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Autonomes Fahren: USA lockern Standards, Großbritannien verhängt Haft

Veröffentlicht: 08.07.2026 um 17:43 Uhr, Redaktion boerse-global.de

USA planen Verzicht auf Bremspedale in autonomen Fahrzeugen, während London Werbelügen mit Haft bestraft. Tesla startet Robotaxi-Dienst in Miami.

Autonomes Fahren: USA lockern Regeln, Großbritannien verschärft Werbung
Autonomes - Innenraum eines futuristischen autonomen Fahrzeugs mit digitalem Display anstelle des Lenkrads und ohne Pedale. 08.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Während die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA am Dienstag den Verzicht auf Bremspedale in autonomen Fahrzeugen vorschlug, verschärft Großbritannien zeitgleich die Werberegeln für „selbstfahrende" Systeme. Ein globaler Flickenteppich an Vorschriften entsteht – mit weitreichenden Folgen für Hersteller wie Tesla, Waymo und Zoox.

USA: Kein Bremspedal mehr nötig

Die geplanten Änderungen der Federal Motor Vehicle Safety Standards (FMVSS) zielen auf speziell entwickelte autonome Fahrzeuge ab. Diese sogenannten „Purpose-built AVs" kommen künftig ohne Lenkrad und Bremspedal aus – zumindest wenn die NHTSA ihren Vorschlag umsetzt. Die entscheidende Einschränkung: Die bestehenden Anforderungen an den Bremsweg bleiben unverändert in Kraft.

Der Vorschlag ist bis zum 27. Juli 2026 öffentlich einsehbar. Betroffen sind vor allem Hersteller, die ihre Fahrzeuge von Grund auf für autonomes Fahren konzipieren. Die Behörde setzt künftig auf leistungsbasierte Standards, die auf den sogenannten Operational Design Domain (ODD) eines Fahrzeugs zugeschnitten sind. Gleichzeitig deutet sich an, dass die bisherige Obergrenze von 2.500 autonomen Fahrzeugen pro Jahr und Hersteller fallen könnte.

Britische Strafen: Bis zu zwei Jahre Haft für Werbelügen

London geht einen anderen, deutlich härteren Weg. Die neuen „Automated Vehicles (Marketing Restrictions) Regulations 2026" reservieren acht Begriffe – darunter „selbstfahrend", „autonom" und „fahrerlos" – ausschließlich für offiziell zugelassene Fahrzeuge. Wer diese Begriffe für Systeme verwendet, die noch menschliche Eingriffe erfordern, riskiert bis zu zwei Jahre Gefängnis. Auch der Begriff „Robotaxi" fällt unter die neuen Regelungen.

Lokale Hürden: New Jersey gegen Teslas Kamera-Strategie

Während die Bundesebene die technischen Hürden senkt, wächst der Widerstand auf lokaler Ebene. In New Jersey liegt ein Gesetzesentwurf vor, der autonome Fahrzeuge zwingend mit Lidar- und Radarsensoren ausstatten will. Das würde Teslas „Vision-Only"-Ansatz – reine Kamerasysteme ohne zusätzliche Sensoren – im Bundesstaat faktisch verbieten. Ein ähnlicher Vorstoß ist in New York anhängig.

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Kommerzieller Betrieb: Miami bekommt Teslas Robotaxi

Trotz der regulatorischen Unsicherheiten beschleunigt sich der kommerzielle Betrieb:

  • Tesla startete am Dienstag einen unbemannten Robotaxi-Dienst in Miami, Florida. Das Gebiet umfasst zehn bis 14 Quadratmeilen – die Innenstadt bleibt zunächst ausgespart. Ein kompletter Software-Neustart ist für Ende 2026 oder Anfang 2027 angekündigt.
  • Waymo bietet in Kalifornien kostenlose Fahrten mit seinen neuen „Ojai"-Fahrzeugen an, die von Zeekr gebaut werden. Die Kosten pro Fahrzeug: rund 150.000 Dollar. Die Technik umfasst 13 Kameras, sechs Radareinheiten und vier Lidarsensoren.
  • Europa steht ebenfalls unter Druck. Das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt prüft derzeit Teslas überwachte Automationssysteme, nachdem eine vorläufige EU-Typgenehmigung im April 2026 erteilt wurde.

Marktprognosen: Automatisierung bleibt Nische

Analysten von Berg Insight erwarten, dass hochautomatisierte Systeme bis 2031 eine Minderheit bleiben. Der Prognose zufolge werden Level-2- und Level-2+-Systeme dann 77 Prozent der Neuwagenverkäufe weltweit ausmachen. Level-3-Systeme, die dem Fahrer erlauben, die Augen von der Straße zu nehmen, kommen auf gerade einmal 4,8 Prozent Marktanteil.

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NHTSA-Chef John Morrison mahnte kürzlich in Nashville, dass Entwickler sicherstellen müssten, dass ihre Fahrzeuge Verkehrsregeln strikt einhalten. Das Insurance Institute for Highway Safety (IIHS) warnt zudem: Während automatische Notbremsungen wirksam seien, könne Teilautomatisierung die Ablenkung der Fahrer fördern. Forscher gehen davon aus, dass noch mehrere Jahre Daten nötig sind, um die Sicherheitsbilanz autonomer Systeme verlässlich mit menschlichen Fahrern zu vergleichen.

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