BaFin-Regulierung, KI-Regeln

BaFin-Regulierung: Neue KI-Regeln und PFOF-Aus ab Juli

Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 00:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die BaFin treibt die Bankenregulierung mit neuen Vorgaben zu KI, Provisionsverboten und verschärften Geldwäsche-Kontrollen voran.

BaFin verschärft Regeln: KI-Risiken, PFOF-Aus und neue MaRisk
Moderner Bankschreibtisch mit digitalen Datenvisualisierungsdiagrammen für finanzielles Risikomanagement. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die deutsche Finanzaufsicht BaFin treibt die Regulierung von Banken und Finanzdienstleistern massiv voran. Gleich mehrere Maßnahmenpakete setzen Kreditinstitute unter Zugzwang – von strengeren Vorgaben für Künstliche Intelligenz bis zum endgültigen Aus für umstrittene Provisionszahlungen bei Neobrokern.

MaRisk 10.0: Mehr Flexibilität für kleine Institute

Am 30. Juni 2026 veröffentlichte die BaFin die finale Version der aktualisierten Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk 10.0). Die Umsetzungsfrist läuft bis zum 1. Januar 2027. Das Regelwerk bringt vor allem zwei Neuerungen: Nachhaltigkeitsrisiken werden gestrafft, und kleinere Institute erhalten Erleichterungen.

Konkret entfällt der zehnjährige Referenzzeitraum für ESG-Risiken bei bestimmten Kapitalanforderungen. Banken, die eine zusätzliche Eigenkapitalpuffer von zwei Prozent (CET1) vorhalten, dürfen ihre Strategie- und Kapitalplanung künftig nur noch jährlich überprüfen – statt häufiger. Die Branche bewertet 43 der insgesamt 51 Änderungen als positiv. Neu eingeführt wird zudem ein Auslagerungsregister. Die Risikocontrolling-Funktion wandert auf die zweite Führungsebene.

Schluss mit PFOF: BaFin geht gegen Umgehungs-Tricks vor

Seit dem 1. Juli 2026 ist in Deutschland Schluss mit Payment for Order Flow (PFOF) – der Praxis, dass Broker Zahlungen von Handelsplätzen für die Weiterleitung von Kundenorders erhalten. Die Übergangsfrist lief am 30. Juni aus. Am 22. Juli legte die BaFin mit einem Aufsichtsschreiben nach und benannte drei konkrete Umgehungs-Tricks, die sie nicht dulden wird.

Die Botschaft ist klar: Order-Routing muss ausschließlich im besten Interesse des Kunden erfolgen, nicht aufgrund finanzieller Anreize von Market Makern. Geschäftsmodelle müssen angepasst werden – notfalls mit Zwangsmaßnahmen.

KI-Risiken: ESRB warnt vor „schwerwiegender“ Cybergefahr

Der Europäische Ausschuss für Systemrisiken (ESRB) stufte am 7. Juli 2026 sogenannte Frontier-KI-Modelle (FAIMs) als Quelle schwerwiegender systemischer Cyberrisiken ein. Die Risikobewertung stieg von „erhöht“ auf „schwerwiegend“. Der Grund: Diese Modelle können eigenständig Sicherheitslücken entdecken und innerhalb von Minuten Exploits entwickeln.

Anzeige

Die rasanten Fortschritte bei KI-Systemen verschärfen die Bedrohungslage für Unternehmen massiv und erfordern neue Sicherheitsstrategien. Dieser kostenlose Report klärt auf, welche rechtlichen Pflichten und neuen Cyberrisiken Unternehmer jetzt kennen müssen. Jetzt Cyber Security E-Book kostenlos herunterladen

Die Europäische Zentralbank (EZB) reagierte umgehend. Bedeutende Institute müssen bis zum 31. Oktober 2026 einen umfassenden, vom Vorstand genehmigten Cybersicherheits-Aktionsplan vorlegen – mit Fokus auf KI-Risiken. Auch Polens Aufsichtsbehörde KNF forderte Banken am 22. Juli auf, das Schwachstellenmanagement und die Überwachung von IT-Dienstleistern zu verschärfen. Grundlage ist die Digital Operational Resilience Act (DORA), die seit Anfang 2025 vollständig gilt.

Helaba unter Aufsicht: Geldwäsche-Kontrollen versagt

Nicht nur neue Regeln, auch die Durchsetzung bestehender Vorschriften bleibt ein Schwerpunkt. Am 22. Juli 2026 erließ die BaFin eine rechtsverbindliche Anordnung gegen die Helaba. Grund: schwerwiegende Mängel bei der Geldwäschebekämpfung.

Die Aufsicht stellte systemische Kalibrierungsprobleme in der Transaktionsüberwachung fest. Daten aus Handelsfinanzierung, Unternehmenskrediten und Korrespondenzbankgeschäft seien nicht ausreichend eingebunden. Die Helaba muss ihre Überwachungssysteme umbauen, monatliche Fortschrittsberichte vorlegen und unabhängige Prüfer mit der Kontrolle beauftragen.

Anzeige

Neben der Geldwäschebekämpfung rückt die EU-KI-Verordnung als neue regulatorische Säule in den Fokus der Compliance-Abteilungen. Ein kostenloser Download verschafft Ihnen den Überblick über Fristen, Pflichten und Risikoklassen, den Ihre Rechts- und IT-Abteilung jetzt dringend braucht. EU AI Act in 5 Schritten verstehen

EU-Kommission will Bürokratie abbauen – Banken fordern mehr

Die EU-Kommission veröffentlichte am 22. Juli 2026 einen Bericht zur Wettbewerbsfähigkeit von Banken. Ziel: regulatorische Lasten senken und den Binnenmarkt stärken. Konkrete Gesetzesvorschläge werden für das erste Quartal 2027 erwartet.

Unterstützung kommt von den Finanzministern aus Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Polen und den Niederlanden. In einem gemeinsamen Arbeitspapier schlagen sie vor, die Behandlung von Software-Vermögenswerten zu überprüfen, Kapitalpuffer zu vereinfachen und Nachhaltigkeitsberichtspflichten zu reduzieren. Bankenverbände begrüßen das Ziel, fordern aber konkretere Maßnahmen – vor allem, um einen deutlichen Anstieg der Kapitalanforderungen für kleine und mittlere Institute zu verhindern.

Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.

de | wissenschaft | 69856659 |