AVantiLT: 1,85 Millionen Euro für Spirulina-Forschung gegen Leberkrebs
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 11:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Suche nach neuen Ansätzen in der Onkologie führt die Wissenschaft zunehmend zu natürlichen Ressourcen. Ein zentrales Objekt der aktuellen Forschung ist die Mikroalge Spirulina, deren Inhaltsstoffe derzeit auf ihre potenziellen Wirkungen gegen Leberkrebszellen untersucht werden.
Im Rahmen des Forschungsprojekts AVantiLT an der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg analysieren Wissenschaftler, ob und in welcher Weise spezifische Bestandteile der Alge das Wachstum von Tumorzellen beeinflussen können.
Untersuchung von Algenextrakten auf zellulärer Ebene
Das wissenschaftliche Augenmerk liegt bei dem Projekt AVantiLT primär auf der isolierten Betrachtung von Zellstrukturen. Die Forscher der BTU Cottbus-Senftenberg führen dabei vergleichende Tests durch: Untersucht wird die Reaktion von Leberkrebszellen sowie von gesunden menschlichen Leberzellen auf die Einwirkung verschiedener Spirulina-Extrakte. Diese differenzierte Herangehensweise ist notwendig, um potenzielle Wirkstoffe zu identifizieren, die selektiv gegen maligne Zellen vorgehen könnten, ohne das umliegende gesunde Gewebe zu schädigen.
Obwohl Spirulina in der Ernährungsbranche bereits seit Längerem als Nahrungsergänzungsmittel etabliert ist, steht die fundierte medizinische Evidenz für eine therapeutische Wirkung gegen Krebs noch am Anfang.
Ein gesicherter Effekt beim Menschen konnte bislang nicht belegt werden. Die aktuellen Untersuchungen dienen daher vorrangig der Grundlagenforschung, um biochemische Mechanismen zu verstehen, die einer künftigen pharmazeutischen Nutzung vorausgehen müssten.
Finanzierung und langfristige Projektplanung
Die Bedeutung dieses Forschungszweigs spiegelt sich in der staatlichen Unterstützung wider. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt fördert das Vorhaben mit einer Summe von 1,85 Mio. Euro.
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Das Projekt startete im Jahr 2022 und ist auf eine Gesamtlaufzeit von fünf Jahren ausgelegt. Damit ist die finanzielle Basis geschaffen, um über einen längeren Zeitraum konstante Versuchsreihen durchzuführen und belastbare Daten zu generieren.
Mit belastbaren Ergebnissen zur möglichen Fortsetzung der Forschungsarbeiten sowie über eine daran anknüpfende weitere Förderung wird im Jahr 2027 gerechnet. Erst dann wird sich abzeichnen, ob die im Labor beobachteten Effekte ausreichend Substanz bieten, um den Übergang in die nächste Phase der Wirkstoffentwicklung zu rechtfertigen.
Hürden auf dem Weg zur medizinischen Anwendung
Trotz der intensiven Forschungsbemühungen ist der Weg von der Laboranalyse bis zu einem zugelassenen Medikament lang und mit hohen regulatorischen Hürden verbunden. Die Projektleitung dämpft daher übersteigerte Erwartungen an eine zeitnahe Verfügbarkeit.
Bis zu einer möglichen Zulassung als Arzneimittel wären nach Einschätzung der Verantwortlichen ab dem jetzigen Zeitpunkt noch mindestens zehn Jahre intensiver Forschung und klinischer Prüfungen erforderlich.
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Zudem betonen die Experten, dass die bisherigen Erkenntnisse keine Grundlage für eine Selbstmedikation bieten. Spirulina ersetzt nach aktuellem Kenntnisstand keine etablierte Krebstherapie.
Die Forschungsergebnisse der BTU Cottbus-Senftenberg sollen dazu beitragen, die wissenschaftliche Basis für ergänzende oder neue Behandlungsformen zu verbreitern, stellen jedoch zum gegenwärtigen Zeitpunkt keinen Ersatz für die konventionelle medizinische Versorgung dar.
