Audi in Ingolstadt: Drei humanoide Roboter testen Teile für die Montage
Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 10:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer Automobilhersteller Audi hat am 21. Oktober 2026 auf der Konferenz Nvidia GTC in Berlin ein Pilotprojekt zur Automatisierung logistischer Prozesse angekündigt. Im Rahmen eines sogenannten Proof of Concept erprobt das Unternehmen den Einsatz von künstlicher Intelligenz und mobilen humanoiden Robotern für die Teile-Sequenzierung am Standort Ingolstadt.
Das Projekt wird in Kooperation mit den Technologiepartnern Agile Robots, Dassault Systèmes und Nvidia durchgeführt. Der Roboterhersteller Kuka ist an dem Vorhaben nicht beteiligt.
Automatisierung im Production Lab Ingolstadt
Die Sequenzierung von Bauteilen im Werk Ingolstadt umfasst täglich rund eine Million Zugriffe, um die Endmontage nach dem Just-in-time-Prinzip zu versorgen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Teilebereitstellung für Premiumfahrzeuge. Humanoide Roboter sollen Bauteile aus unsortierten oder gemischten Behältern greifen und in der korrekten Montagereihenfolge auf Sequenzwagen ablegen.
Bei den Testsystemen handelt es sich um Roboter mit zwei Armen und KI-gestützter optischer Wahrnehmung, die auf einer mobilen Radplattform montiert sind. Sie sind auf das Hantieren mit variantenreichen und halbflexiblen Bauteilen ausgelegt.
Das Vorhaben wird im Ingolstädter Production Lab erprobt. Es handelt sich um eine laufende Machbarkeitsstudie und ausdrücklich nicht um den regulären Flotteneinsatz oder einen Produktions-Rollout. Erste Tests fanden im Frühjahr 2025 statt, woran sich im Sommer 2025 eine vertiefte technische Entwicklungsphase anschloss.
Derzeit befinden sich drei Roboter im Einsatz. Gerd Walker, Produktionsvorstand bei Audi, bezeichnete die Verbindung von industrieller Fachexpertise mit künstlicher Intelligenz als entscheidenden Hebel für Produktivitätssteigerungen. Die genauen Anforderungen an die Systeme werden von Logistikfachleuten aus der Audi-Lieferkette festgelegt.
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Digitale Simulation und KI-gestützte Planung
Vor einer breiteren Implementierung wird die Machbarkeit über einen digitalen Zwilling der Logistikumgebung geprüft. Die Simulation basiert auf der Plattform Dassault DELMIA (3DEXPERIENCE) und Nvidia Omniverse.
Das System soll Taktzeiten, Durchlaufzeiten, Sicherheitsaspekte und ergonomische Bedingungen vorab virtuell analysieren. Ergänzend soll der KI-Assistent LEO künftig Planungszeiten von mehreren Monaten auf wenige Tage verkürzen. Durch konkrete Testergebnisse ist eine solche Zeiteinsparung bislang allerdings nicht belegt.
Technische Basis und offene Leistungsparameter
Als Referenzplattform für die Entwicklung dient der Forschungsroboter Agile ONE SN des Münchner Unternehmens Agile Robots. Das 2018 gegründete Unternehmen hat weltweit bereits über 20.000 Robotiklösungen installiert, wobei sich diese Zahl auf das gesamte Produktsortiment bezieht und nicht auf Humanoide oder das Audi-Projekt.
Der Agile ONE SN ist 1,40 Meter groß, wiegt 40 Kilogramm, besitzt 31 Freiheitsgrade und trägt pro Arm bis zu drei Kilogramm Last. Zur Ausstattung gehören Fünf-Finger-Hände, Kameras, LiDAR-Sensoren sowie der Rechenbaustein Nvidia Jetson Thor. Die Plattform ist für die Software Nvidia Isaac GR00T vorkonfiguriert und soll laut Nvidia Anfang 2027 verfügbar sein.
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Eine Sicherheitszertifizierung liegt derzeit nicht vor; die Integration der Nvidia-Halos-Sicherheitstechnik wird derzeit geprüft. Die erprobten Fähigkeiten sollen später auf das Serienmodell Agile ONE übertragen werden. Auf dem Invest in Germany Summit stellte Nvidia-Chef Jensen Huang zudem einen geplanten Einstieg von Nvidia bei Agile Robots in Aussicht.
Zu Durchsatz, Taktzeiten, Erfolgs- und Schadensraten, Systemverfügbarkeit, menschlichen Eingriffsraten, Kosten pro Aufgabe oder einem konkreten Einführungsdatum machte Audi bislang keine Angaben. Ein festes Enddatum für das Projekt ist nicht festgelegt.
Ein Einstieg in die Serienproduktion soll bei entsprechendem wirtschaftlichem Ertrag erfolgen. Bei einem erfolgreichen Abschluss des Vorhabens plant Audi, künftig auch zweibeinige humanoide Roboter direkt neben dem Werkspersonal in Montage und Produktion einzusetzen.
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