Atherosklerose, Jahren

Atherosklerose: Jeder 13. unter 30 Jahren trĂ€gt GefĂ€ĂŸverkalkung

Veröffentlicht am: 08.09.2026 um 14:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien belegen GefĂ€ĂŸverĂ€nderungen bei jungen Erwachsenen, neue Autoimmun-Hinweise und Fortschritte bei FrĂŒherkennung und Behandlung.

Atherosklerose beginnt oft frĂŒh: Neue Studien zeigen Risiken
Ein medizinisches LaborgefĂ€ĂŸ mit einer klaren FlĂŒssigkeit in einer klinischen Forschungsumgebung. Illustration mit AI erstellt.

Arterienverkalkung gilt lange als Erkrankung des höheren Lebensalters. Eine aktuelle Studienreihe stellt dieses Bild infrage: Bereits junge Erwachsene tragen hĂ€ufig Anzeichen der GefĂ€ĂŸerkrankung in sich, ohne davon zu wissen. Mehrere Untersuchungen aus dem SpĂ€tsommer 2026 liefern dazu neue Daten und werfen zugleich ein Schlaglicht auf PrĂ€vention, Diagnostik und mögliche TherapieansĂ€tze.

Atherosklerose trifft auch unter 30-JĂ€hrige

Die REACT-Studie aus DÀnemark und Spanien, deren Ergebnisse im September 2026 im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurden, untersuchte 16.808 Teilnehmer. Das Resultat: Jeder 13. Erwachsene unter 30 Jahren zeigt bereits Anzeichen von Atherosklerose.

Über alle Altersgruppen der 18- bis 70-JĂ€hrigen hinweg wiesen 57,1 Prozent atherosklerotische Plaques auf. Die Studie zeigt zudem einen deutlichen Geschlechterunterschied: Bei MĂ€nnern treten die Anzeichen der GefĂ€ĂŸverkalkung 5 bis 10 Jahre frĂŒher auf als bei Frauen.

Neue Hinweise auf eine Autoimmun-Komponente

Ein internationales Forschungskonsortium unter Beteiligung der LMU MĂŒnchen und der Sun-Yat-sen-UniversitĂ€t kommt in einer im September 2026 in Nature Cardiovascular Research veröffentlichten Arbeit zu einem bemerkenswerten Schluss: Atherosklerose erfĂŒllt demnach Kriterien einer Autoimmunerkrankung.

Autoantikörper gegen das Protein Histon 2B verstĂ€rkten in Mausmodellen die GefĂ€ĂŸverkalkung – ein Befund, der an 495 Patienten bestĂ€tigt wurde. Sollte sich dieser Mechanismus in weiteren Studien erhĂ€rten, könnte er neue Ansatzpunkte fĂŒr Therapien eröffnen, die ĂŒber die klassische Cholesterinsenkung hinausgehen.

Cholesterin bleibt zentraler Risikofaktor – Streit um Omega-3

Die Deutsche Herzstiftung verweist im September 2026 erneut darauf, dass Statine das LDL-Cholesterin deutlich senken können – etwa Rosuvastatin in einer Dosierung von 5 Milligramm um 38 Prozent. Omega-3-Kapseln erreichten dagegen laut Herzstiftung lediglich eine Senkung von 3 Prozent, weshalb entsprechende NahrungsergĂ€nzungsmittel nicht empfohlen werden.

Zudem stellt die Herzstiftung klar, dass Statine nicht mit einem erhöhten Demenzrisiko in Verbindung stehen. Parallel dazu hinterfragt eine neue Studie des Houston Methodist die bisherige Annahme, HDL-Cholesterin wirke per se schĂŒtzend. Als Richtwerte gelten demnach weiterhin ein Gesamtcholesterin unter 190 mg/dl, ein LDL-Wert unter 116 mg/dl sowie ein HDL-Wert von mindestens 40 mg/dl.

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Erektionsstörungen als FrĂŒhwarnzeichen

Eine Metaanalyse aus 25 Studien mit ĂŒber 154.000 MĂ€nnern, veröffentlicht in Nature Reviews Urology, zeigt einen deutlichen Zusammenhang zwischen Erektionsstörungen und spĂ€teren Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Das Risiko fĂŒr Herz-Kreislauf-Erkrankungen insgesamt steigt demnach um 43 Prozent, fĂŒr HerzkranzgefĂ€ĂŸ-Erkrankungen um 59 Prozent und fĂŒr Schlaganfall um 34 Prozent.

Bemerkenswert ist der zeitliche Vorlauf: Erektionsprobleme treten den Autoren zufolge oft schon 2 bis 3 Jahre vor einer Herzdiagnose auf und könnten damit als FrĂŒhwarnsignal dienen.

Diagnostik und Systemreaktionen

Auch auf der Ebene der Diagnostik und Gesundheitspolitik tut sich einiges. Forscher des Imperial College London prĂ€sentierten auf dem EuropĂ€ischen Kardiologie-Kongress in MĂŒnchen ein KI-Tool, das anhand von EKG-Daten Herzinsuffizienz und Herzklappenerkrankungen erkennen kann. In einer Studie mit 67.000 US-Patienten identifizierte das System bis zu 81 Prozent der Herzinsuffizienz-FĂ€lle und bis zu 90 Prozent der Herzklappenerkrankungen.

Die Österreichische Kardiologische Gesellschaft stellte unterdessen ein Maßnahmenpaket namens "Neue Big Five" vor, das unter anderem eine Modernisierung der Vorsorgeuntersuchung – zuletzt 2005 ĂŒberarbeitet – sowie ein digitales Herzgesundheitsmanagement vorsieht. Hintergrund ist die Warnung, dass in Österreich alle 15 Minuten ein Mensch an einer Herzerkrankung stirbt.

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RĂŒckschlĂ€ge in der Wirkstoffentwicklung

Nicht alle AnsĂ€tze halten, was sie versprechen: Novartis musste im September 2026 einrĂ€umen, dass der Wirkstoff Pelacarsen zwar den Lp(a)-Wert senkt, in einer Phase-III-Studie mit 8.323 Patienten ĂŒber mehr als 6 Jahre jedoch das primĂ€re Studienziel – die ausreichende Reduktion schwerer Herz-Kreislauf-Ereignisse – verfehlte. Die Aktien von Novartis fielen nachbörslich um mehr als 4 Prozent, jene des Partnerunternehmens Ionis um mehr als 10 Prozent.

Zusammengenommen zeichnen die aktuellen Studien ein Bild, das Atherosklerose als Erkrankung beschreibt, die deutlich frĂŒher im Leben beginnt als bislang angenommen, komplexere Ursachen haben könnte als reine Fettstoffwechselstörungen und zunehmend ĂŒber neue diagnostische Werkzeuge frĂŒher erkennbar wird.

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