ATTR-CM: Vorhofmessung zeigt mehr als dreifach erhöhtes Schlaganfallrisiko
Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 20:00 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie kardiale Transthyretin-Amyloidose (ATTR-CM) stellt die kardiologische Diagnostik seit Jahren vor komplexe Herausforderungen. Bei dieser Form der Herzmuskelerkrankung führen pathologische Ablagerungen von fehlgefalteten Transthyretin-Proteinen zu einer fortschreitenden Versteifung des Myokards, was die Füllungsphase des Herzens massiv beeinträchtigt und schwere Herzinsuffizienzen begünstigen kann.
Ein wesentlicher Gefahrenpunkt für Betroffene bleibt das Entstehen von Thromboembolien. Untersuchungen des U.K. National Amyloidosis Centre unter der Leitung von Dr. Aldostefano Porcari, die auf den AHA Scientific Sessions 2025 vorgestellt wurden, zeigen nun, wie eine verfeinerte Vorhofdiagnostik verdeckte Risiken früher sichtbar machen kann.
Nicht-invasive Erfassung der Vorhoffunktion
Im Zentrum der wissenschaftlichen Arbeit steht der Einsatz eines nicht-invasiven Instruments auf der Basis von Speckle-Tracking-Strain-Echokardiographie. Mit dieser Ultraschallmethode lässt sich die Verformung und Funktion des Vorhofgewebes präzise quantifizieren. Die Forscher nutzten das Verfahren, um gezielt die mechanische Aktivität der Vorhöfe bei Menschen mit ATTR-CM zu analysieren.
Aus der Auswertung der Daten von über 2.300 Patientinnen und Patienten mit ATTR-CM ging hervor, dass eine verminderte oder schlechte Kontraktionsfähigkeit des Vorhofs direkt mit einem stark gesteigerten Gefäßrisiko verknüpft ist.
Personen mit einer solchen Funktionseinschränkung wiesen ein mehr als dreifach erhöhtes Risiko für einen ischämischen Schlaganfall oder eine transitorische ischämische Attacke (TIA) auf, verglichen mit Erkrankten, deren Vorhoffunktion weitgehend erhalten war.
Konsistente Muster über Stadien und Subtypen
Ein zentraler Befund der Untersuchung ist die Stabilität dieses Zusammenhangs. Das erhöhte Risiko zeigte sich über verschiedene Krankheitsstadien hinweg konsistent. Ebenso ließ sich das Phänomen unabhängig von den genetischen Subtypen der Erkrankung beobachten – es betrifft somit sowohl erbliche Formen als auch die nicht-hereditäre Wildtyp-Variante der Amyloidose.
Die Auswertung von über 2.300 ATTR-CM-Patienten zeigt: Eine eingeschränkte Vorhofkontraktion geht mit mehr als dreifach erhöhtem Schlaganfall- oder TIA-Risiko einher — konsistent über Stadien und Subtypen. Der kostenlose Praxisleitfaden erklärt in 3 Schritten, wie Sie die Vorhoffunktion erfassen und die Antikoagulation strukturiert abwägen. Kostenlosen Praxisleitfaden anfordern
In der Praxis könnte diese Erkenntnis direkte therapeutische Konsequenzen nach sich ziehen. Bislang richtet sich die Entscheidung über eine medikamentöse Gerinnungshemmung häufig nach klassischen Parametern oder dem Auftreten von Vorhofflimmern.
Eine differenzierte Erfassung der mechanischen Vorhoffunktion könnte künftig als Entscheidungshilfe dienen, um eine Antikoagulation früher einzuleiten. Dabei muss der potenzielle Nutzen gegen das individuelle Blutungsrisiko der Patientengruppe sorgfältig abgewogen werden.
Methodische Grenzen und weiterer Forschungsbedarf
Trotz der deutlichen Risikounterschiede weist das U.K. National Amyloidosis Centre auf methodische Limitationen hin. Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, liefert die Analyse keinen direkten kausalen Nachweis für den Mechanismus der Thrombenbildung.
Bislang richtet sich die Entscheidung über eine Gerinnungshemmung häufig nach Vorhofflimmern — doch subklinische Vorhofveränderungen bleiben dabei oft unentdeckt. Die Checkliste zur Risikoabwägung hilft Ihnen, Nutzen und Blutungsrisiko bei ATTR-CM nachvollziehbar zu prüfen, bevor ein Ereignis eintritt. Checkliste Risikoabwägung jetzt sichern
Zudem ist die spezifische Speckle-Tracking-Strain-Echokardiographie zur Vorhofbeurteilung in der klinischen Routineversorgung derzeit noch nicht flächendeckend verfügbar. Um den Nutzen des Instruments verlässlich in Behandlungsleitlinien zu verankern, sind nach Einschätzung der Forscher weitere Validierungen in größeren, diversifizierten Patientenpopulationen erforderlich.
Bis dahin bleibt das Verfahren vor allem ein wichtiges Signal für die Notwendigkeit, subklinische Gewebeveränderungen bei Speichererkrankungen des Herzens frühzeitig aufzuspüren.
