Aufbissschienen in Schwaben: Verordnungen steigen um 9,9 Prozent
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 13:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Zahl der Verordnungen fĂŒr Aufbissschienen ist in den ersten sieben Monaten des Jahres 2026 deutlich gestiegen. Wie aus Daten der AOK Bayern hervorgeht, verzeichnete insbesondere der Regierungsbezirk Schwaben einen signifikanten Zuwachs.
Dort lag die Zahl der verschriebenen Schienen im Zeitraum von Januar bis Juli 2026 um 9,9 Prozent ĂŒber dem Niveau des Vorjahreszeitraums. FĂŒr ganz Bayern meldete die Krankenkasse in diesem Zeitraum ein Plus von 6,1 Prozent bei den Versicherten.
Medizinische Einordnung und interdisziplinÀre AnsÀtze
Fachleute fĂŒhren die steigenden Zahlen unter anderem auf eine hohe Belastung der Kiefermuskulatur zurĂŒck. Die ZahnĂ€rztin und Osteopathin Dr. Michaela Brandner aus Berchtesgaden wies darauf hin, dass rund 80 Prozent der Patienten unter einer sogenannten Myopathie, also einer Erkrankung der Muskulatur, litten.
In der medizinischen Diagnostik wird dabei zwischen Arthropathie, Myopathie und Okklusopathie unterschieden, wobei oft eine interdisziplinÀre Behandlung notwendig sei, um die verschiedenen Ursachen der Beschwerden zu adressieren.
Ein zentraler Faktor fĂŒr Kieferprobleme ist der sogenannte Bruxismus, das Knirschen oder Pressen der ZĂ€hne. Hierbei wird zwischen Wach- und Schlafbruxismus differenziert. WĂ€hrend Ersterer hĂ€ufig durch emotionalen Stress ausgelöst wird, erfordert das ZĂ€hneknirschen im Schlaf oft eine umfassende körperliche AbklĂ€rung.
FachĂŒbergreifende Beratung und Kostenkritik
Um Patienten bei der BewĂ€ltigung dieser Beschwerden zu unterstĂŒtzen, existieren spezialisierte Angebote wie die Berliner Beratungsstelle âSeele und ZĂ€hneâ. Es handelt sich dabei um das bundesweit erste fachĂŒbergreifende Beratungsangebot dieser Art.
In Schwaben sind die Verordnungen fĂŒr Aufbissschienen in den ersten sieben Monaten des Jahres 2026 um 9,9 Prozent gestiegen â in ganz Bayern um 6,1 Prozent. Fachleute fĂŒhren das unter anderem auf eine hohe Belastung der Kiefermuskulatur zurĂŒck. Unser kostenloser Ratgeber zeigt Ihnen in drei Schritten, wann Sie bei Kieferknacken, Kopfschmerzen oder Knirschen zum Zahnarzt sollten und wie Sie eine ĂŒberteuerte Schiene vermeiden. Kostenlosen Kiefer-Ratgeber jetzt anfordern
Die Psychotherapeutin Hilde Urnauer, die dort seit 20 Jahren beratend tĂ€tig ist, betonte die Bedeutung der psychologischen Komponente. Gleichzeitig warnte sie vor der Verschreibung ĂŒbermĂ€Ăig teurer technischer Schienen, die sie kritisch als GeschĂ€ftemacherei einstufte.
Symptome und Therapiemöglichkeiten
Kiefergelenkbeschwerden und Bruxismus können sich durch eine Vielzahl von Symptomen Ă€uĂern. Betroffene berichten hĂ€ufig von Schmerzen beim Kauen oder GĂ€hnen sowie von Verspannungen der Kaumuskulatur. Auch ein Knacken oder Reiben im Kiefergelenk, Kopf- und Gesichtsschmerzen oder eine eingeschrĂ€nkte Mundöffnung sind typische Anzeichen. Langfristig fĂŒhrt das Knirschen und Pressen oft zu empfindlichen oder deutlich abgeschliffenen ZĂ€hnen.
Ein Zahnarztbesuch ist insbesondere dann ratsam, wenn Kieferschmerzen wiederkehrend auftreten, ein deutliches Knirschen bemerkt wird oder die Unterkieferbeweglichkeit eingeschrÀnkt ist. Auch morgendliche Kopfschmerzen oder ein verspannter Kiefer nach dem Aufwachen gelten als Warnsignale.
NĂ€chtliches ZĂ€hneknirschen bleibt oft jahrelang unbemerkt â bis ZĂ€hne empfindlich werden oder morgens der Kiefer verspannt ist. WĂ€hrend Wachbruxismus hĂ€ufig durch emotionalen Stress ausgelöst wird, erfordert Knirschen im Schlaf oft eine umfassende körperliche AbklĂ€rung. Unser kostenloser Ratgeber erklĂ€rt, welche Warnsignale Sie ernst nehmen sollten und welche Behandlungswege neben der Schiene zur VerfĂŒgung stehen. Warnsignale im Ratgeber nachlesen
Die zahnĂ€rztliche Behandlung setzt hĂ€ufig auf individuell angefertigte Aufbissschienen. Diese dienen dazu, die ZĂ€hne zu schĂŒtzen und die wirkenden KrĂ€fte gleichmĂ€Ăiger zu verteilen. Die Tragedauer richtet sich dabei nach dem individuellen Befund.
Neben der Schienentherapie stehen weitere Optionen zur VerfĂŒgung, darunter die Funktionsdiagnostik, die Anpassung von FĂŒllungen oder Zahnersatz sowie begleitende Physiotherapie. Da Stress als möglicher Faktor gilt, werden zudem EntspannungsĂŒbungen im Rahmen eines interdisziplinĂ€ren Behandlungsansatzes empfohlen.
