Augenscreening und Hautanalyse bei dm - Kritik und Skepsis
04.09.2025 - 05:30:55 | dpa.deAugenscreening, KI-gestĂŒtzte Hautanalyse und ein Online-Hautarzt sowie Blutanalysen - irgendwo zwischen Shampoo, Windeln und Lippenstift. Die Drogeriemarktkette dm testet seit Kurzem in ausgewĂ€hlten Filialen neue Gesundheitsdienstleistungen. Und stöĂt damit auf Kritik.
Was bietet dm an?
Beim Augenscreening geht es nach Angaben des Karlsruher Unternehmens um eine Netzhautfotografie und einen Sehtest. Im Angebot zur Hautanalyse ist unter anderem ein Online-GesprĂ€ch mit FachĂ€rzten oder -Ă€rztinnen enthalten. Und das Blut kann auf verschiedene Aspekte untersucht werden wie Herz-Kreislauf- oder Diabetes-Risiken. DafĂŒr arbeitet dm jeweils mit Partnerfirmen zusammen. Bis auf die KI-gestĂŒtzte Hautanalyse kosten alle Angebote Geld - Sehtest und Netzhautfotografie zum Beispiel zusammen 14,95 Euro.
Was kritisieren ĂrzteverbĂ€nde daran?
Der Berufsverband der AugenĂ€rzte Deutschlands (BVA) und der Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD) haben eine ganze Reihe an Kritikpunkten veröffentlicht. Unter anderem monieren sie, dass fachliche Standards nicht eingehalten wĂŒrden. Vor allem der Einsatz von KĂŒnstlicher Intelligenz (KI) sei mit Vorsicht zu genieĂen. BVDD-PrĂ€sident Ralph von Kiedrowski hat den Angaben nach einen Selbstversuch gemacht - und eine falsche «Diagnose» bekommen. Zudem Empfehlungen fĂŒr mehrere dm-Produkte, wie er kritisiert.Â
«Eine nicht unerhebliche Anzahl an Patientinnen und Patienten, die Online-Hautchecks nutzen, können gar nicht abschlieĂend rein digital versorgt werden», erklĂ€rt Kiedrowski weiter. Als Beispiel nennt er Muttermale mit Verdacht auf schwarzen Hautkrebs. «Hier reichen Fotos zur Beurteilung keinesfalls aus und unterschreiten den fachĂ€rztlichen Standard.» Ăhnliche Kritik ĂŒbt der BVA. Er sieht auch einen «preislichen Unterbietungswettbewerb».Â
Zudem fĂŒrchten die VerbĂ€nde, dass die Wartezimmer in Praxen voller werden könnten. SpĂ€testens, wenn die Menschen auffĂ€llige Ergebnisse erhalten, könne nur noch die Untersuchung einer AugenĂ€rztin oder eines Augenarztes Klarheit schaffen, teilt der BVA mit. «Kundinnen und Kunden mit fehlerhaft auffĂ€lligen Befunden könnten verunsichert sein und dadurch zusĂ€tzliche Termine in den Augenarztpraxen in Anspruch nehmen, die fĂŒr andere Patienten wichtiger sein könnten», warnt der 1. BVA-Vorsitzende Daniel Pleger.
Was entgegnet dm?
Das Karlsruher Unternehmen betont, dass es sich etwa bei der KI-gestĂŒtzten Hautanalyse nicht um medizinische Untersuchungen oder Diagnosen handle. Darauf wĂŒrden Kundinnen und Kunden transparent hingewiesen, erklĂ€rt Sebastian Bayer, dm-GeschĂ€ftsfĂŒhrer im Ressort Marketing + Beschaffung. Die telemedizinische Behandlung hingegen werde «ausschlieĂlich von erfahrenen FachĂ€rztinnen und FachĂ€rzten fĂŒr Dermatologie durchgefĂŒhrt â vergleichbar mit einer regulĂ€ren Hautarztpraxis». Sollte der Verdacht auf eine ernsthafte oder bösartige Hauterkrankung bestehen, verwiesen sie in die Versorgung vor Ort.
