Aufmerksamkeit, Entzündung

Aufmerksamkeit und Entzündung: Konzentration halbiert Hautreaktion

Veröffentlicht am: 19.08.2026 um 07:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue Forschung zeigt: Gezielte Konzentration kann allergische Hautentzündungen messbar abschwächen. Die Ergebnisse deuten auf eine aktive Gehirn-Immunsystem-Kommunikation hin.

Studie: Bewusste Aufmerksamkeit reduziert allergische Hautreaktionen
Nahaufnahme eines Unterarms mit einer kleinen, schwachen Hautreizung bei natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Kann bewusste Konzentration eine allergische Hautreaktion abschwächen? Eine im August 2026 in der Fachzeitschrift Nature Human Behaviour veröffentlichte Studie von Forschenden der Bar-Ilan-Universität und des Emek Medical Center legt genau das nahe. Die Arbeit von Mizrachi, Rottem und Rozenkrantz untersuchte, wie sich gerichtete Aufmerksamkeit auf körperliche Entzündungsreaktionen auswirkt – mit auffälligen Ergebnissen.

Weniger Schwellung und Rötung bei bewusster Aufmerksamkeit

Im Zentrum der Untersuchung standen 57 gesunde Erwachsene, die in drei Experimenten einem Histamin-Pricktest unterzogen wurden – einer Standardmethode, um allergische Hautreaktionen auszulösen. Richteten die Teilnehmenden ihre bewusste Aufmerksamkeit auf die betroffene Hautstelle, fiel die Entzündungsreaktion bei rund 90 Prozent von ihnen schwächer aus als bei Ablenkung.

Konkret maßen die Forschenden eine Quaddelgröße von 3,5 Millimetern bei bewusster Aufmerksamkeit gegenüber 5,0 Millimetern bei Ablenkung. Auch die Rötung fiel geringer aus: 10,6 gegenüber 14,0 Millimetern nach 20 Minuten. Insgesamt war die Entzündungsreaktion bei bewusster Aufmerksamkeit den Angaben zufolge etwa 1,5-mal schwächer als bei Ablenkung.

Bemerkenswert ist zudem die Geschwindigkeit des Effekts: Erste Veränderungen zeigten sich den Forschenden zufolge bereits innerhalb von 30 Sekunden. Auch die Rückbildung der Reaktion verlief unterschiedlich schnell – bei rund 90 Prozent der Teilnehmenden ging die Schwellung bei bewusster Aufmerksamkeit rascher zurück, verglichen mit nur 46 Prozent bei Ablenkung.

Effekt bleibt teilweise auch bei betäubter Haut bestehen

Um herauszufinden, ob der Effekt allein auf dem bewussten Wahrnehmen körperlicher Empfindungen beruht, testeten die Forschenden die Reaktion zusätzlich an lokal betäubter Haut, etwa mittels Lidocain.

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Auch hier zeigte sich ein – wenn auch abgeschwächter – Effekt. Das deutet darauf hin, dass nicht allein das sensorische Feedback der Haut für die Abschwächung der Entzündung verantwortlich ist, sondern ein weiterer, übergeordneter Mechanismus eine Rolle spielt.

Zwei mögliche Mechanismen im Zusammenspiel

Die Studienautoren beschreiben zwei parallele Wirkwege: Zum einen ein sensorisches Feedback aus der beobachteten Körperregion, zum anderen eine top-down-gesteuerte Regulation durch das Gehirn selbst.

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Als physiologisches Korrelat identifizierten die Forschenden dabei eine erhöhte Herzratenvariabilität, die auf eine stärkere Aktivität des parasympathischen Nervensystems hindeutet – jenes Teils des vegetativen Nervensystems, der Erholungs- und Regenerationsprozesse steuert.

Die Autoren werten die Befunde als Beleg für eine bidirektionale Kommunikation zwischen Gehirn und Immunsystem: Das Gehirn nimmt demnach nicht nur Signale des Immunsystems wahr, sondern kann aktiv auf dessen Reaktionen einwirken.

Einschränkungen der Studie

Die Forschenden weisen selbst auf die Grenzen ihrer Untersuchung hin. Da ausschließlich gesunde Erwachsene und eine akute, experimentell ausgelöste Entzündungsreaktion untersucht wurden, lässt sich aus den Daten keine Aussage darüber ableiten, ob sich der beobachtete Effekt auch auf chronische Entzündungsprozesse übertragen lässt.

Ob Aufmerksamkeitslenkung etwa bei langwierigen entzündlichen Erkrankungen therapeutisch nutzbar wäre, bleibt damit vorerst offen. Die Ergebnisse liefern dennoch einen Ansatzpunkt für weitere Forschung zur Frage, wie mentale Prozesse körperliche Immunreaktionen beeinflussen können.

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