Schleswig-Holstein, Deutschland

«Avocado-Hand»-FĂ€lle steigen – Mehr Frauen betroffen

Veröffentlicht am: 10.08.2026 um 13:05 Uhr | dpa.de

Die Zahl der «Avocado-Hand»-FÀlle steigt an einem Klinikum, das Zahlen dazu ausgewertet hat. Was hinter den Schnittverletzungen steckt und wie man sie vermeiden kann.

  • Die Auswertung der Notaufnahmedaten von Anfang 2022 bis Mitte 2026 zeigt steigende Fallzahlen.  - Bild: Christian Charisius/dpa
    Die Auswertung der Notaufnahmedaten von Anfang 2022 bis Mitte 2026 zeigt steigende Fallzahlen. - Bild: Christian Charisius/dpa
  • Die Avocado sollte beim Schneiden nicht in der Hand gehalten werden. - Bild: Christian Charisius/dpa
    Die Avocado sollte beim Schneiden nicht in der Hand gehalten werden. - Bild: Christian Charisius/dpa
Die Auswertung der Notaufnahmedaten von Anfang 2022 bis Mitte 2026 zeigt steigende Fallzahlen.  - Bild: Christian Charisius/dpa Die Avocado sollte beim Schneiden nicht in der Hand gehalten werden. - Bild: Christian Charisius/dpa

An einem Klinikum in Norddeutschland steigt die Zahl von FĂ€llen der sogenannten Avocado-Hand. Dabei handelt es sich um spezifische Schnittverletzungen der Hand, die auf die unsachgemĂ€ĂŸe Zubereitung von Avocados zurĂŒckzufĂŒhren sind, wie eine Sprecherin des UniversitĂ€tsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) mit den Standorten in Kiel und LĂŒbeck mitteilte. 

Die, wenn auch kleine, Auswertung von gut 80 FĂ€llen aus den Notaufnahmedaten von Anfang 2020 bis Mitte 2026 zeigt eine deutliche Steigerung dieser Schnittverletzungen: 2020 waren es noch 8 FĂ€lle, 2024 waren es 18 und im vergangenen Jahr 21 FĂ€lle. Zudem waren Frauen ĂŒberproportional hĂ€ufig betroffen. So verletzten sich 81,9 Prozent Frauen beim Schneiden einer Avocado. 

Ebenso zeigte sich, dass mehr als die HÀlfte der Verletzten zwischen 20 und 29 Jahre alt war (44 FÀlle). Die medizinisch als «Avocado-Hand» bekannte Verletzung erfordert den Angaben nach in vielen FÀllen eine operative, teils mikrochirurgische Versorgung.

Eine Steigerung solcher Schnittverletzungen hatte vor einigen Jahren auch ein US-Team festgestellt, das 50.413 FĂ€lle von 1998 bis 2017 analysierte. Es registrierte von 1998 bis 2002 ĂŒber 3.000 FĂ€lle und von 2013 bis 2017 gut 27.059 FĂ€lle. Dieser Anstieg korreliere eng mit dem wachsenden Avocadokonsum in den USA, schreibt das Team im «The American Journal of Emergency Medicine».

Verletzung und Folgen

Die «Avocado-Hand» entsteht laut UKSH, weil die Anatomie der HandinnenflĂ€che und die Beschaffenheit der Frucht ungĂŒnstig zusammenspielen. Typischerweise hĂ€lt man die AvocadohĂ€lfte in der hohlen, nicht-dominanten Hand und schneidet mit der dominanten Hand das Fruchtfleisch ein oder hebelt den harten, glatten Kern mit der Messerspitze heraus. 

Rutscht die Klinge dann vom Kern ab oder gleitet sie unerwartet leicht durch die weiche Schale, trifft das Messer mit Wucht auf die HandinnenflĂ€che oder die Fingerbeugen. Dort verlaufen wichtige Strukturen wie Beugesehnen, Fingernerven und Arterien dicht unter der Haut. Verletzungen fĂŒhren oft von starken Blutungen bis zuweilen sogar zu einem Funktionsverlust von Fingern. Selbst nach einer erfolgreichen Operation bleibt die Hand meist wochenlang ruhiggestellt und braucht intensive Physiotherapie, hieß es.

Wie man sich schĂŒtzt

Um das Risiko von dauerhaften FunktionseinschrĂ€nkungen der Hand zu minimieren, rĂ€t das Klinikum Folgendes: So sollte die Avocado beim Halbieren nicht in der Hand gehalten, sondern flach auf ein stabiles Schneidebrett gelegt werden. Ebenso sollte der Kern nicht mit der Messerklinge aus der Frucht gehebelt, sondern etwa ein Löffel genutzt werden. Sollte zudem das Fruchtfleisch gewĂŒrfelt werden, mĂŒsse die Avocado zwingend auf dem Schneidebrett liegen bleiben, hieß es.

de | wissenschaft | 69932493 |