Atlas-Hand, GR3

Atlas-Hand GR3: 13 Freiheitsgrade statt 7 beim Vorgänger GR2

Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 08:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die neue Greifhand demonstrierte Werkzeugaufgaben; Hyundai plant Atlas-Einsätze ab 2028 und komplexere Montagen ab 2030.

Boston Dynamics zeigt Atlas-Hand GR3 mit vier Fingern und 13 Freiheitsgraden
Eine saubere Werkbank mit präzisionsgefertigten mechanischen Bauteilen und Sensormodulen in einer Industrieumgebung. Illustration mit AI erstellt.

Am 1. Oktober 2026 hat Boston Dynamics mit der GR3 eine neu entwickelte vierfingrige Hand für seinen humanoiden Roboter Atlas vorgestellt. Zugleich wurden detaillierte Leistungsparameter der zugrundeliegenden Atlas-Plattform bekannt: Die Maschine misst 1,9 Meter in der Höhe, wiegt 90 Kilogramm und verfügt über 56 Freiheitsgrade (DOF).

Das System erreicht eine Reichweite von 2,3 Metern, bietet eine Akkulaufzeit von vier Stunden und ist gemäß Schutzart IP67 gegen Staub und Wasser geschützt.

Für den Einsatz in industriellen Umgebungen ist der Roboter auf einen Temperaturbereich von -20 bis 40 °C ausgelegt. Die Plattform bewältigt kurzzeitige Spitzenlasten von 50 Kilogramm, während die dauerhafte Traglast bei 30 Kilogramm und die einhändige Maximallast bei 20 Kilogramm liegt.

Konstruktion und Kinematik des GR3-Greifers

Die neue GR3-Hand markiert eine deutliche Erweiterung der Manipulationsfähigkeiten gegenüber dem Vorgängermodell GR2. Während der Vorgänger 7 Freiheitsgrade aufwies, besitzt die GR3 insgesamt 13 DOF.

Der Daumen ist mit 4 DOF ausgestattet, während die übrigen drei Finger jeweils 3 DOF nutzen. Auf einen kleinen Finger verzichtet das Design vollständig. Die Hand ist geringfügig größer und kräftiger als eine menschliche Hand konstruiert und trägt Lasten von über 45 Kilogramm.

Bei der Aktorik setzt Boston Dynamics auf einen Direktantrieb mit einem einzigen, vollständig gekapselten Aktuatortyp. Auf fragile Kabel über die Gelenke wurde verzichtet, um die Anfälligkeit für mechanische Schäden zu minimieren.

Zudem gewährleisten rücktreibbare Gelenke (backdrivable) eine erhöhte Haltbarkeit bei Kontakten. Eine dichte Druck-Tastsensorik an den Fingerspitzen sowie auf der Handfläche liefert zusammen mit der internen Propriozeption Messwerte für die Griffanpassung in Echtzeit.

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Begründung für das Vierfinger-Design

Den Verzicht auf den fünften Finger begründete CTO Zack Jackowski damit, dass ein kleiner Finger keine entscheidenden Funktionsvorteile bringe, jedoch zusätzliche Kosten, größeres Bauvolumen und ein höheres Ausfallrisiko verursache.

Das Entwicklungsteam habe vorab praktische Tests durchgeführt, bei denen der kleine Finger an den Nachbarfinger fixiert wurde. Auch Alberto Rodriguez, zuständig für die Verhaltenssteuerung von Atlas, bestätigte, dass Versuche mit immobilisiertem kleinem Finger gezeigt hätten, dass das System ohne Einbußen mit vier Fingern operieren kann.

In Demonstrationen zeigte die Hand das Einspannen eines Bohrer-Bits samt anschließendem Bohren in Holz, das Festziehen einer Mutter mit der Fingerspitze, das Rotieren eines Trommelstocks sowie das Balancieren zweier Golfbälle in der Handfläche.

Als kompatible Werkzeuge nennt der Hersteller unter anderem Bohrer, Hochdrehmoment-Schrauber, Schleifgeräte, Nagelpistolen und Schweißbrenner. Zielbereiche sind die Manipulation innerhalb der Hand (In-Hand-Manipulation), der generelle Werkzeugeinsatz und die Komponentenmontage in der Serienfertigung.

Training per Simulation und industrielle Einsatzpläne

Die Entwicklung erfolgte iterativ über Simulationen, 3D-gedruckte Prototypen und Praxistests. Da die Hand über exakte Kinematik-, Dynamik- und Kontaktmodelle verfügt, lässt sie sich vollständig simulieren. Für das Sim-to-Real-Training via Reinforcement Learning variierte das Team gezielt Parameter wie Reibung, Drehmomente, Objektgeometrien und Störgrößen.

Erste Resultate belegen einen erfolgreichen Transfer dynamischer Bewegungsabläufe in die Praxis. Bislang liegen jedoch keine veröffentlichten Produktionskennzahlen zu Erfolgsraten, Eingriffsraten oder Durchsatz vor, ebenso fehlen statistische Konfidenzintervalle und unabhängige Überprüfungen.

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Der industrielle Einsatz zeichnet sich bereits ab: Der Mutterkonzern Hyundai eröffnete am 21. September 2026 das Robotics Manufacturing Application Center (RMAC) bei der Hyundai Metaplant America in Savannah im US-Bundesstaat Georgia als Trainingszentrum für Realdaten. Ein Einbau der GR3-Hand in die dortigen Roboter ist derzeit noch nicht belegt.

Hyundai plant jedoch, Atlas ab 2028 in der Anlage für die Teileanordnung und ab 2030 für komplexere Montageschritte einzusetzen. Insgesamt planen Hyundai und Kia den Einsatz von 25.000 Atlas-Robotern in weltweiten Werken, wobei Hyundai ein US-Werk bis 2028 mit bis zu 30.000 Robotern pro Jahr ausstatten will.

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