Auch die Netzhautaufnahmen prĂŒften FachĂ€rztinnen beziehungsweise FachĂ€rzte fĂŒr Augenheilkunde. «Diese Ă€rztliche PrĂŒfung garantiert eine qualitĂ€tsgesicherte Auswertung und gewĂ€hrleistet die Einhaltung höchster fachlicher Standards.» So sollten auch die von der KI erkannten AuffĂ€lligkeiten korrekt eingeordnet werden. Auch hierbei wĂŒrden Kundinnen und Kunden informiert, dass das Angebot keine fachĂ€rztliche Untersuchung ersetzen solle.
Bayer verweist unter anderem auf volle Praxen und monatelange Wartezeiten. «Das Ziel ist es, Patientinnen und Patienten frĂŒhzeitig eine fachĂ€rztliche EinschĂ€tzung zu ermöglichen und sie gezielt an die richtige Stelle weiterzuleiten â als ergĂ€nzende Orientierung, nicht als Ersatz fĂŒr die persönliche Untersuchung», erlĂ€utert der GeschĂ€ftsfĂŒhrer.
Wie sehen VerbraucherschĂŒtzer das Thema?
Ebenfalls kritisch. Zwar belebe Wettbewerb das GeschĂ€ft, sagt Peter Grieble, Leiter der Abteilung Versicherungen, Pflege, Gesundheit bei der Verbraucherzentrale Baden-WĂŒrttemberg. Er vergleicht die dm-Angebote mit den sogenannten Igel-Leistungen, also Ă€rztliche Zusatzleistungen, die ĂŒber den Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenkassen hinausgehen.
Entscheidend sei dabei der Rahmen, betont Grieble. Schon die Werbung mĂŒsse deutlich machen, was ein Angebot leisten kann, wie eingeschrĂ€nkt es sei und dass es beispielsweise nicht dem entspreche, was ein Augenarzt leisten könne. «Das muss in der Darstellung klar werden.» Und hier habe er Zweifel, wie das - den Anforderungen entsprechend - umgesetzt werden könne.
Ein Problem sieht er auch beim individuellen Umgang mit möglichen Patienten und Patientinnen. Deren Bedarf mĂŒsste vorab geklĂ€rt werden. Dazu zĂ€hlt nach seinen AusfĂŒhrungen, wie jemand mit einer womöglich kritischen Diagnose umgeht, ob er sie ĂŒberhaupt wissen möchte. Eine weitere Frage sei, wie valide die Ergebnisse sind. «Was da rauskommt, muss stimmen», betont Grieble.
Sein Rat: «Je gesundheitsrelevanter eine Thematik ist, desto mehr ist sie beim Arzt angesiedelt.» Die Frage, ob fĂŒr die eigene Haut die frei verkĂ€ufliche Creme A oder B besser ist, sei in der Regel nicht mit Gesundheitsrisiken verbunden. Eine Krebsdiagnose «ist aber nichts, das man en passant machen kann».
Planen andere Drogerieketten Àhnliches?
So weit wie dm gehen andere Drogeriemarktketten in Deutschland nicht. Der Handelskonzern MĂŒller hatte im Juli mitgeteilt, «als Antwort auf den Megatrend Gesundheit» eine «Gesundheitswelt» als Shop-in-Shop-Konzept einzufĂŒhren. Auf bis zu 120 Quadratmetern VerkaufsflĂ€che solle ein Sortiment rund um Themen wie Apothekenkosmetik, Naturheilkunde und NahrungsergĂ€nzung zusammengestellt werden. Samt Beratungstischen und KI-basiertem Beratungstool mit interaktivem Chat und Produktempfehlungen.
Rossmann teilte auf Anfrage lediglich mit, alle Entwicklungen im Bereich Gesundheitsleistungen sehr aufmerksam zu beobachten. «Zu möglichen zukĂŒnftigen MaĂnahmen oder Planungen geben wir jedoch keine Auskunft.»
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