Atemzyklus und Reaktion: Ausatmen macht Menschen um 41 Millisekunden schneller
Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 13:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Untersuchungen zur menschlichen Wahrnehmung zeigen, dass kognitive Leistungen eng mit körperlichen Rhythmen verknüpft sind. Eine in der Fachzeitschrift iScience veröffentlichte Untersuchung unter Leitung von Ken A. Paller von der Northwestern University sowie der Erstautorin Erika M. Yamazaki verdeutlicht nun den Einfluss des Atemzyklus auf das Reaktionsvermögen: Demnach reagieren Menschen auf visuelle Reize während des Ausatmens im Mittel um 41 Millisekunden – rund eine Fünfundzwanzigstelsekunde – schneller als während des Einatmens.
Messung der Atemphasen und Reaktionsunterschiede
Für die Untersuchung absolvierten 35 Erwachsene im Alter von 18 bis 33 Jahren eine psychomotorische Vigilanzaufgabe. Bei diesem Test mussten die Probanden eine Leertaste betätigen, sobald ein Quadrat seine Farbe von Rot zu Gelb änderte.
Die Durchläufe fanden jeweils zweimal statt – vor und nach einem Nickerchen beziehungsweise nach acht Stunden Laborschlaf. Der Atemfluss wurde dabei über einen Nasen-Sensor erfasst. Dies erlaubte die erste systematische Messung sämtlicher Atemphasen einschließlich der Übergangspausen.
Die Auswertungen ergaben, dass die Reaktionsgeschwindigkeit beim Ausatmen oder in der Atempause am höchsten war. Die langsamsten Werte zeigten sich bei eingeatmeter Luft. Die Differenz zwischen der schnellsten und der langsamsten Phase des Zyklus betrug rund 40,9 Millisekunden.
In den reinen Atempausen erfolgte die Reaktion immer noch um 21 Millisekunden schneller als bei der Einatmung. Zudem variierte die Reaktionswahrscheinlichkeit graduell über den Verlauf des gesamten Zyklus und beschränkte sich nicht nur auf einen abrupten Wechsel zwischen Ein- und Ausatmung.
Neurologische Signale und wissenschaftlicher Kontext
Als Ursache für diese Schwankungen gelten mechanische und nervöse Signale, die durch die Atembewegung ausgelöst werden. Diese Prozesse führen zu messbaren Schwankungen der Hirnaktivität, wodurch neuronale Netzwerke zeitweise empfangsbereiter für äußere Reize sein könnten.
Die Untersuchung zeigt: Beim Ausatmen reagieren Menschen im Mittel rund 41 Millisekunden schneller als beim Einatmen — bei Elite-Sportlern liegt die Streuung der Reaktionszeit ohnehin nur bei etwa 30 Millisekunden. Wie Sie dieses Atem-Timing systematisch in Ihr Training einbauen, zeigt der kostenlose Leitfaden in drei Schritten. Atem-Leitfaden jetzt anfordern
Die Ergebnisse fügen sich in ein differenziertes Bild der Forschung ein. Eine Studie aus dem Jahr 2016 hatte zuvor Vorteile des Einatmens für Gedächtnisleistungen sowie für die Erkennung von Emotionen nachgewiesen. Umgekehrt sind der Schreckreflex sowie die Beta-Wellen im sensomotorischen Kortex bei passivem Ausatmen am stärksten ausgeprägt.
Einordnung und methodische Grenzen
Die beobachteten Zeitdifferenzen besitzen vor allem im Leistungskontext Relevanz: Die Standardabweichung der Reaktionszeit liegt bei Elite-Sportlern bei rund 30 Millisekunden, womit die gemessene Spanne von 41 Millisekunden einen spürbaren Faktor darstellt.
Atmung läuft im Training meist nebenher — dabei entscheidet die Reaktionszeit im Wettkampf. Der Leitfaden erklärt, welche Grenzen die Datenlage hat und wie Sie Atemkontrolle trotzdem kontrolliert testen, ohne sich auf unbelegte Effekte zu verlassen. In 3 Schritten zur Atemkontrolle
Gleichzeitig verweisen die Fachleute auf Einschränkungen der Ergebnisse. Da die Reize in der Untersuchung unvorhersehbar erschienen, gibt es bislang keinen Beleg dafür, dass ein bewusst gesteuertes Ausatmen die Reaktionsleistung im Alltag oder Wettkampf gezielt steigern kann.
Zudem basieren die Daten auf einer kleinen Gruppe von 35 Testpersonen und einer einfachen visuellen Aufgabe. Ob der festgestellte Effekt auch bei komplexeren Entscheidungen, im Sport oder bei Mehrfachreizen auftritt, müssen künftige Analysen klären.

