 2021 hatte sie vorĂŒbergehend in ein Pflegezentrum gezwungen. Jetzt schließt dieses Zentrum. Die RĂŒckkehr kostet die Mediziner bis zu 10.000 Euro – eine Investition in die Zukunft von rund 1.400 Patienten.

Kommunen locken mit Geld – doch reicht das?

Die Nachfolgeplanung bleibt fĂŒr viele Ärzte schwierig. Deshalb greifen Kommunen zu finanziellen Anreizen. In Salzkotten sind MietzuschĂŒsse von bis zu 700 Euro monatlich ĂŒber fĂŒnf Jahre geplant. Hinzu kommt die Förderung von Praktika fĂŒr Medizinstudenten. Der Stadtrat entscheidet Anfang Juli.

In der Wetterau ist die Lage kritisch. In Altenstadt sind mehrere Kassenarztsitze unbesetzt, weitere Mediziner stehen vor dem Ruhestand. Die Lösung: neue Ärztezentren, die fĂŒr junge Mediziner attraktiv sein sollen.

Spargesetz bedroht Praxen zusÀtzlich

Doch nicht nur Standortfragen belasten die Praxen. Das geplante GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz setzt sie zusĂ€tzlich unter Druck. In Wittmund warnen FachĂ€rzte vor Umsatzverlusten von bis zu 17 Prozent. OrthopĂ€den befĂŒrchten, dass pro Quartal 150 bis 200 Patienten weniger behandelt werden können.

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Die Wartezeiten fĂŒr NotfĂ€lle und Facharzttermine drohen weiter zu steigen.

In Hanau weisen KinderĂ€rzte auf ein weiteres Problem hin: Die Deckelung von PrĂ€ventionsleistungen gefĂ€hrde die Versorgung von Familien. Trotz neu genehmigter Arztsitze bleibt die Nachfrage höher als das Angebot. Die Bundesregierung hĂ€lt an ihrem Sparkurs fest – eine abschließende Beratung im Bundestag ist fĂŒr den 10. Juli geplant.

Barrierefreiheit: Transparenz gefordert

Neben der geografischen Erreichbarkeit rĂŒckt die physische ZugĂ€nglichkeit der Praxen in den Fokus. Die Gesundheitsministerkonferenz (GMK) fordert eine gesetzliche Meldepflicht zur Barrierefreiheit. Bisher fehlen diese Daten im Bundesarztregister weitgehend.

Das Ziel: Menschen mit Behinderungen sollen geeignete BehandlungsrĂ€ume leichter finden. Gleichzeitig wĂŒrde der Modernisierungsbedarf im GebĂ€udebestand sichtbar – ein erster Schritt zu mehr Inklusion im Gesundheitswesen.

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