Globale Studie: Vier von zehn KrebstodesfÀllen vermeidbar
25.09.2025 - 04:30:44Die Zahl der weltweiten Krebsneuerkrankungen wird sich einem groĂen Report zufolge bis Mitte des Jahrhunderts stark erhöhen. Sie steige von 18,5 Millionen FĂ€llen 2023 auf 30,5 Millionen 2050, schreibt ein Team im Fachjournal «The Lancet». Allerdings hat das hauptsĂ€chlich mit der Alterung der Gesellschaften zu tun, denn Ă€ltere Menschen sind anfĂ€lliger fĂŒr Krebs. Wird mit einer standardisierten Altersstruktur gerechnet, sinkt die relative HĂ€ufigkeit von 2024 bis 2050 um 5,7 Prozent.Â
Fast 42 Prozent der 10,4 Millionen KrebstodesfĂ€lle im Jahr 2023 gehen auf Faktoren zurĂŒck, die potenziell verĂ€ndert werden können, berichtet die internationale Forschungsgruppe um Lisa Force von der University of Washington in Seattle (US-Staat Washington). Die Forschenden nutzten das Rahmenwerk des Projekts «Global Burden of Disease» (weltweite Krankheitslast), um SchĂ€tzungen fĂŒr den Zeitraum 1990 bis 2023. Sie erstellten zudem eine Prognose fĂŒr die weitere Entwicklung von 2024 bis 2050.
Besonders in armen LĂ€ndern stieg die Zahl der Neuerkrankungen
Die Entwicklung war bislang weltweit sehr unterschiedlich: Im Zeitraum 1990 bis 2023 sank die altersstandardisierte Zahl der Krebsneuerkrankungen in LĂ€ndern mit hohem Einkommen um 3,4 Prozent, in LĂ€ndern mit höherem mittlerem Einkommen um 8,8 Prozent. Im Gegensatz dazu erhöhte sich die Zahl der FĂ€lle in LĂ€ndern mit niedrigerem mittlerem Einkommen um 28,6 Prozent und in LĂ€ndern mit niedrigem Einkommen um 23,6 Prozent.Â
«Krebs trĂ€gt weiterhin erheblich zur globalen Krankheitslast bei und unsere Studie zeigt, dass er in den kommenden Jahrzehnten voraussichtlich erheblich zunehmen wird, mit einem ĂŒberproportionalen Wachstum in LĂ€ndern mit begrenzten Ressourcen», sagte Force.
Der gröĂte Risikofaktor, der verĂ€ndert werden kann, ist in den meisten LĂ€ndern der Tabak-Konsum, dem 21,4 Prozent der TodesfĂ€lle durch Krebs zugeordnet wurden. In LĂ€ndern mit niedrigem Einkommen birgt ungeschĂŒtzter Sex das gröĂte Risiko, vor allem weil dabei Humane Papillomviren (HPV) ĂŒbertragen werden können, die GebĂ€rmutterhalskrebs verursachen.
In Deutschland empfiehlt die StĂ€ndige Impfkommission (Stiko) die HPV-Impfung fĂŒr MĂ€dchen und Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren. Nach einer kĂŒrzlich im Fachblatt «Eurosurveillance» erschienenen Studie ist die Impfung gegen HPV sehr effektiv.Â
Sterberate in Deutschland gesunken
In Deutschland fĂŒhren die folgenden fĂŒnf Krebsarten geschlechterĂŒbergreifend am hĂ€ufigsten zum Tod: Lungenkrebs, Darmkrebs, Brustkrebs, BauchspeicheldrĂŒsenkrebs und Prostatakrebs. Von 1990 bis 2023 ist die altersstandardisierte Anzahl der Krebsneuerkrankungen pro Jahr laut Studie zwar um 3,3 Prozent gestiegen, von einer Inzidenz von 317,4 FĂ€llen auf 100.000 Einwohner auf 328 FĂ€lle. Doch die Sterberate hat sich in dieser Zeit um 24,9 Prozent verringert. In diesem RĂŒckgang schlagen sich die verbesserten Vorsorge- und Behandlungsmöglichkeiten in Deutschland nieder.
In einem Kommentar, ebenfalls in «The Lancet», nennen Qingwei Luo und David Smith von der University of Sydney, als gröĂte StĂ€rke der Studie den umfassenden globalen Ansatz und die systematische Analyse. Als SchwĂ€che werten sie die mangelnde DatenqualitĂ€t und -verfĂŒgbarkeit in vielen LĂ€ndern.
«Vier von zehn KrebstodesfĂ€llen sind auf etablierte Risikofaktoren, wie Tabakkonsum, schlechte ErnĂ€hrung und hohen Blutzucker, zurĂŒckzufĂŒhren; daher bieten sich den LĂ€ndern enorme Möglichkeiten, diese Risikofaktoren gezielt zu bekĂ€mpfen, Krebserkrankungen vorzubeugen und Leben zu retten», sagt Co-Autor Theo Vos, Emeritus der University of Washington.













