Atemübungen, MRT

Atemübungen im MRT: Pilotstudie misst 45 Prozent weniger Hirndurchblutung

Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 00:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Ein Mannheimer Pilotversuch verknüpft schnelles Atmen mit geringerer Hirndurchblutung und verändertem Erleben; größere Studien müssen die Befunde bestätigen.

Atemstudie zeigt veränderte Hirndurchblutung bei intensiven Übungen
Ein minimalistischer, lichtdurchfluteter Meditationsraum mit Natursteinboden und einem einzelnen Holzkissen in ruhiger Atmosphäre. Illustration mit AI erstellt.

Atemtechniken gewinnen in der neurowissenschaftlichen Forschung zunehmend an Aufmerksamkeit. Welche tiefgreifenden physiologischen Reaktionen gezielte Atemübungen im Gehirn auslösen können, verdeutlichte eine Pilotstudie von Forschenden des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in Mannheim, die am 10. Oktober 2026 auf dem ECNP-Kongress in München vorgestellt wurde.

Die Untersuchung liefert neue Einblicke in die Mechanismen, über die intensive Atemarbeit das neuronale Geschehen und das subjektive Erleben beeinflusst.

Messbare Veränderungen der Hirndurchblutung im MRT

Für die Mannheimer Untersuchung führten 30 erfahrene Praktizierende sehr schnelles und tiefes Atmen während einer funktionellen Magnetresonanztomografie durch. Dabei registrierten die Forschenden eine deutliche Veränderung der zerebralen Durchblutung: Die Blutversorgung der grauen Hirnsubstanz sank im Schnitt um etwa 45 Prozent, konkret von 16,24 auf 9,81 Milliliter pro 100 Gramm Hirngewebe pro Minute.

Parallel zu den messbaren Gefäßreaktionen berichteten die Probanden von veränderten Bewusstseinszuständen, die als sogenannter ozeanischer Zustand beschrieben wurden. Die Teilnehmenden erlebten diesen Zustand ähnlich den Effekten einer moderaten bis hohen Dosis von Substanzen wie LSD oder Psilocybin, allerdings mit weniger visuellen Störungen.

Den Auswertungen der Mannheimer Forschenden zufolge hängt dieses Phänomen auch mit einer veränderten Kommunikation der Hirnnetzwerke zusammen, zu denen unter anderem das Netzwerk für Selbstreflexion gehört.

Pilotcharakter erfordert weitere Überprüfung

Trotz der prägnanten Befunde ordnen die Wissenschaftler die Daten vorsichtig ein. Bei der Erhebung handelte es sich um einen Pilotversuch mit einer relativ kleinen Gruppe von 30 erfahrenen Praktizierenden, der zudem ohne Kontrollgruppe durchgeführt wurde. Die Ergebnisse gelten daher als vorläufig. Um die beobachteten Mechanismen und deren Stabilität abzusichern, ist eine Bestätigung in größeren, randomisierten Folgestudien erforderlich.

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Physiologische Grundlagen und Wirkung auf das Nervensystem

Die Mannheimer Daten fügen sich in ein wachsendes Forschungsfeld ein, das die Wirkung der Atmung auf den Organismus analysiert. Im gewöhnlichen Ruhezustand bewegt der Mensch bei durchschnittlich 10 bis 15 Atemzügen pro Minute etwa 0,5 Liter Luft pro Atemzug.

Ein bewusster, tiefer Atemzug kann dieses Volumen auf bis zu 2,5 Liter steigern. Fachbeiträge weisen zudem darauf hin, dass eine reine Nasenatmung eine bis zu 20 Prozent höhere Sauerstoffaufnahme im Vergleich zur Mundatmung ermöglichen kann.

Während forcierte Hyperventilation wie in der Pilotstudie zu Durchblutungsrückgängen führt, zielen viele traditionelle Entspannungstechniken auf langsame Frequenzen ab. Eine lange, ruhige Ausatmung aktiviert über den Vagusnerv – den zehnten Hirnnerv und zentralen Ast des Parasympathikus – regenerative Prozesse, wodurch Puls und Blutdruck sinken.

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Am Universitätsklinikum Tübingen wird betont, dass die Wirkung von kontrollierter Atmung und etablierten Entspannungsverfahren gut dokumentiert ist, während noch zu wenig darüber bekannt ist, wie und wann sich direkte Formen der Vagusnervstimulation verlässlich einsetzen lassen. Untersuchungen zu kontrollierten Atemmustern belegen damit vor allem den unmittelbaren Einfluss gleichmäßiger Atemzüge auf körperliche Stressachsen.

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