Autonome Logistik: Lidl startet fahrerlosen Lkw-Test in Deutschland
Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 06:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Lebensmitteldiscounter Lidl hat in Deutschland ein Pilotprojekt gestartet, bei dem erstmals ein fahrerloser und kabinenloser Elektro-Lkw eines Kooperationspartners im öffentlichen Straßenverkehr eingesetzt wird.
Das Fahrzeug des Typs Einride operiert im Nachtverkehr zwischen einem Verteilzentrum und einer Filiale im nordhessischen Edermünde. Damit ist Lidl der erste deutsche Lebensmittelhändler, der auf diese Form der autonomen Logistik im öffentlichen Raum setzt.
Testbetrieb und technische Spezifikationen in Edermünde
Der eingesetzte Elektro-Lkw entspricht dem Automatisierungsstandard SAE Level 4. Mit einer Länge von 7 Metern und einer Breite von 2 Metern bietet das Fahrzeug Platz für 15 Europaletten.
Während der auf vier Monate angesetzten Testphase absolviert der Lastwagen nachts drei Fahrten über eine Distanz von jeweils 500 Metern. Die Geschwindigkeit bewegt sich dabei in einem Rahmen von 15 bis 25 km/h.
Das Ziel des Vorhabens ist der Transport von mehr als 3.000 Paletten innerhalb des viermonatigen Zeitraums. Obwohl das System fahrerlos konzipiert ist, wird der Lkw während des Pilotprojekts zur Sicherheit noch von einem Mitarbeiter begleitet.
Die Genehmigung durch das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) stellt die erste Zulassung für einen kabinenlosen Lastwagen in Deutschland dar. Als rechtliche Grundlage diente die EU-Verordnung 2022/1426 in der Fassung vom März 2026.
Fachkräftemangel als Treiber für automatisierte Logistik
Hintergrund der Investition in autonome Systeme ist der erhebliche Personalmangel in der Logistikbranche. Thomas Dangelmayer von Lidl Deutschland verwies in diesem Zusammenhang auf Schätzungen, wonach in Deutschland zwischen 80.000 und 120.000 Berufskraftfahrer fehlen. Lidl betreibt bundesweit mehr als 3.250 Filialen und 39 Verteilzentren und ist somit in hohem Maße auf eine funktionierende Lieferkette angewiesen.
Diese Entwicklung spiegelt einen europaweiten Trend wider. Laut Daten der International Road Transport Union (IRU) vom Juni 2026 waren im Jahr 2025 rund 502.000 Stellen für Lkw-Fahrer in Europa unbesetzt. Dies entsprach einer Quote von 13 Prozent aller verfügbaren Stellen in diesem Sektor.
Während in Nordhessen nachts ein kabinenloser Elektro-Lkw zwischen Verteilzentrum und Filiale pendelt, fehlen in Deutschland laut Branchenschätzungen 80.000 bis 120.000 Berufskraftfahrer. Wer seine Lieferkette jetzt zukunftsfest aufstellen will, findet in diesem kostenlosen Report die entscheidenden Hebel. Jetzt kostenlosen Logistik-Report anfordern
Internationaler Wettbewerb bei fahrerlosen Transportsystemen
Parallel zum Projekt in Deutschland treiben weltweit zahlreiche Unternehmen die Entwicklung autonomer Schwerlastfahrzeuge voran. Pony.ai und GAC Liancheng präsentierten Mitte September 2026 den L4-autonomen Schwerlast-Lkw T9 Robotruck, dessen Serienproduktion noch im laufenden Jahr beginnen soll.
Das Fahrzeug ist mit umfangreicher Sensorik, darunter neun Lidar-Systemen, ausgestattet und soll die Transportkosten pro Tonnenkilometer um 30 Prozent senken.
Auch das Unternehmen Zelos erhielt im September 2026 als erster Anbieter ein belgisches Testkennzeichen für seinen RoboVan auf Basis der genannten EU-Verordnung.
In China stellte Xinhua·Dakuaitou mit dem Ocean Robot T60 ein fahrerloses Elektro-Schwerlastfahrzeug für Schüttgutterminals vor, das die Betriebskosten in personalfreien Umgebungen um 58,6 Prozent reduzieren soll. Aurora Innovation plant unterdessen, die Produktion bis zum vierten Quartal 2026 auf 20 fahrerlose Lastwagen pro Woche zu steigern.
Marktausblick und Hardware-Entwicklungen
Große Automobilzulieferer und Fahrzeughersteller positionieren sich ebenfalls verstärkt in diesem Wachstumsmarkt. Bosch kündigte an, den Umsatz im Geschäft mit schweren Nutzfahrzeugen bis 2035 verdoppeln zu wollen. Das Unternehmen prognostiziert für das Jahr 2026 einen globalen Lkw-Bau von rund 3,3 Millionen Einheiten. Zudem soll bis dahin ein Drittel der neuen Elektro-Lkw in Europa mit Motoren oder Invertern von Bosch ausgestattet sein.
Die erste KBA-Zulassung für einen kabinenlosen Lkw in Deutschland zeigt: Die Rechtslage für autonome Fahrzeuge wird konkret. Wer die EU-Verordnung 2022/1426 und die Zulassungsanforderungen nicht kennt, riskiert Verzögerungen im eigenen Projekt. Der Leitfaden führt Sie durch Genehmigung, Technik und Kosten. Zulassungs-Checkliste jetzt sichern
Im Bereich der schweren Elektro-Lkw erwächst etablierten Akteuren neue Konkurrenz. BYD präsentierte mit dem ETT 44 einen Herausforderer für den Tesla Semi in Europa. Das Fahrzeug verfügt über eine Nutzlast von 44 Tonnen, eine Reichweite von 600 Kilometern und eine Ladeleistung von 1,5 Megawatt, die eine Ladung von 20 auf 80 Prozent in 20 Minuten ermöglicht.
Tesla plant den Verkaufsstart seines Semi-Modells in Europa für Ende 2027. Analysten von Morgan Stanley sehen im Bereich des „Robotrucking“ erhebliches Potenzial und schätzen, dass ein autonomer Lkw bei hoher Auslastung einen jährlichen Gewinn von bis zu 650.000 US-Dollar generieren könnte.
