Ausbildungsreport 2026: 50,6 Prozent der Azubis fĂŒhlen sich psychisch belastet
Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 17:23 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Integration von emotionaler Resilienz, Entschleunigung und psychischem Wohlbefinden in Bildungsprogramme gewinnt zunehmend an Bedeutung. Angesichts wachsender Leistungsanforderungen in Schulen und Ausbildungseinrichtungen fordern Fachkreise, mentale Ausgeglichenheit als festen Bestandteil in akademische LehrplĂ€ne einzubetten, um chronischer Ăberlastung frĂŒhzeitig vorzubeugen.
Wachsender Leistungsdruck von der Sekundarstufe bis zur Ausbildung
Aktuelle Untersuchungen verdeutlichen die Belastungen, denen Heranwachsende im Bildungssystem ausgesetzt sind. Eine Untersuchung der UniversitĂ€t Freiburg begleitete 162 SchĂŒlerinnen und SchĂŒler mit einem Durchschnittsalter von knapp zwölf Jahren wĂ€hrend des Ăbertritts von der Primar- in die Sekundarschule.
Die Daten zeigen, dass das Risiko fĂŒr ein sogenanntes Schul-Burnout nach dem Stufenwechsel signifikant ansteigt. Besonders ausgeprĂ€gt war dieser Effekt in der höchsten Leistungsstufe.
Zu den festgestellten Symptomen zĂ€hlten Erschöpfung, Kopf- und Bauchschmerzen, Schlafprobleme sowie Zynismus. Zugleich zeigte sich, dass die soziale UnterstĂŒtzung durch LehrkrĂ€fte einen messbaren Schutzfaktor darstellt.
Praktiker aus der Jugendhilfe und Schulsozialarbeit bestĂ€tigen diese Entwicklung. RenĂ© Keller von Visenti Aargau verzeichnet fĂŒr die vergangenen fĂŒnf Jahre eine Zunahme von ErschöpfungszustĂ€nden, sozialem RĂŒckzug und Fehlzeiten. Auch Sandra Geissler von der Schulsozialarbeit der Stadt Bern berichtet, dass sich schulischer Stress bei Jugendlichen vermehrt durch RĂŒckzug, Fehlzeiten und Schulabsentismus Ă€uĂert.
Der Druck setzt sich beim Eintritt in das Berufsleben fort. Laut dem Ausbildungsreport 2026 des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), fĂŒr den 13.227 Auszubildende in den 25 am stĂ€rksten besetzten dualen Ausbildungsberufen befragt wurden, fĂŒhlen sich 50,6 Prozent der Auszubildenden psychisch belastet.
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Zudem gaben 41,7 Prozent der belasteten Auszubildenden an, niemanden zu haben, mit dem sie ĂŒber ihre Situation sprechen können. Lediglich knapp ein Drittel findet entsprechende UnterstĂŒtzung im betrieblichen Umfeld. Als wesentliche Treiber der Belastung werden Zeit- und Leistungsdruck, Personalmangel, hohe Verantwortung sowie finanzielle Sorgen und die Wohnsituation genannt.
BildungsansĂ€tze fĂŒr mentale StĂ€rke und physiologische Erholung
Als Antwort auf diese Belastungen setzen Schulentwickler auf reformpÀdagogische AnsÀtze und Bewegung. Das Konzept der Alemannenschule Wutöschingen im Landkreis Waldshut, die 2019 mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet wurde, verbindet selbstorganisiertes Lernen mit praktischem Erleben.
Im Rahmen dieses Konzepts lernen Jugendliche unter anderem in Lernateliers mit Kompetenzrastern und wöchentlichen Einzelcoachings, wĂ€hrend der Frontalunterricht in KernfĂ€chern wie Deutsch und Mathematik auf je eine Stunde Input pro Woche begrenzt ist. Zudem errichten SchĂŒlerinnen und SchĂŒler in mehrtĂ€gigen Projekten Plattformen und Camps im Wald, um Selbstwirksamkeit und Gemeinschaft zu stĂ€rken.
In ThĂŒringen prĂ€mierten der Landessportbund, das Bildungsministerium und die Unfallkasse ThĂŒringen im Jahr 2026 zehn von 46 Bewerberschulen als bewegungsfördernde Schulen, um Bewegung als Ausgleich zum Schulalltag strukturell zu fördern.
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Dass gezielte Entschleunigung und Regenerationsphasen das Nervensystem nach Belastungen stabilisieren können, belegt zudem die Grundlagenforschung. Eine im September 2026 im Fachjournal PNAS veröffentlichte Untersuchung des Psychologischen Instituts der Chinesischen Akademie der Wissenschaften mit 120 gesunden jungen Erwachsenen ergab, dass musikalische Reize nach einer akuten Stresssituation zu einer schnelleren Normalisierung körperlicher Stressparameter und einer Stimmungsaufhellung fĂŒhrten.
Funktionelle Magnetresonanztomografien wiesen dabei verĂ€nderte Kommunikationsmuster zwischen auditivem Kortex, Insula und Thalamus nach. Die Forscher betonten jedoch, dass sich die Resultate auf akute Belastungen bei gesunden Probanden beziehen und keine direkte Therapie bei chronischen Störungen ersetzen. Dennoch unterstreichen die Befunde den Wert gezielter Erholungsphasen fĂŒr das mentale Gleichgewicht.
