ATT-Reform: Apple muss Tracking-Abfragen innerhalb vier Monaten neutralisieren
Veröffentlicht am: 18.08.2026 um 15:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der US-Technologiekonzern Apple hat weitreichende Anpassungen an seiner Funktion zur App-Tracking-Transparenz (ATT) für Nutzer in Europa angekündigt. Mit diesem Schritt reagiert das Unternehmen auf regulatorische Bedenken von Wettbewerbsbehörden, die eine Benachteiligung von Drittanbietern durch das bisherige System sahen.
Kartellverfahren wird ohne Bußgeld eingestellt
Das Bundeskartellamt hat die von Apple eingereichten Zusagen für bindend erklärt, nachdem das entsprechende Verfahren bereits seit längerer Zeit lief. Die Entscheidung sieht vor, dass Apple die Anpassungen innerhalb eines Zeitraums von vier Monaten umsetzen muss. Im Gegenzug wird das Verfahren ohne die Verhängung einer Geldstrafe eingestellt.
Die getroffenen Vereinbarungen sind für eine Dauer von sieben Jahren gültig. Um die Einhaltung der neuen Vorgaben sicherzustellen, wird der Prozess von einem unabhängigen Treuhänder überwacht. Das Bundeskartellamt hatte dem Konzern zuvor vorgewfen, die ATT-Abfragen so gestaltet zu haben, dass eigene Apps gegenüber Anwendungen von Drittanbietern bevorzugt wurden.
Visuelle und inhaltliche Neutralität der Abfragen
Ein zentraler Bestandteil der Änderungen betrifft die optische und sprachliche Gestaltung der Einwilligungsdialoge. Apple wird das bisherige Warnhand-Symbol sowie den Begriff „Tracking“ aus der Abfrage für Drittanbieter-Apps entfernen. Ziel ist es, diese Abfragen visuell und sprachlich neutraler zu gestalten und sie damit an die Gestaltung der konzerneigenen Abfragen anzugleichen.
Zudem wird die Anordnung der Schaltflächen angepasst: Der Button „Erlauben“ soll künftig oben positioniert werden, während die Option „Verbieten“ im unteren Bereich erscheint. Publisher erhalten darüber hinaus mehr Spielraum bei der Information ihrer Nutzer.
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Der Erklärtext, mit dem Entwickler den Grund für die Datenerhebung erläutern können, wird auf bis zu 4.000 Zeichen erweitert. Zudem wird es App-Betreibern gestattet, die Tracking-Abfrage mit anderen Einwilligungsdialogen zu kombinieren.
Sollte ein Nutzer die Erlaubnis zunächst verweigern, darf das Unternehmen nach Ablauf von zwölf Monaten erneut um eine Tracking-Genehmigung bitten. Die Änderungen sollen in fast allen EU-Mitgliedstaaten umgesetzt werden.
Hintergrund und wirtschaftliche Auswirkungen
Die App-Tracking-Transparenz wurde von Apple bereits im April 2021 eingeführt und ist seit der Betriebssystem-Version iOS 14.5 aktiv. Die Funktion verpflichtet App-Entwickler, eine explizite Erlaubnis der Nutzer einzuholen, bevor deren Daten über verschiedene Apps und Websites hinweg für Werbezwecke nachverfolgt werden können.
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Branchenbeobachtern zufolge hatte die Einführung massive finanzielle Folgen für die Werbebranche. Schätzungen gehen davon aus, dass Social-Media-Apps durch die ATT-Funktion Einnahmeverluste von fast 10 Milliarden US-Dollar verzeichneten.
Während Apple betont, dass es sich bei den nun angekündigten Modifikationen um geringfügige Änderungen handle und der Schutz der Privatsphäre weiterhin oberste Priorität habe, stand das Unternehmen international unter Druck.
In der Vergangenheit hatten bereits andere europäische Behörden durchgegriffen: Frankreich verhängte im März 2025 ein Bußgeld in Höhe von 150 Millionen Euro gegen den Konzern, während Italien im Dezember 2025 eine Strafe von 98,6 Millionen Euro festsetzte. Ähnliche wettbewerbsrechtliche Verfahren werden derzeit noch in Polen, Italien und Frankreich geführt.
