ATTR-CM: Acoramidis senkt kombiniertes Risiko gegenĂĽber Tafamidis um 18 Prozent
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 03:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deIn der Behandlung der Transthyretin-Amyloid-Kardiomyopathie (ATTR-CM) deuten neue Versorgungsdaten auf mögliche Wirksamkeitsunterschiede zwischen verfügbaren TTR-Stabilisatoren hin.
Wie BridgeBio Pharma mitteilte, schnitt der Wirkstoff Acoramidis, der in den USA unter dem Markennamen Attruby und in der Europäischen Union als Beyonttra geführt wird, in einer vergleichenden Real-World-Studie gegenüber dem etablierten Präparat Tafamidis von Pfizer (US-Handelsname Vyndamax) bei mehreren klinischen Endpunkten vorteilhafter ab.
Auswertung der Epic-COSMOS-Datenbank
Die auf der Jahrestagung der Heart Failure Society of America (HFSA) in Phoenix präsentierten Ergebnisse basieren auf Daten aus Epic COSMOS, einer US-amerikanischen Datenbank für elektronische Patientenakten mit mehr als 300 Millionen erfassten Datensätzen. Für die Untersuchung wurden 910 mit Acoramidis behandelte Patienten mit 1.774 Patienten unter einer Tafamidis-Therapie im Wege eines statistischen Matchings verglichen.
In dieser Kohorte war die Behandlung mit Acoramidis mit einem um 18 Prozent geringeren Risiko für den kombinierten primären Endpunkt verbunden. Dieser umfasste Gesamtmortalität, Hospitalisierungen, neu aufgetretenes Vorhofflimmern sowie die Notwendigkeit einer Intensivierung der Diuretika-Therapie.
Bei den einzelnen stationären Aufnahmen zeigte sich für Acoramidis ein um jeweils 27 Prozent niedrigeres Risiko für kardiovaskulär und durch Herzinsuffizienz bedingte Krankenhauseinweisungen.
Die Gesamtzahl der Hospitalisierungen lag um 25 Prozent niedriger. Hinsichtlich der Gesamtmortalität und des Auftretens von Vorhofflimmern waren die Ergebnisse ebenfalls numerisch zugunsten von Acoramidis verschoben, erreichten jedoch keine statistische Signifikanz.
Die neue Auswertung auf Basis von Epic COSMOS zeigt für Acoramidis ein um 18 Prozent geringeres Risiko im kombinierten Endpunkt gegenüber Tafamidis — getragen vor allem vom geringeren Diuretika-Bedarf. Wer die Zahlen für seine ATTR-CM-Patienten einordnen will, findet hier Endpunktdaten, Hazard Ratios und die methodischen Grenzen der Erhebung in einer Übersicht. Kostenlosen Praxisvergleich jetzt anfordern
Differenzierte Endpunkte und Diuretika-Bedarf
Weitere Datenanalysen bestätigen diesen Trend anhand spezifischer Ereignisraten. Ein kombinierter Endpunkt aus Diuretika-Intensivierung, Herzinsuffizienz-Hospitalisierung und Tod trat bei 17,6 Prozent der Patienten unter Acoramidis auf, verglichen mit 26,4 Prozent in der Tafamidis-Gruppe (Hazard Ratio 0,66; 95%-Konfidenzintervall 0,44–0,99; p=0,046).
Besonders ausgeprägt waren die Unterschiede beim Fortschreiten der Herzinsuffizienz-Symptomatik, gemessen am Bedarf an Entwässerungsmedikamenten:
- Eine generelle Intensivierung der Diuretika-Therapie erfolgte bei 11,8 Prozent unter Acoramidis gegenüber 20,5 Prozent unter Tafamidis (Hazard Ratio 0,57; 95%-Konfidenzintervall 0,35–0,92; p=0,021).
- Eine Dosissteigerung oraler Schleifendiuretika betraf 10,0 Prozent in der Acoramidis-Gruppe im Vergleich zu 18,9 Prozent unter Tafamidis (Hazard Ratio 0,52; 95%-Konfidenzintervall 0,31–0,87; p=0,014).
- Bei den reinen Herzinsuffizienz-Hospitalisierungen lag die Rate bei 10,6 Prozent gegenüber 12,3 Prozent (Hazard Ratio 0,90; 95%-Konfidenzintervall 0,53–1,55; p=0,71).
- Die Mortalitätsrate betrug 1,2 Prozent unter Acoramidis gegenüber 2,3 Prozent unter Tafamidis (Hazard Ratio 0,52; 95%-Konfidenzintervall 0,11–2,42; p=0,41).
Eine frühere Analyse von Abrechnungsdaten hatte für Acoramidis bereits eine um 34 Prozent geringere Rate an klinischer Verschlechterung gezeigt. Zudem unterstreicht eine Post-hoc-Analyse der Zulassungsstudie ATTRibute-CM von BridgeBio Pharma die prognostische Relevanz vermiedener Klinikaufenthalte: Das Mortalitätsrisiko verdoppelte sich nach einer ersten kardiovaskulären Hospitalisierung in etwa und vervierfachte sich nach zwei oder mehr Einweisungen. In dieser Studie hatte Acoramidis die annualisierte Hospitalisierungsfrequenz bis Monat 30 gegenüber Placebo um 50 Prozent gesenkt.
Methodische Einschränkungen der Versorgungsforschung
Trotz der beobachteten Unterschiede verweisen Experten auf methodische Limitationen der aktuellen Real-World-Erhebung. Da es sich um Analysen von Abrechnungs- und Registerdaten handelt, fehlten teils detaillierte klinische Verlaufsparameter.
Bei ATTR-CM entscheidet oft der Diuretika-Bedarf über die stationäre Einweisung: In der gematchten Kohorte stiegen orale Schleifendiuretika bei 10,0 Prozent unter Acoramidis gegenüber 18,9 Prozent unter Tafamidis (HR 0,52). Der Leitfaden zeigt, wie Sie solche Signale bewerten, ohne Registerdaten mit randomisierten Daten zu verwechseln. Leitfaden zur Studienbewertung sichern
Zudem lag die maximale Nachbeobachtungszeit bei lediglich etwa acht Monaten, und die Zuteilung der Therapien erfolgte nicht randomisiert, weshalb Selektionseffekte im Praxisalltag nicht vollständig ausgeschlossen werden können.
